Die Beweggründe des Täters liegen nach wie vor im Dunkeln

Todesschütze von Las Vegas passt in kein Ermittler-Profil

Dienstag, 03. Oktober 2017 | 20:37 Uhr

Der Todesschütze von Las Vegas gibt den Ermittlern Rätsel auf. Der 64-jährige Stephen Paddock, ein vermögender und zuvor unauffälliger Pensionist mit einer Leidenschaft für Glücksspiel, hinterließ nach Polizeiangaben vom Montagabend keine Erklärung für seine Bluttat, bei der mindestens 59 Menschen starben. In seinem Hotelzimmer und seinem Wohnhaus fanden sich Waffen, Munition und Sprengstoffe.

Am zweiten Tag nach der Tat war das Motiv des Täters noch völlig unklar. Die Ermittler tasteten sich im Ausschlussverfahren näher an die Hintergründe. Fest scheint zu stehen: Stephen Paddock war nicht Anhänger einer Terrororganisation, er war auch kein politischer oder religiöser Fanatiker. Mit seinem Alter, seinem beruflichen Werdegang, seiner Lebensführung passt er in keines der gängigen Profile der Ermittler.

Immer klarer wird mit jeder Stunde Ermittlungsarbeit der Polizei, wie exakt der Mann sein Verbrechen geplant hat, der mit Immobilien ein Millionenvermögen gemacht und dies in den Casinos von Las Vegas immer wieder aufs Spiel gesetzt hatte. Die Polizei geht davon aus, dass er die 23 Schusswaffen, die in seinem Hotelzimmer im 32. Stock des Mandalay Bay Hotels gefunden worden waren, über Tage in zehn Koffern in das riesige Gebäude geschmuggelt hat.

Das Zimmer hat er nach Auffassung von Experten sehr genau ausgesucht – von einem erhöhten Standpunkt aus, mit Hilfe von Podesten für seine Gewehre, konnte er so die Menge treffen. Er schlug zwei Fenster ein, um die Schüsse von verschiedenen Winkeln aus abfeuern und so noch mehr Tod bringen zu können.

Die Waffen, vermutlich als halbautomatische Gewehre gekauft, soll er zu automatischen Waffen umgebaut haben, so konnte er Dauerfeuer geben. In den USA sind die dafür notwendigen Teile im Internet erhältlich. Neben den 23 in seinem Hotelzimmer gefundenen Waffen stellte die Polizei bei der Durchsuchung seiner Wohnung weitere 19 sicher. Zudem wurden Chemikalien gefunden, die als Sprengstoff verwendet werden können.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete es am Dienstag als “ein Wunder”, dass nicht noch mehr Menschen zu Schaden kamen. Es sei vor allem Glück gewesen, dass die Polizei vergleichsweise schnell das Zimmer Paddocks und damit den Tatort orten konnte. Vermutlich war das einem Zufall geschuldet: Ein Polizist hatte das Dauerfeuer aus einer automatischen Waffe von knapp oberhalb seines Standorts wahrgenommen und damit festgestellt, dass der Tatort ein Stockwerk über ihm sein musste. Das geht aus dem Funkverkehr der Polizei hervor, dessen Mitschnitt die Ermittler veröffentlichten.

Paddock führte ein vergleichsweise unauffälliges Leben. Der frühere Buchhalter wohnte in einer Art Ruheständler-Siedlung im Städtchen Mestique, 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas. “Er war ein sanfter Riese”, sagte ein früherer Nachbar. “Sehr groß und sehr freundlich.” Einzige Auffälligkeit: Er sei gern und häufig dem Glücksspiel nachgegangen. Auch ein Waffenhändler, der ihm nach eigenen Angaben eine der Mordwaffen verkauft hatte, beschrieb den Täter unauffällig. “Er war ein ganz normaler Typ, so wie ich sie jeden Tag sehe”, sagte Chris Michel, der einen Waffengeschäft in St. George im Bundesstaat Utah betreibt, dem Sender CNN.

