Fehlende Blackbox erschwert die Ermittlungen

“Tante Ju”-Absturz in der Schweiz: Suche nach Ursache

Montag, 06. August 2018 | 15:45 Uhr

Nach dem Absturz des Oldtimer-Flugzeuges “Tante Ju” in der Schweiz laufen die Ermittlungen der Unfallforscher auf Hochtouren. Warum die Maschine mit 20 Menschen an Bord – darunter ein Ehepaar aus Niederösterreich mit seinem Sohn – am Samstag auf einem Fels in den Bergen des Kantons Graubünden zerschellte, war bis Montag nicht annähernd geklärt.

“Die Bergungsarbeiten werden voraussichtlich noch mindestens zwei Tage andauern”, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. “Die Bundesanwaltschaft ist zuständig für allfällige an Bord eines Luftfahrzeuges begangenen Handlungen, die zu einem Flugunfall oder einem schweren Vorfall führen.”

Daraus ließen sich aber keine Rückschlüsse auf mögliche Erkenntnisse über Ereignisse an Bord ziehen, betonten Experten. Vielmehr gehören diese Ermittlungen routinemäßig zur Aufgabe der Bundesanwaltschaft. Was technisch der Auslöser für das Unglück war, ermitteln Flugexperten der Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST).

Die Piloten hatten keinen Notruf abgesetzt und die Maschine war praktisch senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit abgestürzt. Die 79 Jahre alte Maschine vom Typ Junkers Ju-52 war seit der Ausmusterung aus der Luftwaffe Anfang der 1980er-Jahre ohne Unfall bei touristischen Alpenflügen im Einsatz.

Der Militär- und Zivilluftfahrtexperte Hansjörg Egger mit langjähriger Luftwaffenerfahrung spekulierte über einen Strömungsabriss. “Ein Strömungsabriss kann eintreten, wenn die Geschwindigkeit zu tief ist – etwa nach einer scharfen Kurve”, sagte er der Zeitung “Blick”. “In den Bergen fliegt die Ju in geringer Höhe über Boden. Da bleibt keine Zeit, die Maschine abzufangen. Wie es dazu gekommen sein könnte, sei aber rätselhaft. Bei einem Strömungsabriss haben Flugzeuge nicht mehr genügend Auf- oder Vortrieb.

Die Ermittler haben anders als bei moderneren Maschinen keinerlei technische Informationen, die bei der Ursachenforschung helfen könnten. So alte Flugzeuge haben keine Blackboxen an Bord, die Gespräche im Cockpit und technische Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und mögliche Geräteausfälle dokumentieren und bei Abstürzen in der Regel intakt bleiben. Deshalb müssen sich die Schweizer Experten auf eine Analyse der Trümmerteile verlassen, die auf mehr als 2.500 Metern Höhe geborgen werden.

Die Maschine gehörte der Ju-Air, die ein Verein von Flugenthusiasten betreibt. Er hatte insgesamt drei Ju-52 und bot damit touristische Ausflüge an. Im Volksmund werden die alten Flieger “Tante Ju” genannt. Ju-Air hat den Flugbetrieb bis auf weiteres eingestellt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "“Tante Ju”-Absturz in der Schweiz: Suche nach Ursache"


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amme
amme
Superredner
8 Tage 12 h

in der luft obn hot dr mensch nicht verloren

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 10 h

Jährlich werden weltweit mehr als 4 Miliarden Personen mit dem Flugzeug transportiert. Das Flugzeug ist statistisch mit grossem Abstand das sicherste Transportmittel.  

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
8 Tage 3 h

@amme Wo hat der Mensch etwas verloren? Im Wasser? Unter Tage? In der Wüste? Auf den Vulkan? Auf den Bergen? Im Wald? WO? Sag es uns!

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 10 h

Dieses Flugzeug ist für Alpenflüge mit Vollbeladung ganz einfach nicht geeignet. An heissen Sommertagen, bei dünner Luft und reduzierter Motorenleistung, hat dieses Flugzeug in Höhen um 3.000 m keine Leistungsreserve für einen Steigflug.     

JU-52
Maximales Abfluggewicht: 10.500 KG
Gesamte Motorenleistung: 1.500 PS
1 PS = 7 KG

Zum Vergleich:

Airbus 918
Maximales Abfluggewicht: 70.000 KG
Gesamte Motorenleistung: 85.000 PS
1 PS = 0,8 KG

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 9 h

Errata corrige: Airbus 318

Eppendorf
Eppendorf
Superredner
8 Tage 9 h

Das Flugzeug blieb über 80 Jahren in der Luft, so ungeeignet war es also nicht. Natürlich sind moderne Flugzeuge leistungsfähiger.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 6 h

@Eppendorf

Eine Alpenquerung unter den selben Bedingungen, wäre auch vor 80 Jahren kritisch gewesen.

schreibt...
schreibt...
Tratscher
8 Tage 1 h

@Orschgeige Wie kam dann der Führer zum Duce?

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
7 Tage 21 h

@schreibt… Mit der Eisenbahn über dem Brenner.

Loewe
Loewe
Superredner
8 Tage 12 h

Schade nochmals um das große Unglück für alle beteiligten!
Eine Blackbox an Bord sollte bei allen Flugzeugen pflicht sein.

Ich hoffe für die Ermittler, dass sie trotzdem die Unfallursache rausfinden können, um die Technologie so zu verbessern, dass Fehler durch gute Techniken vollkommen vermieden werden können!

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 9 h

Das Flugzeug wurde 1939 erbaut!
Damals gab es auch bei Autos, keine ABS-Bremsung, Airbag, Sicherheitsgurten, Differenzialgetriebe, Servolenkung, etc.

Eppendorf
Eppendorf
Superredner
8 Tage 9 h

Das betroffene Flugzeug wurde 1933 gebaut.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 6 h
Staenkerer
8 Tage 1 h

des wor a oltaimer, also no nit mit ollem schnickschnsk ausgstottet!
wer wos wos danebn gongen isch!

schod um oll de menschn!
ruhet sanft.

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