Mehrere Drogentests sollen gefälscht worden sein

Therapeut fälschte Drogentests: Weiterer Verdachtsfall

Freitag, 23. März 2018 | 14:30 Uhr

Der bis 2015 bei einem Verein tätige Psychotherapeut, der am Donnerstag am Wiener Landesgericht rechtskräftig verurteilt worden ist, weil er zwei Männern gegen Entgelt falsche Drogen-Tests ohne Abgabe von Harnproben verkauft hatte, hat möglicherweise weitere gefälschte Befunde ausgestellt. Am Freitag meldete sich bei der APA ein Mann, der entsprechende Behauptungen aufstellte.

Der Mann hätte seiner Darstellung zufolge nach einer Verurteilung eine Haftstrafe anzutreten gehabt. Statt ins Gefängnis zu gehen, meldete er sich bei dem Verein, der auf Basis einer Rahmenvereinbarung mit dem Justizministerium seit 2006 Entzugstherapien anbietet. Drogensüchtige haben nach dem Motto “Therapie statt Strafe” die Möglichkeit, sich stationär oder ambulant gegen ihre Krankheit behandeln zu lassen. Dafür wird ihnen ihre Strafe aufgeschoben. Schließen sie die Therapie erfolgreich ab, wird die an sich zu verbüßende Strafe in eine bedingte auf Probezeit umgewandelt.

In U-Haft hätte er von einem Mitgefangenen erfahren, dass man bei diesem Verein zu negativen Harnbefunden kommt, ohne Harnproben abgeben zu müssen, berichtete der Mann der APA. Über einen Anwalt habe er Kontakt zu dem Verein aufgenommen und einen Therapieplatz bekommen. Vom nunmehr rechtskräftig verurteilten Therapeuten sei er “bedient” worden: “Es war wie bei einem Automaten. Ich hab’ ihn mit Geld gefüttert und meine Papiere bekommen.” Das Ganze habe sich “vor 2015” zugetragen. Wie viel Geld er insgesamt abgelegt habe, wisse er nicht mehr.

Der Verteidiger des Therapeuten, Klaus Ainedter, wies diesen Bericht und Gerüchte, denen zufolge bei dem Verein seit längerem gefälschte Drogentests verkauft wurden, vehement zurück. “Den zitierten Gerüchten muss entgegen gehalten werden, dass über zwei Jahre umfassende Ermittlungen stattgefunden haben und rund zwanzig weitere Patienten zu denselben Verdachtsmomenten investigativ befragt wurden. Dabei hat sich kein einziges Indiz bewahrheitet, weshalb letztlich nur die beiden gerichtlich abgeurteilten Fälle Anklagegegenstand wurden”, betonte Ainedter gegenüber der APA.

Der neue Vereinsvorstand hätte seit Bekanntwerden dieser Affäre im Jahre 2015 “umfassend Maßnahmen gesetzt, um zukünftig solche Manipulationen unmöglich zu machen. Der Verein hat sich übrigens im Ermittlungsverfahren als Geschädigter angeschlossen und meinen Mandanten im Zuge der 2015 stattgefundenen Hausdurchsuchung mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausgeschlossen”, betonte Ainedter in seiner Stellungnahme. Alle Erfordernisse des mit dem Justizministerium abgeschlossenen Rahmenvertrags “sind in nachprüfbarer Weise erfüllt worden”, bemerkte der Verteidiger abschließend.

Der Geschäftsführer des Vereins bekräftigte das im Gespräch mit der APA: “Wir haben ausreichende Konsequenzen gezogen, um das vom Justizministerium in uns gesetzte Vertrauen zu untermauern.” Der Therapeut sei unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe dienstfrei gestellt, seine Klienten von anderen Mitarbeitern übernommen worden. “Ich kann ausschließen, dass es nach 2015 zu Manipulationen gekommen ist”, versicherte der Geschäftsführer.

Demgegenüber könne er nicht ausschließen, dass der ehemalige Therapeut – er wurde wegen Begünstigung, Geschenkannahme und Fälschung eines Beweismittels zu neun Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe von 5.580 Euro verurteilt – sich bisher nicht bekannte Verfehlungen zuschulden habe kommen lassen. “Weil die Kontrolle damals nicht so extrem und streng war”, wie der Geschäftsführer erläuterte. Diese “Fehler” hätte man aber mittels struktureller Änderungen inzwischen “ausgemerzt”. Vereinsintern wird seither auf das Vier-Augen-Prinzip und einen grundsätzlich bargeldlosen Zahlungsverkehr mit Klienten Wert gelegt. Sämtliche Mitarbeiter wurden – was den Umgang mit den oft schwierigen Klienten betrifft – nachgeschult und sensibilisiert, berichtete der Geschäftsführer.

Von: apa