Prozess gegen Agrarwissenschaftler Karl Bär geht aber dennoch weiter

LR Schuler will Anzeige gegen Pestizidkritiker zurücknehmen

Dienstag, 06. Juli 2021 | 14:30 Uhr

Bozen – In Bozen läuft seit Herbst ein Prozess, in dem der Agrarwissenschafter Karl Bär wegen der Kampagne “Pestizidtirol” angeklagt ist, die 2017 auf den hohen Pestizideinsatz in Südtiroler Apfelplantagen aufmerksam machen wollte. Auch das Land Südtirol befand sich unter den Klägern, die gemeinsam mit Obstbauern gegen Bär juristisch vorgehen wollten. Gegenüber der “tz” (Dienstagsausgabe) kündigte Landesrat Arnold Schuler (SVP) aber erneut an, die Anzeigen zurückziehen zu wollen.

Bereits vor dem ersten Prozesstag im September 2020 wollten Schuler und die Obstbauern ihre Anzeigen zurückziehen – was bisher aber nicht geschehen sei. “Die Strafanträge werden im Lauf dieser Woche zurückgenommen. Die Verzögerung hatte verfahrenstechnische Gründe”, wurde Georg Kössler vom Südtiroler Apfelkonsortium in dem Bericht zitiert.

Wie es am Dienstag vom Münchner Umweltinstitut gegenüber der APA hieß, habe Bär zuvor angeboten, detaillierte Daten über den Chemieeinsatz in Südtirols Obstplantagen, die in den Prozessakten gelandet sind, nicht im Alleingang zu veröffentlichen, sondern gemeinsam bei einer öffentlichen Veranstaltung mit der Obstwirtschaft zu diskutieren.

Der Prozess wegen übler Nachrede gehe jedoch weiter. “In jedem Fall stehe ich nach wie vor in Bozen vor Gericht”, hieß es von Bär in einer Aussendung des Umweltinstituts am Dienstag. Zwei der 1.376 Anzeigen würden nämlich nach wie vor bestehen.

Erst im Mai hatte der Prozess gegen den Pestizidkritiker, Autor und Dokumentarfilmer Alexander Schiebel mit einem Freispruch geendet. Er wurde vom Vorwurf der Üblen Nachrede freigesprochen. Auch hier zogen Schulen und die Obstbauern ihr Strafanträge als Nebenkläger zurück. Schiebel machte in seinem Buch und gleichnamigen Film “Das Wunder von Mals” auf den Pestizideinsatz in Südtirol aufmerksam. Bär wiederum platzierte in München ein Plakat, das eine Tourismus-Marketing-Kampagne für Südtirol sowie die Südtiroler Dachmarke satirisch verfremdete (“Pestizidtirol” statt Südtirol).

Von: apa

Bezirk: Bozen