Angehörige zogen vors Zivilgericht

Tödlicher Sturz in den Eisack – laut Gericht kein Schicksal

Dienstag, 19. Juli 2022 | 11:51 Uhr

Atzwang – Ein Pfeiler oder Leitplanken hätten ausgereicht, um zu verhindern, dass der Pkw in den Eisack stürzt und zwei Personen ums Leben kommen. Zu diesem Schluss ist das Zivilgericht in Bozen gekommen. Bei dem Unfall am 19. November 2016 in Atzwang sind nach einer Firmenfeier der 23-jährige Alessandro Conti aus Cavalese und die 28-jährige Lenkerin des Fahrzeuges, Giulia Valentini, aus Baselga di Piné tödlich verunglückt. Laut Gericht war der Schutz bei der Holzbrücke nicht ausreichend.

Die strafrechtliche Untersuchung hat der Ermittlungsrichter archiviert. Doch die Angehörigen von Giulia Valentini zogen vors Zivilgericht. Eine Entschädigung wäre der Familie von vorne herein zugestanden. Trotzdem wollte sie Klarheit, berichtet die italienische Tageszeitung Alto Adige.

Der Richter im Zivilverfahren sah laut Urteil einen „triftigen Zusammenhang zwischen der Sorgfaltspflicht der Gemeinde Völs am Schlern und dem betreffenden Straßenabschnitt“. Die Gemeindeverwaltung von Völs ist Eigentümerin der Straße. Ihr hat das Zivilgericht eine Verantwortung im Ausmaß von 85 Prozent zugeschrieben.

Der Straßenabschnitt sei durch eine besondere Gefährlichkeit charakterisiert, die für Fahrzeuglenker nicht wahrnehmbar gewesen sei. Laut Urteil war die Gefährlichkeit allerdings der zuständigen Körperschaft bekannt. Diese hätte im Verlauf der Jahre einschreiten und das Risiko entschärfen können. Das sei allerdings nicht oder nur in unzureichendem Maß unternommen worden.

Der tödliche Unfall hat demnach zwei Ursachen: Neben dem Zusammenstoß hat auch die fehlende Leitplanke dazu beigetragen. Laut dem Richter im Strafverfahren sei diese nicht notwendig gewesen.

Giulia Valentini, die am Steuer eines Ford Fiesta saß, war nur leicht auf das Auto vor ihr aufgefahren. Sie war mit ihrem Wagen so langsam unterwegs, dass ein ausreichender Schutz den Sturz in den Eisack möglicherweise verhindert hätte. Zu diesem Schluss war auch ein Gutachter im Strafverfahren gekommen.

Ein Anrainer, der als Zeuge ausgesagt hat, erklärte, dass er die Gemeindeverwaltung nur wenige Tage vor dem Unfall auf die gefährliche Stelle hingewiesen habe. Doch man habe ihm geantwortet, dass für eine Leitplanke das Geld fehle.

Ein zweiter Gutachter war im Strafverfahren allerdings zum Schluss gekommen, dass die Gemeinde nicht verpflichtet war, Leitplanken aufzustellen, da es sich um eine Straße handle, die mehrere Grundstücke verbindet und auf der man grundsätzlich langsam fahren müsse. Dass die Verkehrsteilnehmer sehr vorsichtig fuhren, wurde von den Arbeitskollegen, die damals in Fahrzeugen vor und hinter dem Fiesta unterwegs waren, bestätigt.

Den Eltern steht eine Entschädigung von 280.000 Euro pro Kopf zu, dem Bruder von Giulia Valentini wurde eine Summe von 170.000 Euro zugesprochen.

Von: mk

Bezirk: Bozen, Salten/Schlern

Kommentare

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18 Kommentare auf "Tödlicher Sturz in den Eisack – laut Gericht kein Schicksal"


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Quaaki
Quaaki
Grünschnabel
26 Tage 19 h

Also künftig ÜBERALL Leitplanken!

Kinig
26 Tage 18 h

Am Ritten waren sie wohl da.
Aber es geht wohl immer mehr ums klagen, Schuldigen finden. Mia culpa ? Vergessen sie es

Doolin
Doolin
Kinig
26 Tage 17 h

@Storch24
…aber jetzt sagens schon, die Rittner Leitplanken waren falsch und die Provinz isch schuld…oder gor der Porsche war schuld…

Dagobert
Dagobert
Kinig
26 Tage 17 h

@Storch24
Wos sogesch, wenns deine Tochtr odr Sohn waret?

