Trump präsentierte sich als US-Präsident zum Anfassen

Trump traf sich in Texas mit Flutopfern

Samstag, 02. September 2017 | 21:27 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat am Samstag in der vom Wirbelsturm “Harvey” verwüsteten Stadt Houston Opfer der Katastrophe getroffen, sprach ihnen Mut zu und half zusammen mit First Lady Melania beim Austeilen von Essen. Es war bereits Trumps zweiter Besuch im Katastrophengebiet, aber bei seine erste Visite am Dienstag hatte ausschließlich dem Ablauf und der Organisation von Hilfsaktionen gegolten.

Trump wollte am Samstag auch das ebenfalls von “Harvey” betroffene Louisiana besuchen. In Houston trug er trotz Sonne und Hitze eine Regenjacke: Bei seinem Abflug aus Washington hatte es geschüttet – abermals dank “Harvey”. Mehr als eine Woche nach seiner Ankunft an der texanischen Küste hatten die Überbleibsel des Sturmes – inzwischen nur noch ein Tiefdruckgebiet – am Samstag die Bundeshauptstadt erreicht.

Am Freitag hatte das Weiße Haus beim Kongress erste Hilfsgelder in Höhe von 7,85 Milliarden Dollar (6,6 Mrd Euro) beantragt – fast zwei Milliarden mehr als ursprünglich im Gespräch gewesen waren. Ein Großteil der Gelder soll in den ausgeschöpften Topf der Behörde für Katastrophenmanagement (Fema) fließen. Bereits 440.000 Menschen haben Anträge auf Bundeshilfen gestellt. Nur ein kleiner Teil der Flutopfer in Texas ist gegen Hochwasser versichert.

Trump hatte das Katastrophengebiet bereits am Dienstag besucht, aber dabei keinen persönlichen Kontakt mit Flutopfern gehabt. Bei seiner Visite am Samstag in einer Notunterkunft im NRG Stadion zeigte sich Trump nun ganz als Präsident zum Anfassen. Er schüttelte Hände, legte Betroffenen den Arm um die Schulter, strich Kindern über das Haar und plauderte mit ihnen. Wiederholt posierte er auch für Selfies. Die Hilfsoperationen in Texas lobte er als ausgezeichnet und effizient. “Ich bin wirklich glücklich darüber, wie es läuft”, sagte er.

“Harvey” könnte nach ersten Schätzungen zur teuersten Naturkatastrophe in der Geschichte der USA werden. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, erwartet allein weit mehr als 100 Milliarden Dollar an Kosten für die Nothilfe der Regierung in Washington.

Derweil hat sich über dem Atlantik der nächste potenziell hochgefährliche Wirbelsturm zusammengebraut. “Irma” setzte nach Angaben des Hurrikan-Zentrums am Samstag ihren Weg in Richtung Kleine Antillen fort und könnte Anfang nächster Woche als mächtiger Hurrikan der vierthöchsten von fünf Stufen über sie hinwegfegen. Ob der Sturm danach Kurs auf die US-Küste nehmen wird, war aber noch völlig unklar. Erste konkretere Aufschlüsse darüber erwarten Meteorologen Mitte kommender Woche.

“Harvey” war am 25. August ebenfalls als Hurrikan der Kategorie vier auf die osttexanische Küste geprallt. Danach schwächte er sich zwar rasch zu einem tropischen Sturm ab, aber verursachte heftigen Regen. Binnen weniger Tage fielen in Texas bis zu 1250 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – ein Rekord für das Festland der USA. Überflutungen gab es auch in Louisiana, und noch am Freitag brachte “Harvey” – da nur noch ein tropisches Tiefdruckgebiet – starke Regengüsse nach Tennessee.

Zwar sanken langsam die Pegelstände in Texas, doch von Entwarnung konnte noch keine Rede sein. So lagen im Gebiet um die Stadt Beaumont im Osten des Staates am Freitag die Wasserhöchststände noch um rund zwei Meter über den bisherigen Rekorden. “Das wird noch eine Woche lang so bleiben”, sagte Abbott. Die Stadt werde von außen mit Wasser und Nahrung versorgt. Auf Bildern war zu sehen, wie Menschen Schlange standen und auf Wasser warteten.

In der überschwemmten Chemiefabrik in Crosby bei Houston brannte es am Freitag erneut. Aus einem Gebäude schlugen Flammen und stieg schwarzer Rauch auf. Schon in der Nacht zu Donnerstag hatte es dort mehrere kleinere Explosionen und Brände gegeben. In der Fabrik war wegen der Überschwemmungen die Kühlanlage ausgefallen. Die dort gelagerten organischen Peroxide erwärmten sich, deswegen bestand Explosionsgefahr.

Die Feuerwehr beschloss, vorerst nicht einzugreifen. Es sei besser, die noch vorhandenen Behälter in den nächsten Tagen ausbrennen zu lassen, “als Feuerwehrleute in Gefahr zu bringen”, sagte der stellvertretende Bezirksfeuerwehr-Chef Bob Royall.

Über die Zahl der Todesopfer der Flutkatastrophe gab es weiterhin keine Klarheit. US-Fernsehsender wie Fox News und CNN gaben am Freitag die inoffizielle Zahl von 47 Toten an.

Von: APA/dpa

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