"FridaysForFuture"-Demonstration in Wien

Tausende Schüler demonstrierten für mehr Klimaschutz

Freitag, 15. März 2019 | 19:36 Uhr

Mehr als 20.000 Schüler und Studenten sind österreichweit bei der internationalen Aktion “FridaysForFuture” am Freitag auf die Straße gegangen. Bei den Demos in fast allen Landeshauptstädten riefen die Teilnehmer die Politik zu mehr Anstrengungen beim Klimaschutz auf. Lob gab es dafür von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Weltweit demonstrierten Hunderttausende bei rund 2.000 Kundgebungen.

In Wien starteten um 11.00 Uhr die Demozüge von fünf Treffpunkten aus. Die Routen waren so gewählt, dass sie unter dem Motto “Die Zukunft in die Hand nehmen” eine symbolische Hand formten und sich schließlich in deren Mitte, am Heldenplatz, zusammentrafen. Die Teilnehmer skandierten dabei Parolen wie “Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut”, “Climate Change Now!” oder “Alle meine Freunde streiken heut mit mir”. Die Proteste gingen auch mit Schulstreiks einher.

Am Heldenplatz zählte die Polizei dann 10.500 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen gar von 25.000 Teilnehmern. “Mit 5.000 bis 6.000 haben wir insgeheim gerechnet, 10.000 haben wir uns erhofft und jetzt sind es mehr als 10.000”, freute sich Organisator Johannes Stangl gegenüber der APA. Dank der großen Zahl erhofften die Organisatoren, mit ihren Forderungen nach mehr Klimaschutz politisch Druck machen zu können. “Wir verlangen nur, was die Staaten bei der Klimakonferenz in Paris versprochen haben”, sagte Stangl. Am Montag treffen sie bereits Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). “Hier erhebt eine Generation ihre Stimme, für die der Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen essenziell ist. Unsere Türen sind jederzeit offen für die Anliegen”, sagte die Ministerin.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen richtete sich via Twitter an die Teilnehmer: Die Weltgemeinschaft stehe angesichts der Klimakatastrophe vor der größten Herausforderung in der Geschichte. “Ihr jungen Leute, Schülerinnen & Schüler & Studierende, gebt mir Hoffnung, dass wir diese große Herausforderung meistern können.” Die Erwachsenen nahm das Staatsoberhaupt in die Pflicht. “Wir Erwachsene, Politikerinnen und Politiker müssen euch zuhören, denn es geht um eure Zukunft, um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder”, schrieb Van der Bellen.

Wie die Organisatoren im Vorfeld immer wieder unterstrichen, verlief der Protest völlig friedlich. “Wir sind nur mit Absperren beschäftigt”, bestätigte auch Polizeisprecher Paul Eidenberger. Am Heldenplatz riefen die Veranstalter die Teilnehmer sogar dazu auf, keinen Müll zurückzulassen. Große Auswirkungen hatten die Klima-Demos unterdessen auf den ohnehin starken Freitagsverkehr in der Wiener City.

Große Proteste gab es auch in Bregenz, Innsbruck, Graz, Klagenfurt, Salzburg und Linz. In Bregenz waren rund 1.500 Schüler auf die Straße gegangen, in Innsbruck waren es gar 4.000. Etwa 1.000 Demonstranten waren es in Klagenfurt, in Graz 1.300 und in Linz mit 3.000 Teilnehmer deutlich mehr als erwartet. In Salzburg gingen bis zu 1.000 Manifestanten auf die Straße. Auch in Eisenstadt gab es einen – wenn auch kleinen – Protest mit 60 Teilnehmern.

Diskussionen gab es, wie die Schulen mit den Protesten während der Unterrichtszeit umgehen sollten. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hätte eine “schlichte österreichische Antwort” präferiert: “Macht doch die Demos nach Schulschluss um 13.00 oder 14.00 Uhr”, sagte er in Innsbruck. In Wien waren ganze Volksschulklassen samt Lehrern und begleitenden Eltern mit von der Partie, Oberstufenschüler dagegen meist in Gruppen mit einigen Klassenkameraden unterwegs. An manchen AHS wurde signalisiert, dass ein Mitgehen bei der Demo zwar streng genommen kein Grund für ein Fernbleiben von der Schule darstellt – Konsequenzen gibt es bei Zuwiderhandeln aber keine.