Rider
Rider
Superredner
26 Tage 16 h

Quaaki,ober wenn nor mit unterschutzblech fir di moto fohrer!

falschauer
26 Tage 15 h

@Dagobert

sell spielt keine rolle, objektivität ist gefragt

Summer
Summer
Superredner
26 Tage 15 h

@storch
Das heißt immer noch: mea culpa

falschauer
26 Tage 15 h

@Doolin

in erster linie ist immer der fahrer schuld, wie es in diesem fall aussieht hat warscheinlich die technik versagt, also eine kombination von unterschiedlichen ursachen, da ev auch der fahrer falsch reagiert haben könnte….wenn dann vorhandene leitplanken oder mauern nicht standhalten kann man doch nicht dem land, oder der baufirma die schuld geben, das ist doch alles nur mehr eine farce

Summer
Summer
Superredner
26 Tage 15 h

@Dagobert
Würde die Klage Ihren Sohn oder Ihre Tochter lebendig machen?
Und was hat denn das Unfallopfer von der Klage der Eltern, außer dass sie sich daran bereichern?
Die heutige gottferne Gesellschaft versucht überall Geld rauszuholen, wohl wissend, dass das verstorbene Opfer dadurch nicht lebendig wird und davon rein gar nichts hat, wenn danach den Verwandten das Geld durch die Klage ausbezahlt wird.
Ehrlich gesagt: ich würde das Geld nie annehmen, wenn damit vorher der Verlust meines Familienmitglieds in Kauf genommen werden musste.

WeHaveAProblem
WeHaveAProblem
Superredner
26 Tage 10 h

@Summer Sehe ich genauso. Oft frage ich mich, was wohl die Todesopfer dazu sagen würden, wenn sie das wüssten, dass ihre Familie Geld für ihren Tod einklagt? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses Geld Genugtuung bringt. Ich würde es nicht ausgeben wollen. Der Mensch muss einsehen, dass das Leben endlich ist. Deshalb: Lebt jeden Tag, genießt jeden Moment. Es kann von einer Sekunde auf die andere vorbei sein.

xXx
xXx
Kinig
26 Tage 1 h

@Dagobert dann würde Geld und weiteres Leid sie auch nicht wieder zurückbringen. Diesem Fall ist keine Fahrlässigkeit vorausgegangen, die Brücke ist ja nicht etwa eingestürzt oder so…auf der Fahrbahn bleiben muss ich selber schaffen, sonst ist es meine Schuld.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
26 Tage 17 h
In Italien geht es meistens darum, aus einem Unglück möglichst viel Geld rauszuholen. Das bewirkt letztlich, dass niemand mehr etwas organisiert oder macht, weil sofort die Haftungsfrage aufkommt. Das finde ich ik bei grober Fahrlässigkeit, viele Urteile blenden aber die Eigenverantwortung aus. Man leitet in Aquila ein Verfahren gegen die Seismologen ein, weil sie das Erfbeben nicht vorhergehenden hatten, beim letzten Marmoladaunglück stehen die Rechtsanwälte in den Starttlöchern, weil kein Warnschild angebracht war, wenn jemand unerfahren mir der Rodel bei der Schipiste herunterfahren und verunglückt, haftet der Liftbetreiber, weil das Warnschild nicht mehrsprachig war, wenn jemand betrunken auf der Rodelbahn… Weiterlesen »
topgun
topgun
Superredner
26 Tage 18 h

Hoffe, das zugesprochen Geld hilft bei der Trauerbewältigung…🙄

vitus
vitus
Superredner
26 Tage 15 h

Der Unfall ist eine Tragödie, keine Frage; aber überall Leitplanken????
Dann müsste man Wanderwege auch überall mit Geländer absichern. Heuer sind bereits viele abgestürzt!

Doolin
Doolin
Kinig
26 Tage 18 h

…im Eisack dersaufen isch schun a schlimmes Schicksal, ah wenn die Schuld die Gemeinde krieg…

sixtus
sixtus
Tratscher
26 Tage 14 h

Der Gemeinde bekannt. Erhöhung Entschädigung Bürgermeister wegen hoher Verantwortung. Zahlt jetzt diese 280.000 der Bürgermeister oder die Gemeinde? Liegt doch in seiner Verantwortung als höchster Vertreter der Gemeinde

Brixbrix
Brixbrix
Superredner
26 Tage 17 Min

wichtig isch olm , in ondere schuld gebm.

wenn af a selcher strosse forsch , muasch holt selber a bissl aupassn , wo hin forsch.

Staenkerer
25 Tage 22 h
i kenn de gegend nit ober i bin früher öfters und gern törggelen mitgfohrn, vor ollem in de bauernhäuser de sem dayzua ihre stubn öffnen! de hofzuafohrtn zu de sein long nit überoll wie a autobohn ausgebaut und gsichert, oberdes werd woll jeder fohrer ban hinfohrnbsechn ob und wie gfährlich a weg stroß isch und a wissen das er auf den weg a wieder zruggfohrn muaß! ober i sich schun, bold müßn mir jede kurf auf jeden traktorweg mit leidplo kn, der richtigen wohlgwmerlt (ca. 5 m hoh)!!!) bergrenzn, jeden wold- wonder-, bergsteig kinderlaufstoll mochn, jedn wool oder wossergrabele obdekn,… Weiterlesen »
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