Mikl-Leitner und Platter nach Lokalaugenschein in See und Sellrain

Tirol: Land und Bund sagen finanzielle Hilfe zu

Dienstag, 09. Juni 2015 | 19:33 Uhr

Innsbruck – Die Unwetter am vergangenen Wochenende haben im Sellrain und im Paznaun und einigen anderen Gemeinden schwere Schäden angerichtet. Heute, Dienstag, hat die Tiroler Landesregierung ein Maßnahmenpaket und Soforthilfen zur Bewältigung der Unwetterkatastrophe beschlossen. Seitens der Bundesregierung sicherte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner nach einem Lokalaugenschein mit LH Günther Platter in See und Sellrain ebenfalls Unterstützung zu.

„Die verheerenden Unwetter haben keine Menschenleben gefordert, niemand ist vermisst. Wer sich die Schäden vor Ort anschaut, will sich gar nicht ausdenken, was passieren hätte können“, ist LH Günther Platter erleichtert. Das Land Tirol werde die notwendigen finanziellen Mittel zur Behebung der Sachschäden zur Verfügung stellen, versichert der Landeshauptmann den von den Folgen der Unwetter Betroffenen in Sellrain, Gries, See, Pill, Neustift und Polling.

Erschüttert von der Situation in der Katastrophenregion ist Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. „Wir werden im nächsten Ministerrat über Maßnahmen wie bei vergleichbaren Katastrophenereignissen in der Vergangenheit beraten, um die Bevölkerung rasch zu unterstützen“, sichert Mikl-Leitner den betroffenen Familien Hilfestellung seitens des Bundes zu und bedankt sich bei den Hunderten Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz.

Katastrophenfonds und Sonderprogramm in der Wohnbauförderung

Ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Bewältigung der Katastrophenschäden hat die Tiroler Landesregierung bereits heute geschnürt. „Ich verstehe die Verzweiflung der Betroffenen, aber ich traue mich nach den Erfahrungen früherer Katastrophen zu sagen: Wir schaffen das gemeinsam, das Land Tirol lässt niemanden im Stich.“ Jetzt gehe es darum, schnell aufzuräumen. In weiterer Folge werde man über Verbauungsmaßnahmen nachdenken.

Privatpersonen und Unternehmen erhalten für die Sanierung von Schäden Mittel aus dem Katastrophenfonds. Beihilfen in der Höhe von 50 Prozent des geschätzten Schadens werden gewährt. „Damit die Sanierungsarbeiten rasch in Angriff genommen werden und die Menschen wieder in ihre Häuser zurück können, wird die Hälfte der Beihilfe als Vorschuss gewährt“, erklärt LHStv Josef Geisler. Die Erfassung der privaten Elementarschäden wird von den Gemeinden koordiniert. „Wir werden dafür seitens des Landes alle notwendigen Finanzmittel zur Verfügung stellen. Tirol hat bereits nach der Hochwasserkatastrophe 2005 begonnen, finanzielle Vorsorge für Großwetterereignisse zu treffen“, so Platter.

Für die Wiederherstellung von Wohnungen und Eigenheimen wird außerdem ein Sonderförderungsprogramm im Rahmen der Wohnbauförderung und der einkommensunabhängigen Wohnhaussanierung aufgelegt. Was die Behördenverfahren zur Wiederherstellung von Infrastrukturen und für erforderliche neue Schutzbauten anlangt, verspricht Platter eine „rasche, effiziente und zielgerichtete Durchführung“.

Schaden in zweistelliger Millionenhöhe

Wie hoch der entstandene Schaden ist, lässt sich derzeit noch nicht genau sagen, er liegt jedoch im zweitstelligen Millionenbereich. Allein im Bereich der Landesstraßen dürfte das Schadensausmaß zehn Millionen Euro betragen. Die Wiederherstellung der Schutzfunktion und Funktionsfähigkeit von Verbauungen im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung bewegt sich in einer Größenordnung von drei Millionen Euro. Eine erste Grobschätzung über die an Privathäusern entstandenen Schäden geht von zehn Millionen Euro aus. Eine genauere Schätzung wird Ende nächster Woche vorliegen. Mit den Vor-Ort-Begehungen und der Schadensschätzung wird in den nächsten Tagen begonnen. Für die Schäden an Gemeindevermögen liegen noch keine Angaben vor.

Dank an Einsatzkräfte

Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ sprach LH Platter allen Einsatzkräften vor Ort aus: „Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Einsatzkräften herzlich für die geleistete Arbeit bedanken; das ist nicht selbstverständlich, in Tirol aber gute Tradition, auf die wir stolz sein können.“ Bei den Aufräumarbeiten ist nun auch das Österreichische Bundesheer mit 300 Mann im Einsatz.

