Hilfsbrücke für die Oberperfer Straße

Tirol: Wehrleute, Soldaten und Rotkreuzhelfer im Einsatz

Montag, 08. Juni 2015 | 17:15 Uhr

Innsbruck – Nachdem das Lagebild nach den verheerenden Unwettern der vergangenen Nacht im Sellrain- und Paznauntal immer klarer wird, laufen auch die Aufräumarbeiten und technischen Hilfeleistungen überall voll an: So werden 250 Mann des Bundesheeres in den Assistenzeinsatz in Sellrain und See geschickt. Die Feuerwehren stehen mit rund 1.200 Mann im Einsatz und das Rote Kreuz hat 40 Hilfskräfte in der Betreuungsarbeit eingesetzt (acht im Bezirk Innsbruck-Land und 32 im Paznauntal). LHStv Josef Geisler informiert sich laufend in den Lagebesprechungen der Landeseinsatzleitung.

Fundamente von Straßengalerien hängen in der Luft

„Die Sellraintalstraße wurde an einigen Stellen unterspült oder weggerissen. Bei den Straßengalerien stehen teilweise Fundamente in der Luft. Die Runacherbrücke auf der Oberperfer Straße ist zerstört“, berichtet Landesbaudirektor Robert Müller. Bis Freitag soll aber mit Hilfe der Bundesheerpioniere eine Hilfsbrücke eingebaut werden, die dann eine beschränkte Zufahrt zwischen Oberperfuss und Sellrain sicherstellen soll.

„Im Herbst wird die Runacherbrücke geplanterweise neu errichtet“, kann der Landesbaudirektor hier auch gleich mit einer Zukunftslösung aufwarten. Die Straße übers Kühtai ist bis Gries im Sellrain befahrbar. Die Straße von Sellrain nach Gries ist für den Pkw-Verkehr offen. Am Abend wird sie auch für den Lkw-Verkehr wieder befahrbar sein.

Die Assistenzleistung des Bundesheeres läuft voll an: So werden 150 Mann in Sellrain für Aufräumungsarbeiten eingesetzt und zwei Katastrophenzüge des Bundesheeres mit 100 Mann nach See ins Paznauntal entsandt.

„Ich danke allen Einsatzorganisationen und der Landeseinsatzleitung für ihr besonderes Engagement und die exzellente Abarbeitung der Einsätze. Die vorbildhafte Vernetzung aller Behörden und Hilfskräfte garantiert schnelle, unbürokratische Hilfe vor Ort“, erklärte LHStv Josef Geisler in der Lagebesprechung im Großen Saal im Landhaus in Innsbruck.

Ein aktueller Film der Öffentlichkeitsarbeit des Landes Tirol über den Erkundungs-Hubschrauberflug von LH Günther Platter findet man auf www.tirol.gv.at/video.

BISHER: Platter fordert Bundesheer und Feuerwehren an

Im Laufe des Vormittags wurden die Schäden der vergangenen Unwetternacht im Sellraintal und in See im Paznauntal immer deutlicher erkennbar: So wurde zwischen Kematen und Sellrain die Sellraintalstraße an mehreren Stellen unterspült oder gar weggerissen. Über die Landeswarnzentrale werden jetzt laufend Anforderungen für Assistenzeinsätze eingebracht.

„Ich bin tief betroffen. Die Schäden sind enorm und die Bevölkerung in den betroffenen Gemeinden braucht unsere ganze Unterstützung“, zeigt sich LH Günther Platter von einem Flug über die vom Unwetter der vergangenen Nacht so schwer betroffenen Gebiete erschüttert. Jetzt geht es darum, schnelle Hilfe bei den Aufräumarbeiten zu leisten. „Jetzt geht es darum, schnelle Hilfe bei den Aufräumarbeiten zu leisten.“

Schweres Gerät und Hubschrauber benötigt

Um die Katastrophe bewältigen zu können, hat  LH Platter auch das Bundesheer um einen Assistenzeinsatz ersucht. So wird das Bundesheer im Sellraintal mit schwerem Gerät helfen und auf Anforderung der BH Landeck Mannschaften für  Aufräumarbeiten nach See ins Paznauntal schicken. „Wir haben im Bezirk Landeck die Alarmstufe gelb ausgerufen. Hauptsächlich geht es um die Verpflegung der hunderten Einsatzkräfte“, informiert Oswald Gritsch, stellvertretender Landesrettungskommandant des Roten Kreuzes Tirol.