“Er hat höher gespielt als der Durchschnitt”, sagte Paddocks Bruder Eric in US-Medien über die Spielleidenschaft des Täters. Er habe aber auch viel mehr Geld gehabt als der Durchschnitt. “Er war ein wohlhabender Kerl, er ging auf Kreuzfahrten”, sagte sein Bruder. “Er konnte sich leisten, was er wollte.” Laut seinem Bruder war er geschieden und hatte keine Kinder. Paddocks Bruder sagte mehreren US-Medien, er könne sich nicht vorstellen, warum sein Bruder die Bluttat begangen haben könnte. Der 64-Jährige sei kein Fanatiker gewesen, weder politisch noch religiös.

Der familiäre Hintergrund des Täters ist schillernd: Sein vor einigen Jahren verstorbener Vater war ein Bankräuber und wurde zeitweise von der Bundespolizei FBI auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher geführt. Nach Darstellung von Eric Paddock hatten er und sein Bruder jedoch keinen Kontakt zum Vater.

Paddocks Tat mit mindestens 59 Toten ist das schlimmste Massaker in der jüngeren US-Geschichte. Der zuständige Sheriff Joseph Lombardo sprach von 527 Verletzten. Die Rettungskräfte und Mediziner waren auch am Dienstag noch damit beschäftigt, die Betroffenen des Massakers zu versorgen.

Der 64-Jährige hat mit seiner Tat grausame Szenen in Las Vegas ausgelöst. Auf der Straßenseite gegenüber dem Mandalay Bay Hotel hatten sich vor dem Tropicana-Hotel am Sonntagabend (Ortszeit) nach Polizeiangaben etwa 22.000 Menschen für ein Country-Music-Festival versammelt. Während eines Auftritts von Jason Aldean eröffnete der Schütze von weit oben das Feuer auf die Menschenmenge.

Die Polizei drang nach minutenlangem Kugelhagel in das Hotelzimmer ein. Wie Lombardo sagte, schoss der Angreifer durch die Zimmertür auf die Beamten. Als die Polizei sich den Weg ins Zimmer freigesprengt hatte, war der Mann tot – nach Lage der Dinge hat er sich selbst erschossen.

Im Hotelzimmer, aus dem er auf die etwa 22.000 Feiernden schoss, fand die Polizei 23 Waffen. Weitere 19 Waffen, mehrere Tausend Schuss Munition und Sprengsätze lagerte Paddock in seinem Haus in Mesquite, einer rund 130 Kilometer von Las Vegas entfernten Kleinstadt. Im Auto des Verdächtigen fanden die Fahnder mehrere Kilogramm Ammoniumnitrat, das zur Herstellung von Sprengsätzen dienen kann.

Die Beweggründe des Täters lagen zunächst im Dunkeln. Die Bundespolizei FBI und der Auslandsgeheimdienst CIA reagierten skeptisch auf eine Mitteilung der Terrormiliz IS, der zufolge Paddock zum Islam konvertiert war und die Tat als “Soldat des IS” beging. Laut Polizei gab es dafür zunächst keinerlei Belege. Ein CIA-Sprecher warnte vor “vorschnellen Schlüssen, bevor alle Informationen ausgewertet sind”. Die Ermittler gingen bis auf weiteres davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter handelt. Lombardo bezeichnete ihn als “Psychopathen” und “einsamen Wolf”.

Das Blutbad löste allgemeines Entsetzen aus. US-Präsident Donald Trump sprach von einer “Tat des reinen Bösen” und kündigte für Mittwoch seinen Besuch in Las Vegas an. Gleichzeitig rief Trump sein Land zur Geschlossenheit auf. Das Weiße Haus erklärte nach den Schüssen von Las Vegas, eine Debatte über eine Verschärfung der Waffengesetze sei “verfrüht”, bevor nicht die Hintergründe geklärt seien. Der Republikaner bekräftigte, dass er zunächst nicht über das Waffenrecht diskutieren will. “Wir werden über Waffengesetze im Laufe der Zeit sprechen.”

Mehrere US-Politiker sprachen sich erneut für schärfere Waffengesetze aus. Eine Diskussion darüber hält das Weiße Haus aber für verfrüht. “Es wäre voreilig, politische Maßnahmen zu diskutieren, solange wir nicht vollständig wissen, was gestern Abend passiert ist”, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, am Montag. Präsident Trump habe mehrmals deutlich gemacht, dass er ein Befürworter des zweiten Verfassungszusatzes sei. Dort ist das grundsätzliche Recht auf den Besitz von Schusswaffen für US-Bürger festgeschrieben.