Verkehrsverbindungen wiederherstellen

„An der Wiederherstellung der Straßenverbindungen wird mit Hochdruck gearbeitet“, versichert Straßenbau- und Katastrophenschutzreferent LHStv Geisler. Nachdem die Sellraintalstraße bereits Ende Mai nach Hangrutschungen gesperrt werden musste, wurden die Straße und auch die Galerien in der Schluchtstrecke zwischen Kematen und Sellrain stark beschädigt, teilweise weggerissen und unterspült und wird für längeren Zeit nicht passierbar sein. Die Verbindung über Grinzens nach Sellrain ist offen, auf der Verbindung nach Oberperfuß wird eine Behelfsbrücke über die Melach errichtet. Der Straßenabschnitt der L 13 zwischen Sellrain und Gries konnte am Montag wieder freigegeben werden und ist sowohl für Pkw als auch für Lkw befahrbar. Zwischen Kappl und See ist die B 188 wieder einspurig auch für Lkw befahrbar.

Für die kommenden Tage ist eine Wetterberuhigung angesagt. Mit Gewittern in den Abendstunden ist jedoch weiter zu rechnen.

www.tirol.gv.at/katastrophenfonds

Tirol: Spendenkonto für Unwetteropfer eingerichtet

In allen Bereichen voll angelaufen sind jetzt die Aufräumarbeiten in den Unwetter-Gemeinden Sellrain im Sellraintal und See im Paznauntal: Dabei stehen rund 3.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundesheer, Rotem Kreuz und Polizei im Dauereinsatz. So schnell wie möglich will man auch die Schäden an der Sellraintalstraße feststellen, wo noch nicht alle betroffenen Schluchtabschnitte erreicht werden konnten. Das Land Tirol hat bei der Hypo Tirol Bank ein Spendenkonto eingerichtet.

„Wir haben sicher an Verkehrswegen noch einige Schäden festzustellen, weil unsere Fachleute noch nicht alle vermurten oder anderweitig beschädigten Straßenabschnitte speziell im Sellraintal einsehen konnten“, berichtete Sicherheitsreferent LHStv Josef Geisler in der Vormittagsbesprechung der Landeseinsatzleitung.

Schluchtstrecke technisches Nadelöhr

„Bei der Schluchtstrecke der Sellraintalstraße zwischen Kematen und Sellrain geht es darum, so rasch als möglich zu den Galeriebauwerken zuzukommen und dort Sicherungsarbeiten auszuführen. Hier sind nämlich Pfahlfundamente freigelegt worden und es besteht Gefahr, dass sie einknicken“, berichtet Landesbaudirektor Robert Müller. „Durch den Vorbau einer Steinwand und kontrolliertes Hinterfüllen kann eine Sanierung der Galeriebauwerke durchgeführt werden.“

Die aktuelle Verkehrssituation

Die Straße von Oberperfuss über St. Quirin nach Sellrain ist offen und eine Brückenbefahrung mit Einzellotsung möglich. Das Gewicht ist auf 20 Tonnen beschränkt. Die Straße von Grinzens nach Sellrain ist für Pkw offen. In der Nacht wird diese Straße aber vorsichtshalber für jeden Verkehr gesperrt. Die Straße von Gries nach Sellrain ist einspurig für Pkw und Lkw befahrbar. Die Landesstraße in See ist einspurig für den Pkw- und Lkw-Verkehr passierbar.

Bundesheer stellt sich auf längeren Einsatz ein

Das Bundesheer steht derzeit mit 257 Kräften im Einsatz: Zur Verstärkung nachgerückt sind 145 Mann des Jägerbataillons 26 aus Spittal an der Drau. Sie sind mit 100 Mann in See im Paznauntal und mit 45 Mann im Sellraintal eingesetzt. Im Sellrain sind noch weitere 112 Mann des Stabsbataillons 6 aus Nordtirol mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Das Bundesheer hat vorgesorgt und sich auf einen längeren Einsatz eingestellt.

Nachalarmierungen bei der Feuerwehr

Mit 2.500 Mann ist nach wie vor die Feuerwehr in den Katastrophengebieten im Einsatz. Zur Kräfteunterstützung nachalarmiert wurde noch der Katastrophenhilfszug Schwaz.

Nach wie vor nicht hergestellt werden konnte im Telefonbereich die Festnetzverbindung in Sellrain. Zu einem Felssturz ist es vergangene Nacht in Ainet in Osttirol gekommen. Eine Person wurde dabei verletzt.
 
Spendenkonto des Landes Tirol

Neben den Spendenkonten der Gemeinden Sellrain und See hat auch das Land Tirol ein Spendenkonto für die Unwetteropfer eingerichtet. Ab sofort kann auf dieses Konto gespendet werden:

Spendenkonto Land Tirol
Hypo Tirol Bank
Kennwort: Land Tirol – Unwetterkatastrophe
Kontonummer 200.000
IBAN: AT18 5700 0000 0020 0000
BIC: HYPTAT22

Von: ©land tirol