Feuerwehr alarmiert Katastrophenhilfszüge

„Wir haben in den vergangenen zwei Unwetternächten rund 700 Einsätze bewältigt und dabei 2.500 Feuerwehrleute alarmiert. Zwei Großpumpen stehen in Polling im Einsatz. Außerdem wurden auch die Katastrophenhilfszüge aus den Bezirken Innsbruck-Stadt, Imst und Landeck zur aktuellen Unterstützung der Feuerwehren in den betroffenen Gemeinden alarmiert“, berichtet Landesfeuerwehrkommandant Peter Hölzl.

Zwölf vom Blitzschlag getroffene Rinder im Sellrain müssen über Assistenzanforderung wegen Seuchengefahr mit dem Hubschrauber geborgen und ausgeflogen werden.

BISHER: Zweite Unwetternacht in Tirol mit Verwüstungen in Gries, Sellrain und See

Heftige Unwetter mit Starkregen haben auch die vergangene Nacht Tirol in Atem gehalten. Besonders betroffen waren diesmal das Sellrain- und Paznauntal. Dutzende Murenabgänge und Überschwemmungen haben großen Sachschaden angerichtet. Für den Verkehr gesperrt ist derzeit die Sellraintalstraße. LH Günther Platter ist mit Experten des Landes zu einem Erkundungsflug mit einem Bundesheerhubschrauber in die betroffenen Gebiete aufgebrochen.

„Der Starkregen im Sellraintal war so ergiebig, dass die Melach in kürzester Zeit den Pegel eines 100-jährigen Hochwassers erreicht hat“, berichtet LHStv Josef Geisler. Wegen Vermurungen und Unterspülungen bleibt die Sellraintalstraße vorläufig gesperrt. „Die Verstärkung der Einsatzkräfte durch den G7-Gipfel bringt uns jetzt Vorteile. So sind alle vier Polizeihubschrauber sowie auch Helikopter des Bundesheeres im Katastropheneinsatz“, so der Sicherheitsreferent weiter.

„Das Bachbett der Melach ist in der Gemeinde Sellrain vom Fußballplatz bis in den Ort hinein zerstört. Links und rechts der Straße sind Muren abgegangen. Die Melach fließt teilweise durch die Häuser“, beschreibt Landesbaudirektor Robert Müller die dramatischen Ereignisse, die zur Auslösung des Zivilschutzsignalalarms in Gries i. S. um 22.51 Uhr und in Sellrain um 23.05 Uhr geführt haben. Insgesamt 30 Personen sind derzeit evakuiert und sind bei der Feuerwehr untergebracht worden.

In der Gemeinde See im Paznauntal schaut es ebenfalls dramatisch aus: „Angeblich ist im Oberlauf des Schallerbaches eine Verbauung gebrochen. Im Ortsteil Gries mussten Häuser evakuiert werden“, informiert der Landesbaudirektor. Hier tagt die Gemeindeeinsatzleitung seit sechs Uhr morgens in Permanenz. „In See sind zehn Feuerwehrleute in einem höher gelegenen Ortsbereich eingeschlossen. Sie werden mit einem Bundesheerhubschrauber geborgen“, erklärt Stefan Thaler von der Landeswarnzentrale. Wegen Murenabgängen in Neustift mussten zwei Häuser evakuiert werden.

Von: ©land tirol