Die Massentests in Südtirol kamen zu einem Ergebnis

Südtirol geht nach erfolgreichem Test in “Phase 2”

Donnerstag, 26. November 2020 | 15:47 Uhr

In einer ersten Bilanz nach der Corona-Massentestung, die in Südtirol zwischen 19. und 25. November stattgefunden hatte, hat Gesundheitslandesrat Thomas Widmann (SVP) von einer “überwältigenden Beteiligung” und einem “riesigen Erfolg” gesprochen. Nun folge “Phase 2”, die unter anderem wöchentliche Tests einer repräsentativen Gruppe von 4.900 Bürgern umfasse, darunter 900 Personen aus dem Schulbereich. So seien Infektionsherde schnell auszumachen.

Durch die “Phase 2” erhoffe man sich, “den Erfolg der Massentests dauerhaft zu machen”, erklärte der Gesundheitslandesrat. 362.050 Menschen nahmen an der Aktion “Südtirol testet” teil, was rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung gleichkomme. 3.619 Testergebnisse fielen positiv aus – dies entsprach einem Prozent, teilte die Landesregierung am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Bozen mit.

Die Testungen in großem Ausmaß hatten in der autonomen Provinz am vergangenen Freitag begonnen. Seit Montag gab es dann noch die Möglichkeit, sich bei teilnehmenden Ärzten und Apotheken auf das Virus testen zu lassen. Die rege Beteiligung hat in Südtirol die Erwartungen der Verantwortlichen übertroffen. Rund 350.000 Menschen waren ursprünglich aufgerufen, an der Massentestung teilzunehmen. “Das zeigt die unglaubliche Eigenverantwortung der Südtiroler Bevölkerung”, lobte Widmann, “es war unsere einzige und letzte Chance, selbst aktiv zu werden”. “Es ist uns gelungen, das hohe und diffuse Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen”, zeigte sich der SVP-Politiker höchstzufrieden. “Was die Südtiroler hier bewiesen haben ist einzigartig”, pflichtete Florian Zerzer vom Südtiroler Sanitätsbetrieb bei.

Dass es der richtige Schritt war, zeige auch der R-Faktor, der von 1,4 schon unter 1 gefallen sei und aktuell, Stand Donnerstagnachmittag, sogar gegen 0,5 gehe. Dem Ziel, die Anzahl der Neuinfektionen pro Tag zu halbieren komme man so immer näher, berichtete der Projektleiter von “Südtirol testet”, Patrick Franzoni. Die 3.619 positiv Getesteten “hätten uns in Gefahr gebracht”, da sie keine Symptome aufwiesen und sich somit ihrer Erkrankung nicht bewusst waren. Dass mit Antigentests symptomatische Infizierte ausgemacht wurden, sei ein Paradigmenwechsel, zeigte sich Widmann überzeugt, das habe auch eine internationale Expertenkommission bei einer Sitzung am Mittwoch so gesagt. Nachahmer – darunter Österreich – sah er als “eine weitere Bestätigung, einen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben”.

Das Massen-Screening sei allerdings, räumte Widmann ein, nur eine Momentaufnahme, weitere Massentests müssten folgen. Das Land verfüge derzeit über 1,2 Mio. Antigentests, nun würden über 4.000 Tests pro Tag vorgenommen, tausende auch in Altersheimen und Krankenhäusern. Damit liege man in Südtirol gemessen an der Bevölkerungszahl im europäischen Spitzenfeld was die Anzahl der Testungen betreffe, betonte Widmann. Um gemeinsam den Erfolg der Massentests abzusichern, biete man Tests nicht nur an Stationen, sondern auch zuhause an. Mobile Dienste würden das Angebot abrunden, erklärte Zerzer vom Südtiroler Sanitätsbetrieb. Wöchentlich könnten, so Zerzer weiter, allein bis zu 15.000 PCR-Tests durchgeführt werden.

Besonders sei, neben der hohen Testkapazität, auch die Einbindung von Hausärzten und privaten Ärzten, sowie Apotheken. Dieses Modell sei in Italien einzigartig. Vom Rest Italiens unterscheide sich auch die Handhabe positiv Getesteter. So müsse sich jeder mittels Antigentest positiv Getestete sich auch weiterhin sofort in häusliche Isolation begeben, mahnte Zerzer. So könne eine Ansteckung vermieden aber auch “Effizienz, Schnelligkeit und Klarheit unter den Bürgern” gewährleistet werden.

Zusätzlich zu den auch bisher durchgeführten Testungen umfasst “Südtirol testet – Phase 2” wöchentliche Tests eines zufallsgenerierten, repräsentativen und 4.900 Bürger umfassenden Samples, darunter 900 Personen aus dem Schulbereich. Diese von den Gemeinden angeworbene Personen werden, so Zerzer, freiwillig ein Mal pro Woche getestet. So erhoffe man sich entstehende Infektionsherde sofort zu identifizieren und einzugrenzen. Die Experten sprachen in dem Zusammenhang von einem “Rauchmeldereffekt”.

Widmann bedankte sich bei der Südtiroler Bevölkerung und stellte, wie versprochen, eine “Lockerung mit sinnvollen Beschränkungen” der strengen Corona-Maßnahmen in Aussicht. Darüber werde am Donnerstag im Rahmen der Landesregierungssitzung diskutiert. Die rege Teilnahme stimme ihn zuversichtlich, dass sich die Bürger auch in Zukunft am “Pandemiemonitoring” beteiligen und “Eigenverantwortung übernehmen” werden, meinte Widmann.

Von: apa

Bezirk: Bozen

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