"Schämen Sie sich", rief Emma Gonzalez

Überlebende kritisierte nach Amoklauf US-Präsident Trump

Sonntag, 18. Februar 2018 | 21:26 Uhr

Nach dem Schulmassaker in Florida hat eine junge Überlebende in einer Wutrede den Umgang von US-Präsident Donald Trump mit Waffengewalt verurteilt. “Schämen Sie sich”, rief Emma Gonzalez bei einer Anti-Waffen-Demonstration in Fort Lauderdale. Der Präsident warf inzwischen dem FBI vor, zu viel Zeit auf die ihn belastende Russland-Affäre zu verschwenden.

Gonzalez ist Schülerin der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, in der ein früherer Schüler am Mittwoch mit einem Schnellfeuergewehr 17 Menschen getötet hatte. Sie kritisierte Trump dafür, im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Geld von der National Rifle Association (NRA) angenommen zu haben. “An alle Politiker, die Spenden von der NRA bekommen haben: Schämen Sie sich”, schrie sie vor den mehreren Dutzend Demonstranten. “Schämen Sie sich, schämen Sie sich”, skandierte die Menge daraufhin.

“Wenn der Präsident mir ins Gesicht sagt, dass das eine schreckliche Tragödie war (…) und dass man nichts tun kann, frage ich ihn, wie viel Geld er von der National Rifle Association bekommen hat”, fügte Gonzalez hinzu. “Ich weiß es: 30 Millionen Dollar.” Die Schülerin forderte schärfere Waffengesetze. Dabei gehe es um “Leben oder Tod” und nicht um Politik, sagte die 18-Jährige.

In ihrer Rede wies sie die Kritik des Präsidenten zurück, wonach Nachbarn und Mitschüler die Behörden nicht vor dem späteren Schützen Nikolas Cruz gewarnt hätten. “Das haben wir getan. Immer und immer wieder”, sagte Gonzalez. Die Wutrede der Schülerin mit dem fast kahlrasierten Kopf verbreitete sich rasant in den sozialen Netzwerken.

Überlebende des Schulmassakers wollen nun bei einem Marsch auf Washington für schärfere Waffengesetze demonstrieren. Der “Marsch für unsere Leben” sei für den 24. März in der US-Hauptstadt geplant, sagten Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland am Sonntag dem Fernsehsender ABC.

Die Kundgebung richte sich insbesondere gegen den großen politischen Einfluss der Waffenlobby NRA. “Es geht nicht gegen die Republikaner, es geht nicht gegen die Demokraten”, sagte der Schüler Cameron Kasky. Jeder Politiker, der Spendengelder von der NRA annehme, “ist für solche Ereignisse verantwortlich”, sagte er.

Kasky beschuldigte die NRA, “Waffenkult zu fördern und zu bewerben”. Er und seine Mitschüler wollten hingegen eine “neue Normalität” schaffen, in der die Annahme von Spenden der Waffenlobby durch Politiker ein “Schandfleck” sei.

Trump lehnt schärfere Waffengesetze ab. Nach dem Massaker in Parkland hatte er auf einen besseren Schutz von Schulen gemahnt, sich aber nicht zur weiten Verbreitung von Schusswaffen und zum Waffenrecht in den USA geäußert. Stattdessen kritisierte er via Twitter die US-Bundespolizei FBI. Die Behörde verwende zu viel Zeit auf die Untersuchung der Russland-Affäre und solle zum “Wesentlichen” zurückkehren. Das FBI hatte Versäumnisse im Vorfeld des Massakers eingeräumt.

Von: APA/ag.