Gelebte Solidarität kennt keine Grenzen

Tirol: Asylwerber helfen bei Aufräumarbeiten

Mittwoch, 10. Juni 2015 | 16:24 Uhr

Sellrain/See – Demnächst wollen auch 50 Flüchtlinge vorwiegend aus Oberperfuss und der Region Landeck der schwer getroffenen Bevölkerung von Sellrain und See helfen. Sie werden nach entsprechenden Abklärungen und Vorbereitungen kommende Woche in den Hilfseinsatz gehen.

Das Land Tirol ließ auf Anregung von LH Günther Platter über die „Tiroler Soziale Dienste“ in Flüchtlingsheimen erheben, ob AsylwerberInnen zur Mithilfe bei den Aufräumarbeiten bereit seien. „Spontan haben sich 50 Asylwerberinnen und Asylwerber freiwillig gemeldet und stehen für Hilfseinsätze im Sellrain- und Paznauntal bereit. Ich freue mich über diese gelebte Solidarität und möchte hier meiner großen Wertschätzung Ausdruck verleihen“, erklärte LH Platter.

„In einer ersten Phase werden Aufräumarbeiten besonders in gefährlichen Bereichen durch professionelle Teams der Freiwilligen Feuerwehren und des Österreichischen Bundesheeres wahrgenommen. Nach der Beseitigung der ärgsten Überflutungs- und Vermurungsschäden ist die Arbeit aber lange noch nicht erledigt – von der Beseitigung von Flurschäden bis zu diversen Reinigungsarbeiten“, betont der Landeshauptmann.

„Für den Einsatz der Flüchtlinge sind alle organisatorischen Voraussetzungen getroffen worden, sodass es nur noch das ‚OK‘ der Einsatzleiter vor Ort bedarf, um die Freiwilligen schicken zu können“, zeigt sich auch Soziallandesrätin Christine Baur vom Mitgefühl und der Hilfsbereitschaft der AsylwerberInnen beeindruckt. „Wir haben auch die Vorbereitungen zu einer entsprechenden Ausrüstung der Flüchtlinge für diesen Hilfseinsatz vorgesehen.“

LH Günther Platter und LRin Christine Baur freuen sich: „In schwierigen Zeiten zählt nur mehr Solidarität und Menschlichkeit. Das zeigen uns diese Flüchtlinge auf beeindruckende Art und Weise. Auch wir sind verpflichtet, diesen Menschen respektvoll und freundlich entgegenzukommen.“ LH Platter will die Möglichkeiten für gemeinnützige Arbeiten durch AsylwerberInnen insgesamt ausbauen. „Die Flüchtlinge sollen während des Asylverfahrens nicht zum untätigen Warten verurteilt sein, sondern eine Beschäftigung haben. Dazu werden wir auch über die Freiwilligenzentren vermehrt Angebote schaffen.“

BISHER: Geisler dankt Polizei für ehrenamtlichen Hilfseinsatz

Zusammenstehen ist in einer Katastrophe allein schon ein bedeutendes, mutmachendes Signal für die vom Unwetter betroffenen Menschen. Auf besondere Art und Weise haben das heute, Mittwoch, 135 Polizistinnen und Polizisten der Einsatzeinheiten aus Nieder- und Oberösterreich bestätigt. An ihrem freien Tag zwischen dem vergangenen G7-Gipfel und dem Bilderbergtreffen opfern sie kurzerhand ihre Freizeit zugunsten eines Hilfseinsatzes in See.

„Seit heute Mittag stehen die Einsatzeinheiten der Polizei aus Nieder- und Oberösterreich in einer Mannschaftsstärke von 135 Personen anstelle ihres freien Tages im freiwilligen Aufräumeinsatz in der Gemeinde See im Paznauntal. Wir haben dieses Hilfsangebot gerne angenommen und ich möchte diesen Polizeieinheiten ein herzliches „Vergelt’s Gott‘ für dieses Engagement sagen“, zeigt sich Sicherheitsreferent LHStv Josef Geisler beeindruckt von dieser spontanen ehrenamtlichen Hilfseintscheidung der Polizistinnen und Polizisten.  

Katastrophenlager des Landes bewährt sich

„Am späten Vormittag wurden die Einsatzeinheiten in der Pontlatzkaserne in Landeck aus dem Katastrophenlager des Landes Tirol mit den nötigen Ausrüstungsgegenständen wie Pickeln, Schaufeln, Arbeitshandschuhen und Schubkarren ausgestattet und ist in einem Konvoi mit zwanzig Polizei-Kleinbussen nach See gefahren“, berichtet Marcel Innerkofler, Leiter der Landeswarnzentrale. Das Bundesheer steht heute mit insgesamt 278 SoldatInnen im Hilfseinsatz, davon sind 162 in der Gemeinde Sellrain und 116 in der Gemeinde See eingesetzt. Weitere 26 Mann des Bundesheeres befinden sich in einem Assistenzeinsatz bei der Zufahrt ins Wattental und sind hier als Lotsen eingesetzt.

Spätestens ab Freitag befahrbar sein soll dann die Ersatzbrücke über die Melach auf der Oberperfer Straße, teilt Landesbaudirektor Robert Müller mit. Derzeit versuchen Techniker der Landesstraßenverwaltung, von Kematen und Sellrain in die Schluchtenstrecke der Sellraintalstraße vorzudringen, um die Detailschäden einschätzen zu können.

Von: ©land tirol