Von: mk
Neapel/Bozen – Im Fall des zweijährigen Buben aus Neapel, der nach einer fehlgeschlagenen Herztransplantation am Samstag gestorben ist, laufen die Ermittlungen gegen Ärzte und medizinisches Personal des neapolitanischen Krankenhauses “Monaldi” auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft von Neapel hat derzeit sieben Personen ins Ermittlungsregister eingetragen, keine davon stammt aus Südtirol. Wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt, sind Carabinieri der Sondereinheit NAS aus Trient unterdessen im Bozner Krankenhaus vorstellig geworden.
Der Zweijährige ist bekanntlich am Samstag verstorben. Nach dem Tod des kleinen Patienten wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Unter den Beschuldigten in Neapel sind nach italienischen Medienberichten die Chirurgin, die das Team für die Organentnahme leitete, sowie der Herzchirurg, der die Transplantation in Neapel durchführte. Seine Verteidiger erklärten, ihr Mandant habe “alles fachlich Gebotene und menschlich Mögliche” getan, um das Leben des Kindes zu retten.
Wie berichtet, ist das Spenderherz beim Transport aus Bozen nach Neapel beschädigt worden. In Zusammenhang mit der Verwendung von ungeeignetem Eis herrscht weiter Unklarheit.
Weil die Ärzte dem Buben jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem eingepflanzt. Am Leben hielt ihn die ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung), was aber nur für eine begrenzte Zeit gelingen kann. Aus Sicht anderer Ärzte wurde damit ein weiterer Fehler gemacht. Mit einem sogenannten Berliner Herz – eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Ersatzorgan gefunden ist – kann man deutlich länger überleben.
Nachdem man in ganz Europa nach einem zweiten Spenderherz Ausschau gehalten hatte, sprach sich zuletzt ein Expertengremium des Krankenhauses Monaldi gegen eine erneute Herztransplantation aus. Bereits das renommierte Vatikan-Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom hatte zuvor diagnostiziert, dass das Kind wegen des sehr hohen Risikos eines Multiorganversagens “nicht mehr transplantierbar” sei.
Wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt, haben sich die Carabinieri vom NAS aus Trient im Bozner Spital eine Liste aller jener Krankenhausangestellten aushändigen lassen, die an der Entnahme des Spenderherzens und dessen Transport beteiligt waren. Bei den Angestellten handelt es sich laut Ansa um Personal sämtlicher Berufsebenen.
Angesichts der Untersuchung, die von Staatsanwaltschaft in Neapel geleitet wird, warnte Gesundheitslandesrat Messner allerdings davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Der Landesrat verweist auch darauf, dass die Gesamtverantwortung für den Transplantationsprozess – von der Entnahme über den Transport bis zur Implantation – beim Transplantationsteam der jeweiligen Empfängereinrichtung liegt.
Die Ermittler der Sondereinheit NAS haben zum jetzigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten oder eine Mitverantwortung des Bozner Krankenhauspersonals gefunden. Die Zeitung Alto Adige berichtet unterdessen, dass am Krankenhaus Monaldi die letzte Herztransplantation im Jahr 2021 durchgeführt worden war. Im Jahr 2023 war zuletzt ein sogenanntes sogenannten Berliner Herz in einen Patienten eingepflanzt worden.




Aktuell sind 3 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen