Corona dämpft auch die Lust auf Winterurlaub

Österreich: Touristiker für sofortigen harten Lockdown

Mittwoch, 17. November 2021 | 16:43 Uhr

Die Corona-Infektionszahlen jagen von einem Negativrekord zum anderen, die Krankenhäuser sind überlastet. Die Wirtschaft fordert beherztere Maßnahmen von der Regierung. Die Tourismusbranche spricht sich für einen sofortigen Komplett-Lockdown aus. “Aus touristischer Sicht wäre ein harter Lockdown wahrscheinlich das, was jetzt absolut notwendig wäre”, bekräftigte Wifo-Experte Oliver Fritz. Eine scharfe Gegenposition kam von Tirols WK-Präsident Christoph Walser (ÖVP).

Die Infektionszahlen seien “so rasch und so konsequent runterzubringen wie nur irgendwie möglich”, sprach sich der Tourismusexperte des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) im “Ö1”-Mittagsjournal für einen Lockdown für alle, nicht nur für die Ungeimpften, aus – eventuell zunächst regional beschränkt. Der erste Schritt wäre wahrscheinlich, einen Lockdown in West-Österreich zu verhängen, so Fritz.

“Wenn man den Virologen zuhört, dann sagen die, es kann uns nur ein Lockdown helfen”, sagte der Wifo-Experte. “Und wenn es um den Tourismus geht, glaube ich, ja, dann brauchen wir einen Lockdown, einen sehr konsequenten, harten Lockdown wahrscheinlich bis vor Weihnachten.”

Überhaupt nichts anfangen mit dieser Position konnte hingegen Tirols Wirtschaftskammerpräsident Walser. “Das sind Träumer. Im Falle eines generellen Lockdowns ist die Wintersaison tot. Das wäre das Todesurteil. Jetzt sollte man endlich einmal die gerade vor ein paar Tagen beschlossenen Maßnahmen wirken lassen und nicht jeden Tag mit neuen aufwarten”, so Walser gegenüber der APA. Im Falle eines Lockdowns würden die meisten “nicht mehr aufsperren” können, die Mitarbeiter wären weg. Genau dasselbe habe man ja schon vor einem Jahr erlebt – auch da sei die Rede davon gewesen, ein Lockdown würde die Situation drastisch verbessern und die Wintersaison retten. Genau das sei nicht der Fall gewesen.

Und er höre jetzt schon die Argumente in eineinhalb Monaten im Falle eines Lockdowns: “Dann würde es heißen: ‘Jetzt bloß nicht aufsperren, um die Erfolge der vergangenen eineinhalb Monate nicht zu gefährden'”. Walser appellierte an Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), bei der LH-Konferenz am Freitag weiter “hart zu bleiben” in Sachen Lockdown. Dasselbe gelte für die ÖVP in der Bundesregierung gegenüber ihrem Koalitionspartner. Die Unstimmigkeiten in der Koalition müssten zudem aufhören und mit einer Stimme gesprochen werden. Seitens der Kammer nehme man massive Verärgerung und Unsicherheiten wahr, so der gewichtige schwarze WK-Chef.

In dieselbe Kerbe wie das Wifo schlägt hingegen die frühere Obfrau der Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Petra Nocker-Schwarzenbacher, die ein Hotel in St. Johann im Pongau führt. Sie sei “klar für einen Lockdown”, betonte die Branchenkennerin Dienstagnacht in der ORF-TV-Sendung “ZIB”. “Lockdown erstens einmal, um auch das Gesundheitssystem zu entlasten und da einmal eine Verschnaufpause herbeiführen zu können. Und was wir dringend brauchen, aus touristischer Sicht, ist, dass wir die Zahlen endlich nach unten drücken.” Die Hotelière hatte bereits vor knapp zwei Wochen gemahnt: “Sollten wir über einen Lockdown nachdenken, dann bitte jetzt und nicht im Dezember.” Die Wintersaison springt normalerweise erst zu Weihnachten an.

Angesichts der extremen Infektionslage hat Deutschland Österreich per vergangenen Sonntag auch bereits zum Corona-Hochrisikogebiet erklärt. Mit den entsprechenden Folgen dieser Reisewarnung für den Tourismus. “Es ist schon eine Stornowelle eingetreten, vor allem in der Ferienhotellerie”, bestätigte der Salzburger Hotelier und frühere NEOS-Politiker Sepp Schellhorn Mittwochfrüh in der Radiosendung Ö3-“Frühjournal”. Auch die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) hat bereits Alarm geschlagen. “Nach den coronabedingten Stornowellen und Buchungseinbrüchen der vergangenen Tage können nur wenige Betriebe eine Auslastung vorweisen, die wirtschaftliches Arbeiten ermöglicht”, teilte ÖHV-Vizepräsident Walter Veit am Dienstag mit.

Die touristische Wintersaison, die normalerweise erst ab Weihnachten so richtig anläuft, ist noch keinesfalls abzuschreiben. “Der Winter ist noch lang und wir befinden uns jetzt in der ersten Phase des Winters und das ist beileibe nicht die stärkste Phase des Winters”, ermutigte auch der Wifo-Experte. In Wirklichkeit würden in ganz Österreich drei Viertel der Urlauber eigentlich von Jänner bis April erwartet. “Das heißt, wenn man jetzt handelt, ja, dann kann man einen Teil des Winters noch retten.”

Doch davor müsste sich die Coronalage beruhigen. “Wir wissen aus Befragungen, dass die Infektionszahlen von den potenziellen Gästen natürlich ganz genau beobachtet werden, im Inland wie im Ausland und niemand ist bereit, wenn es Inzidenzen von tausend, zweitausend gibt, wenn man davon spricht, dass in den Krankenhäusern triagiert werden muss, ist dann niemand oder sind nur ganz wenige bereit wirklich auf Urlaub zu fahren”, stellte der Touristiker klar. “Das heißt, die Hausaufgaben, die wir jetzt zu erledigen haben, ist, die Infektionszahlen so rasch und so konsequent runterzubringen wie nur irgendwie möglich.”

Von: apa

Kommentare

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12 Kommentare auf "Österreich: Touristiker für sofortigen harten Lockdown"


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Offline1
Offline1
Superredner
16 Tage 10 h

“Touristiker fordern sofortigen Lockdown”. Aha. Und warum wohl ? In der Hoffnung 🔮, dass sich bis VOR Weihnachten wieder Alles normalisiert ? Um dann über Weihnachten/Neujahr Alles wieder aufzusperren und die fette Kohle abzugreifen. Wenn dann die Zahlen wieder in die Höhe schießen, hat man auch gleich die Schuldigen parat: die Na ? Na? Na? Genau, die TOURISTEN !!!!

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
16 Tage 9 h

ja und alle , auch jene die nicht vom Tourismus leben sollen das mittragen , eine Frechheit solche Forderungen …. bei uns geht es auch immer mehr in diese Richtung

ferri-club
ferri-club
Tratscher
16 Tage 9 h

Halihalo, ja bin immer noch auf der suche nach einem neuen job der nichts aber gar nichts mit tourismus zu tun hat und sich auch keineswegs am tourismuskuchen bereichert, die hoffnung stirbt zu letzt villeicht haben ja Sie für mich die Antwort: wer in Südtirol Lebt nicht vom Tourismus?? Velen Dank im Voraus…

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
16 Tage 8 h

@ferri-club
könntest es als Lehrer versuchen😅oder Fabriksarbeiter usw

EviB
EviB
Superredner
16 Tage 6 h

@halihalo
🤦🏼‍♀️nix verstanden

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
15 Tage 23 h

Welche Industrie gibt es in Südtirol? Zähl mir auf?

ferri-club
ferri-club
Tratscher
15 Tage 21 h

halihalo, ja eine möglichkeit aber wenn ich dann daran denke dass sich viele nur mehr 1 Kind und noch mehr gar keine Kinder dann hat sich das mit dem Lehrer auch schnell erledigt reichen die was sind alle mal aus, Fabriksarbeiter sind dann auch nicht mehr so gefragt, die meisten Fabriken stellen wiederum Produkte her die entweder im Tourismus verwendet werden oder durch den Tourismus finanziert werden (tourismuslohnabhängige) also wie ich das so sehe, zbsp. auch Röchling profitiert vom Tourismus

black diamond 64
black diamond 64
Grünschnabel
16 Tage 10 h

Bei den Zahlen in Österreich muss man sich tatsächlich darauf gefasst machen das es erneut zum Lockdown für alle kommen wird. Die Politik hat auch wie in D den Sommer über sich um nichts wirklich gekümmert. Leittragende sind wieder wir alle ob geimpft oder nicht. Und unzählige müssen dafür Ihr Leben lassen. Und sind wir realistisch, die Wintersaison scheint tatsächlich (wieder) gelaufen bevor sie richtig begonnen hat….Es traut sich nur noch kein Politiker es genau so zu sagen.

nero09
nero09
Tratscher
16 Tage 9 h

aber walser hat recht, ein lockdown würde bis in den frühling andauern. letztes jahr hieß es auch, dass man einen kurzen harten lockdown brauche. am ende wurde es aber ein seeeehr langer lockdown.

Unioner
Unioner
Grünschnabel
16 Tage 12 h

Wenn man die jetzigen Maßnahmen beihält und für Touristen 2G+ bei der Einreise festlegt dann werden bald wieder Krankenhausbetten für übermotivierte Schifahrer bereitgestellt werden können. 😉

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
15 Tage 19 h

Man könnte das Geschäftsmodell ja umswitchen. Statt Schifoan Intensivbetten für Deutsche.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
15 Tage 22 h

Die Wellenbewegung der Pandemie ist nicht von heute auf morgen zu brechen, da werden wir uns noch den ganzen Winter damit plagen…leider. 
Skifahren sollte schon möglich sein, das Kapitel Apres Ski ist nicht mehr realistisch. 

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