Die Hotel- und Casinogruppe MGM Resorts International, der das Mandalay Bay Hotel gehört, stellt in einem weiteren Hotel in Las Vegas kostenlos Zimmer für Familien von Opfern bereit, die in die Stadt kommen wollen. Außerdem organisiert MGM Flüge in die Stadt. Das Rote Kreuz koordiniere die Essensspenden, die in großen Mengen angeboten worden seien.

Der US-Kongress legte nach dem Blutbad in Las Vegas ein umstrittenes Gesetzesvorhaben zum Waffenrecht auf Eis. Der Entwurf zielt darauf ab, den Kauf von Schalldämpfern zu erleichtern. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, sagte am Dienstag in Washington, eine Abstimmung über das Vorhaben sei vorerst nicht angesetzt.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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24 Kommentare auf "Todesschütze von Las Vegas passt in kein Ermittler-Profil"


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Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
16 Tage 13 Min

die guten Amis ………..
uns schicken sie sogar für den Wiederladergebrauch beinahe nichts mehr rüber und drüben kann sich jeder Spinner ohne jegliche Meldepflicht ein Arsenal und Waffendepot anlegen.
Halbautomatische und Pistolen gehörten auch dort total verboten geschweige denn Sprengstoff.

Feli
Feli
Grünschnabel
15 Tage 21 h

Nein ohne Meldepflicht geht nichts, jeder wird überprüft, aber wenn er keinen zwingend ablehnenden Grund (psychische Probleme, kriminelle Vergangenheit) kann er eine (halbautomatische) Waffe erhalten.
Tatsächlich sind die meisten Pistolen (außer Revolver) halbautomatisch.
Ach ja und vollautomatische Gewehre (wie im Anschlag anscheinend verwendet, zumindest klingts im Video so), sowie Sprengstoff sind sein 1934 stark reglementiert und fast unmöglich legal zu erlangen.

ThunderAndr
ThunderAndr
Universalgelehrter
15 Tage 15 h

@Feli

Es ist die Rede von zwei Gewehren die mit einem sogenannten “Bump Fire Stock” ausgerüstet waren. Dieses LEGALE Anbauteil ermöglicht eine schnelle Folge von Einzelschüssen die man als Feuerstoss eines Maschinengewehrs oder vollautomatischen Gewehrs halten kann.

Soviel zum Thema dass er vollautomatische Waffen/Sturmgewehre/ Maschinengewehre, oder was sich die Qualitätspresse sonst noch erträumt hat, benutzte

speckbrot
speckbrot
Tratscher
16 Tage 2 h

Sprengstoff verbieten.

ThunderAndr
ThunderAndr
Universalgelehrter
16 Tage 1 h

Alle Spinner/Verrückte verbieten!

ivo815
ivo815
Universalgelehrter
15 Tage 23 h

@ThunderAndr das Verbieten vom Verbieten verbieten

Feli
Feli
Grünschnabel
15 Tage 21 h

Ist seit 1934 in den USA streng reglementiert. U.a. braucht man eine Überprüfung durch das FBI,…

ivo815
ivo815
Universalgelehrter
15 Tage 20 h

@Feli wie stellen die fest, wer ein Spinner ist und wer nicht?

Neumi
Neumi
Superredner
16 Tage 34 Min

Aus dem 32 Stock … Bei insgesamt knapp 600 Verletzten (inklusive Todesopfer) muss der da ja eine halbe Ewigkeit rumgeballert haben. Haben Hotelsicherheitsdienst und Polizei so dermaßen lange gebraucht?

andy215
andy215
Grünschnabel
15 Tage 23 h

Er hat mit einem Sturmgewehr auf eine Menschenmenge geschossen. Dafür muss man kein guter Schütze sein und man kann in kurzer Zeit viel Schaden anrichten.

Neumi
Neumi
Superredner
15 Tage 21 h

@andy215 Auf 90(senkrecht)-120 Meter? Ich glaube nicht, Tim.

