Die Bevölkerung begrüßt die Rückkehr der Aufständischen

UN: 400.000 Menschen in Tigray akut vom Hungertod bedroht

Samstag, 03. Juli 2021 | 15:21 Uhr

Die Zahl der vor dem Hungertod stehenden Menschen in der äthiopischen Krisenregion Tigray hat sich trotz eines einseitigen Waffenstillstands weiter erhöht. “Es wird geschätzt, dass mehr als 400.000 Menschen die Schwelle zur Hungersnot überschritten haben und weitere 1,8 Millionen Menschen am Rande einer Hungersnot sind”, sagte der amtierende Chef des UN-Nothilfebüros Ocha, Ramesh Rajasingham, am Freitag bei einer Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates in New York.

Durch die Kämpfe zwischen der äthiopischen Armee und der Volksbefreiungsfront TPLF seien 1,7 Millionen Bewohner Tigrays vertrieben worden. Zudem berichtete die UN-Behörde von 1.200 dokumentierten Fällen sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder. Dies sei aber wohl nur ein Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes.

Das Leben vieler Menschen in Tigray hängt laut Kathpress nach den Worten Rajasinghams davon ab, ob die Staatengemeinschaft bereit ist, sie mit Lebensmitteln, medizinischer und humanitärer Hilfe zu unterstützen: “Und wir müssen sie jetzt erreichen. Nicht nächste Woche. Jetzt.” Er forderte alle Konfliktparteien dazu auf, die Kämpfe sofort einzustellen und Hilfe für Zivilisten zu ermöglichen.

Der Konflikt zwischen Regierung und lokalen Rebellen in Tigray war im November eskaliert. Die äthiopische Regierung hatte eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin in der gleichnamigen Region an der Macht war. Wegen des Konflikts, der immer komplexer wurde und auch Streitkräfte aus dem Nachbarland Eritrea einschließt, mussten Hunderttausende fliehen. Am Montagabend hatte die äthiopische Regierung überraschend eine einseitige Waffenruhe angekündigt – die Regionalhauptstadt Mekelle ist seitdem unter Kontrolle der Rebellen.

Rajasingham erklärte vor dem Sicherheitsrat weiter, dass noch immer zwei Millionen Menschen in der Region im Norden des Landes vertrieben sind. Zudem seien 5,2 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen, “die große Mehrheit von ihnen Frauen oder Kinder.” Die Feuerpause soll es humanitären Organisationen eigentlich erlauben, ungehindert in der Region zu arbeiten. Allerdings wird der Zugang der Hilfsorganisationen seit Monaten von der Sicherheitslage, bürokratischen Hürden sowie fehlendem Strom, Internet und Telefonverbindungen, erschwert. Zuletzt war eine für den humanitären Zugang wichtige Brücke nach Tigray zerstört worden.

Die UN-Beauftragte für politische Angelegenheiten, Rosemary DiCarlo, warnte derweil davor, dass es in Tigray trotz des Fortschritts angesichts der Waffenruhe “Potenzial für weitere Konfrontationen und eine schnelle Verschlechterung der Sicherheitslage” gebe.

Nach der Rückeroberung der äthiopischen Bürgerkriegs-Region Tigray durch die Rebellen hatte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nation (WFP) seine Hilfslieferung an die hungernde Bevölkerung wieder aufgenommen. Allerdings werde an einigen Brennpunkten weiter gekämpft und man habe noch keinen Zugang zu allen Gebieten, sagte WFP-Notfallkoordinator Tommy Thompson am Freitag über Satellitentelefon aus der Regionalhauptstadt Mekelle.

Er hoffe, dass bald auch Hilfe in die besonders schwer von Hungersnot betroffenen Gebiete geliefert werden könne. In diesem Zusammenhang sei er auch vorsichtig optimistisch, dass in den nächsten Tagen eine Luftbrücke aufgebaut werden könne, um die Hilfen zu forcieren. “Tatsache ist, dass Menschen gestorben sind, Menschen sterben und noch mehr Menschen sterben werden, wenn wir nicht die Möglichkeit haben, dies zu verhindern und Hilfe zu leisten”, sagte er.

Kämpfer der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) hatten Mekelle Anfang der Woche nach Monaten zurückerobert. Die TPLF hatte die Politik in Äthiopien jahrzehntelang von Tigray aus bestimmt, war im November aber von den Truppen der äthiopischen Zentralregierung von der Macht in der Region im Norden des ostafrikanischen Landes verdrängt worden. Die Regierung wirft ihr vor, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben. In dem ethnischen Konflikt sind Schätzungen zufolge Tausende Menschen getötet worden, Zehntausende flohen, vor allem in den benachbarten Sudan.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "UN: 400.000 Menschen in Tigray akut vom Hungertod bedroht"


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Hoferbua
Hoferbua
Grünschnabel
1 Monat 5 h

Sind bestimmt noch viel mehr auf dieser welt! Helft lieber den menschen, anstatt sich hier im reichen europa die probleme selbst zu schaffen.