Der Schulschwänz-Paragraph im Schulpflichtgesetz sieht zwar vor, dass Schulleiter durchaus “geeignete Maßnahmen” setzen können, um Schulpflichtverletzungen hintanzuhalten – auch wenn sie unterhalb von drei Tagen liegen. In Betracht kommen aber zunächst nur Aufforderungen, Zurechtweisungen, die Erteilung von Aufträgen zur nachträglichen Erfüllung versäumter Pflichten bzw. Beratungs-und Belehrungsgespräche mit Schülern und Eltern. Erst bei groben oder wiederkehrenden Verfehlungen darf eine Verwarnung ausgesprochen werden.

Unterstützung erhielten die Demonstranten von nahezu allen Seiten. So äußerten sich die Oppositionsparteien SPÖ, NEOS und die Liste JETZT positiv und kritisierten die Regierung ebenso wie die NGOs WWF, Global 2000 und Greenpeace. Auch die Caritas äußerte sich wohlwollend.

Weltweit haben Hunderttausende Jugendliche für einen radikalen Kurswechsel hin zu mehr Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto “FridaysForFuture” gab es in europäischen Metropolen wie Rom, Warschau, London und Berlin. Rund um den Globus waren mehr als 2.000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt. Auch in den USA gingen etliche Schüler für mehr Klimaschutz auf die Straße. Vor dem Kapitol in Washington versammelten sich zu Mittag etwa zweihundert Kinder, Jugendliche und Erwachsene und forderten lautstark einen Politikwechsel.

Die schwedische Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg bescheinigte den Regierungen am Rande der Demonstration in Schweden weltweit zu wenig Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung. Anstatt zu handeln, vergeudeten Politiker allerorten Zeit, sagte die 16-Jährige. “Es gibt so viel, was getan werden muss. Aber ein Anfang wäre, dass sie damit anfangen, zu sagen, wie es ist. Und was tatsächlich getan werden muss; wie sehr die Emissionen verringert werden müssen”, betonte Thunberg.

Trotz anhaltender Warnungen von Wissenschaftern vor den Folgen der Erderwärmung hat der weltweite Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid in den vergangenen zwei Jahren neue Rekordwerte erreicht. Laut einem Bericht des Weltklimarats IPCC vom Oktober kann nur ein grundlegendes weltweites Umsteuern eine globale Klimakatastrophe verhindern.

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hat sich die internationale Gemeinschaft zur Begrenzung der Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter verpflichtet. Die jeweiligen nationalen Klimaschutzzusagen reichen dazu bisher aber bei Weitem nicht aus.

Von: apa

Kommentare

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27 Kommentare auf "Tausende Schüler demonstrierten für mehr Klimaschutz"


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falschauer
falschauer
Universalgelehrter
4 Tage 57 Min

obwohl ich diese aktionen begrüße, bin ich sehr pessimistisch was die zukunft anbelangt….wenn man einen patienten erst behandelt wenn er krank ist, ist es oft schon zu spät…die umstellung auf umweltschonendere systeme erfolgt sehr zähflüssig, die laufende zerstörung der natur hingegen rapide….und das allerschlimmste dabei ist jedoch, dass bestimmte menschen weder die bereitschaft zum handeln haben, im gegenteil diese entwicklung nicht erkennen wollen und zum teil sogar bagatellisieren

Mugsi
Mugsi
Grünschnabel
3 Tage 22 h

Auf den Punkt gebracht

Mamme
Mamme
Superredner
3 Tage 22 h

Solche Aktionen begrüsse ich nicht,aber entsorgen die fileicht heute selber den Müll und laufen nicht nur ins nächste Fastfud um noch mehr müll zu erzeugen,wie letztes mal,denn für was laufen die denn schreiend und grölend durch die Strassen?

Tabernakel
3 Tage 21 h

@Mamme

Den Müll den Du hier schreibst zeugt vom Schulschwänzen im Deutsch-Unterricht.

Kann den mal jemand wegräumen?