Auf diese Entfernung trifft man mit einem Sturmgewehr
selbst mit 3er oder 5 Burst nur noch zufällig, längere Salven verschönern bestenfalls – anders als in Filmen – die Inneneinrichtung, d.h. der Mann hat einzne
Schüsse abgegeben.
Selbst bei einem Schuss pro Sekunde (was noch nicht mal Scharfschützen 600 mal hinkriegen) und hundertprozentiger Trefferquote darfst du mal nachrechnen, wie lange so was dauert.

andy215
andy215
Grünschnabel
15 Tage 15 h

@Neumi Auf dem Konzertgelände befanden sich 30.000 Menschen, da musste er nicht genau zielen, um etwas zu treffen. In den Aufnahmen sind Salven zu hören, keine einzelne Schüsse.

ThunderAndr
ThunderAndr
Universalgelehrter
15 Tage 15 h

@Neumi

ehm… bei der Menschenmenge brauchte er nur draufhalten und hatte bei fast jedem Schuss einen Treffer

Feli
Feli
Grünschnabel
15 Tage 15 h

@Neumi auf den videos hört man eindeutig mehrere schuss pro sekunde. Also wahrscheinlich vollautomatisch. Aber 20000 leute auf einem parkplatz. Wenn er den parkplatz trifft, trifft er auch Menschen… Zufällige treffer sind bei dieser menschenansammlung leider ausreichend.

Lingustar
Lingustar
Superredner
16 Tage 2 h
Also ganz so harmlos kann der Täter wohl nicht gewesen sein, wie er dargestellt wurde, denn wer ein solches Waffenarsenal, Munition und Sprengstoff hortet, hat mit Sicherheit nicht vorgehabt, sich die Dinger nur anzuschaffen, um die Waffenindustrie zu sponsern. Der IS scheint ja vom Tisch zu sein, denn der reklamiert ja mittlerweile jeden Reifenplatzer für sich. Am Geld hat es wohl auch nicht gelegen, denn angeblich ging es ihm ja finanziell nicht schlecht. Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass er einen an der Klatsche gehabt haben muss, und es ist nur schwer vorstellbar, dass das niemand um… Weiterlesen »
Tabernakel
15 Tage 22 h

Wer von den Marktschreiern hier fordert jetzt höhere Strafen? Die Todesstrafe hat als Abschreckung einmal mehr versagt.

witschi
witschi
Universalgelehrter
15 Tage 22 h

diese massenmörder haben in letzter zeit zu viele negative vorbilder: madrid, stockholm, paris, nizza, berlin, brüssel, london, barcelona……….

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
15 Tage 16 h

Tabi in Höchstform 😂 Strafe ist hier irrelevant. Überlebt eh keiner. Deshalb hast du recht. Strafen verringern

herbstscheich
herbstscheich
Superredner
16 Tage 1 h

unfassbar ist- daß gleich nach dem Attentat die Aktien der Waffenfirmen steigen-

ThunderAndr
ThunderAndr
Universalgelehrter
15 Tage 20 h

Weil strengere Waffengesetze gefordert werden, deswegen kaufen viele Bürger noch schnell eine Waffe (weil die Angst haben dass sie dann später keine mehr kaufen können).

Das war schon immer so wenn man öffentlich über strengere Waffengesetze diskutierte. Obama hat der Waffenlobby also einen Riesengefallen getan weil er deren Umsatz gesteigert hat.

denkbar
denkbar
Universalgelehrter
16 Tage 2 h

Das ist alles so unfassbar!

Tabernakel
15 Tage 22 h
geronimo
geronimo
Tratscher
15 Tage 19 h

…seinem Wohnhaus fanden sich Waffen, Munition und Sprengstoffe.” Der hatte noch was vor! Wann lernen die Amis endlich aus solchen Tragödien und verschärfen die Waffengesetze ? Ich fürchte unter Häuptling Orange-Hair wird es nicht passieren… 😥

Antivirus
Antivirus
Tratscher
10 Tage 22 h

FBI ist ein großer gut Bezahlter Kravattenträgerhaufen und sonnst nicht viel, jedes klein Kind ist Computer Technisch auf Augenhöhe , anderweitiges dürfen Minderjährige leider nicht ermitteln, Beweis dafür ist, als vor c.a. 40 Jahren Bill Gates das Pentagon in Schrecken versetzte mit seinem damaligen Commodore 64… sowas würde das FBI NSA o. CIA heute noch nicht schaffen, Russland Hacker mit links 😂😂😂

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