Entequatch
Entequatch
Grünschnabel
1 Monat 4 h

In Europa leben nicht einmal 1mrd menschen aber nur diese sollen die last der anderen 5-6mrd tragen. Wie soll dies gehe? Mir scheint dass gewisse menschen immer noch glauben dass ein elefant durch das kleine nadelloch passt .

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 3 h

Es wird unter Einsatz des Lebens geholfen. “Insgesamt sind bereits mindestens zwölf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen dem äthiopischen Militär und den Kräften der TPLF-Rebellen getötet worden.”
Und die Zivilbevölkerung ist den enthemmten Kriegern genauso egal, bzw. Beute.
Wer traut sich in diesem Konflikt dazwischen zu “gehen” ?

https://www.deutschlandfunk.de/hintergruende-und-konfliktlinien-eskalation-in-aethiopiens.2897.de.html?dram:article_id=488138

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
1 Monat 2 h

@Entequatch
wer hat den so etwas behauptet ? wenn alle reichen Nationen die im Überfluß leben ihren Beitrag leisten würden, müssten keine Menschen verhungern !

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 1 h

@halihalo
Ist richtig. Die reichen Nationen könnten sehr schnell per Hubschrauber Lebensmittel, Medikament etc. schicken. Wie viele Kamikaze-Hubschrauberpiloten gibt es ?
Also am Boden transportieren. Und da schauen die Krieger seelenruhig zu ? Oder soll die Strecke freigebombt werden ?

sonnt
sonnt
Neuling
30 Tage 23 h

@halihalo
afrika wäre ein reiches land würden die geldgierigen grosskonzerne aus europa und sonstwoher ausbeuten!

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
30 Tage 21 h

@Hustinettenbaer
ja wenn es ums Öl gehen würde so wie in Nahost sind immer alle Nationen vertreten aber das hier ist nicht so wichtig für Europa oder Amerika …man ist mit innenpolitischen Themen und Corona beschäftigt , wichtig ist im eigenen Land gut dazustehen

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
1 Monat 5 h

dort haben sie jetzt andere Probleme als Corona…es geht ums tägliche Überleben ohne zu verhungern !

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
1 Monat 4 h

Gibn net lei corona sogi a

PuggaNagga
1 Monat 2 h

Diese Menschen auf dem Bild sehen sehr glücklich und durchaus wohlgenährt aus.
Seltsam, nichts zu Essen aber Geld für Waffen ist immer…
Das ist das Problem in sämtlichen Krisengebieten.

Storch24
Storch24
Kinig
1 Monat 3 h

Hier hat die SN wohl ein nicht besonderes gutes foto ausgewählt.
Hier scheinen fie Menschen sehr glücklich, was sicher nicht stimmt.

Lana2791
Lana2791
Tratscher
1 Monat 2 h

De Zohln sein erschütternd! In die heintign Zeitn miaßet niemand an Hunger sterben, wenn men mol nachdenkt wia mir leben und wieviel Lebensmitten in de Länder , de wirtschaftlich guat dostian, weckgschmissen werden obwohl sie nou nittamol verfollen sein ! Und nor wern a poor norret weign 3, 9 Millionen Coronatoate….Weltweit!!!! De hobm ondere Sorgn als Corona und nit schnell Impfn dass men in Urlaub fliagn konn😠

dog
dog
Grünschnabel
1 Monat 1 h

Ich war vor 2 Jahren dort. Einzigartige Landschaft! Ebenso die Gassen und Leute von Mekelle. Diese Entwicklungen seitdem sind schwer zu ertragen, auch dass durch das abgebrochene Internet kein Kontakt zu den dort kennengelernten Menschen momentan möglich ist. Kann man nur hoffen, dass es allen den Umständen entsprechend gut geht…

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
1 Monat 2 Min

Hallo spendenfreudige Menschen,

wo UN draufsteht lese ich mittlerweile ungerührt weiter, egal wie die Unterorganisation heisst, für welchen Zweck sie arbeitet und wie laut und dramatisch sie plärrt.

Es gab vor einigen Jahren einmal eine parlamentarische Anfrage im deutschen Bundestag nach dem Finanzgebaren dieser Organisationen, insbesondere eine getrennte Auflistung nach Werbung, Verwaltung, Personalkosten und eigentlichem Einsatz an Finanzmitteln für den genannten Zweck war erbeten.
Das ist archiviert unter Drucksache 18/4360 (18.Wahlperiode deutscher Bundestag)

http://docplayer.org/79703752-Administrationskosten-der-organisationen-der-vereinten-nationen.html

Die Antwort runterscrollen bis zum letzten Absatz und wer dann noch einen Cent spendet dem ist nicht zu helfen

Auf Wiedersehen in Südtirol

nachgedacht
nachgedacht
Tratscher
30 Tage 22 h

iatz kanntn de weltorganisationen zoagn, daß ihmene * menschnlebm” echt am herzn liegn…

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