Der Angeklagte hatte sich nicht schuldig bekannt

Tiroler tot im Kofferraum gefunden: Lebenslang für Italiener

Freitag, 02. März 2018 | 20:16 Uhr

Ein 42-jähriger Italiener ist am Freitag am Landesgericht Innsbruck unter anderem wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Beschuldigte soll laut Anklage im Zuge eines Autokaufs den Verkäufer zunächst verletzt, gefesselt, mit einem Schlafmittel betäubt und letztendlich getötet haben. Die Leiche des 47-jährigen Tirolers war im Kofferraum eines Autos entdeckt worden.

Der Angeklagte wurde außerdem wegen Freiheitsentziehung, Raub, Urkundenunterdrückung sowie Störung der Totenruhe verurteilt. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig. Die Geschworenen sprachen den 42-Jährigen einstimmig schuldig.

Der Italiener hatte sich zu Prozessbeginn nicht schuldig bekannt. Er belastete einen Bekannten und beharrte bis zuletzt darauf, dass dieser den Tiroler getötet habe. Der beschuldigte Bekannte stritt vor Gericht jedoch jeglichen Zusammenhang mit der Tat ab. Er sei an jenem Abend gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und ihren beiden Kindern bei seinen Schwiegereltern zum Abendessen eingeladen gewesen.

Zwei Zeugen berichteten vor Gericht, dass sie mit dem Beschuldigten im Zuge eines Autokaufs einige Wochen vor der Tat zu einer Zulassungsstelle nach Bozen in Südtirol gefahren seien. Beide gaben an, dass sie, nachdem sie mit dem Italiener gemeinsam etwas in einem Lokal in Bozen getrunken hatten, sich plötzlich unwohl und schläfrig gefühlt hatten. Eine Zeugin meinte sogar, dass sie gesehen hätte, wie ihr der Italiener etwas in ihre Wasserflasche gefüllt habe. Der Angeklagte selbst bestritt, etwas Derartiges getan zu haben.

Zudem sei der Beschuldigte laut Staatsanwalt vor einigen Jahren in Deutschland bereits für ein ähnliches Verbrechen, bei dem er im Zuge eines Autokaufs die beiden Verkäufer betäubt und dann das Geld gestohlen haben soll, verurteilt worden. Bei der Obduktion der Leiche wurde laut Gerichtsmediziner Walter Rabl ein Schlaf- und Beruhigungsmittel im Blut des Opfers gefunden. Die gemessene Konzentration sei dabei “deutlich” über einer therapeutischen Konzentration und “potenziell letal” gewesen.

Staatsanwalt Hermann Hofer meinte in seinem Schlussplädoyer, dass die Verantwortung des Angeklagten “wenig glaubwürdig und einfach lebensfremd” sei. Die Angaben des Beschuldigten hätten sich zudem seit seiner Festnahme vor rund einem Jahr ständig verändert. Verteidiger Markus Altenwiesl wies in seinem Plädoyer jedoch auf einige Widersprüche hin. Die Frau des Opfers, die zu diesem Zeitpunkt nicht in Tirol war, habe um 20.23 Uhr noch mit ihrem Mann telefoniert. “Da war er also noch am Leben”, betonte der Rechtsanwalt. Um 21.00 Uhr sei der Italiener schließlich von einer Zeugin in einem Gasthaus rund 20 Fahrtminuten von der Wohnung entfernt gesehen worden. “In den wenigen übrigen Minuten ist es unmöglich, diese Tat zu begehen”, sagte Altenwiesl.

Der Italiener soll den 47-Jährigen am 14. Februar des vergangenen Jahres bei einem Autogeschäft getötet haben. Der Beschuldigte selbst flüchtete, sein Auto ließ er aber in Baumkirchen bei dem Gasthof zurück, in dem er sich eingemietet hatte. Einen Tag später erhielt die Frau des 47-Jährigen eine mysteriöse SMS von ihrem Mann, deren Echtheit sie anzweifelte. Sie erstattete eine Vermisstenanzeige. Die Polizei fand schließlich die Leiche des Tirolers im Wagen des Beschuldigten. Der Italiener war einige Tage nach der Tat bei dem Versuch, mit einer Fähre nach Tunesien auszureisen, in Marseille den französischen Behörden ins Netz gegangen.

Von: apa