Sag mal
Sag mal
Kinig
3 Tage 2 h

@Mamme Deine Schreiweise tut schon fast weh…aber sonst muss man Dir recht geben.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
2 Tage 21 h

@Mamme was hat das mit dem thema zu tun kannst du nicht differenzieren???….

typisch
typisch
Kinig
4 Tage 1 h

Eine neue elite von grün wählern und das vor den eu wahlen

Tabernakel
3 Tage 21 h

Angst?

typisch
typisch
Kinig
3 Tage 20 h

@Tabernakel
Sie werden es wieder vermasseln

Jo73
Jo73
Tratscher
3 Tage 12 h

@typisch. Ich bin sicher auch kein grüner Freund. Aber es ist traurig, dass es Leute gibt wie sie, die es im Jahre 2019 immer noch nicht kapiert haben, dass mehr gemacht werden muss für den Umweltschutz. Das hat aber auch gar nichts mehr mit reinem Grünen Denken zu tun. Es ist unsere Welt und die unserer Kinder. Und die gibt es nur ein mal.
Stattdessen verunglimpfen sie mit ihrem Kommentar Leute, die für mehr Umweltschutz demonstrieren. Das zeugt nicht gerade von Weitblick, was sie hier in ihrem Kommentar zeigen.

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
3 Tage 1 h

@Jo73 jo du bist ein lichtblick in diesem umweltfeindlichen dschungel..👍.

typisch
typisch
Kinig
3 Tage 36 Min

@Jo73
Dann geh nach asien u verbreite dort das wissen über den klimawandel, den die haben es am dringensten nötig und sind die größten umweltverschmutzer, nicht europa, tut mir leid

p.181
p.181
Tratscher
3 Tage 8 Min

@typisch

Bei solchen Massenhysterien muss man sich fragen: Wer profitiert? Dann weiß man, von wem sie gesteuert werden..

Staenkerer
2 Tage 22 h
@Jo73 tjo, mog stimmen! laarn mir amoll de rucksäcke, aus kunststoff der kinder aus und schaugn wieviel sem kunststoff zum vorschein kimmt, den se gor nit sechn, weil se damit aufwochsn sein und nix onders kennen? pausenbrote in folie gewickelt, bananen in nylonsacklen, mappen, füller u. u. u.! koan intressierts wie vieln papierherstellung resorsn, wosser, strom verbraucht, usw.! des kannt man ba jedem routinemäsigen hondgriff den de kinder, und mir erwochsne, täglich mochn, denkn, denn des sein kloane beispiele, von dem wos mir vom zähneputzn (chemie, pastik, wosservebrauch) in der früh bis zum schlofn gien in de gewaschne (chemie, wosserverbrauch,… Weiterlesen »
falschauer
falschauer
Universalgelehrter
2 Tage 21 h

@typisch darum geht es ja nicht wer der größte verursacher ist sondern darum dass dass es 5 nach zwölf ist und so lange die schuld hin und her geschoben wird und niemand etwas unternimmt passiert gar nichts….habe heute auf 3sat eine doku gesehen laut der es ohnehin bereits zu spät ist, auch wenn ab sofort keine flugzeuge autos und braunkohlekraftwerke gestoppt werden würden ist die entwicklung nicht mehr aufzuhalten….schöne aussichten

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
2 Tage 19 h

@p.181 wir alle auf erden profitiere vom umweltschutz, außer du bist ein marsmensch

Staenkerer
2 Tage 19 h

@Jo73 und de feuerwehr räumen nor flußufer und wälder vom müll frei! de kriegn daf gell?, wenn überhaupt, a poor zeiln auf de hinteren blätter der dolomitn …!

typisch
typisch
Kinig
2 Tage 16 h

@falschauer
Wie jetzt die atomuhr seit trumps amtsantrit steht auch auf 5 vor 12

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
2 Tage 15 h

@typisch das glaube ich weniger….obwohl er unberechenbar ist, traue ich ihm das nicht zu

Krissy
Krissy
Superredner
22 h 49 Min

@Jo73
Ja, und darum sollte das Motto lauten: Reagieren, statt demonstrieren.

Storch24
Storch24
Superredner
4 Tage 7 Min

Bravo, richtig so. Aber bitte den eigenen Müll dann richtig entsorgen

aristoteles
aristoteles
Universalgelehrter
3 Tage 22 h

lei mehr flausen im kopf

Tabernakel
3 Tage 21 h

Argumente zur Sache?

Supergscheider
Supergscheider
Tratscher
3 Tage 13 h

Unterschätzt die Jungen nicht ,sind anscheinend intelligenter als wir sog. vernünftigen,gescheiten Erwachsenen,dazu haben unsere Kinder eine gesunde Einstellung zur Wahrheit.

I-woas-bescheid
2 Tage 20 h

Auf den punkt gebracht

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