Ursache für rund 30 Prozent der Drogentherapien

UN-Drogenreport: Cannabiskonsum belastet Gesundheitssysteme

Montag, 27. Juni 2022 | 05:25 Uhr

Der steigende Cannabiskonsum führt laut Vereinten Nationen (UN) zu einer zusätzlichen Belastung von Gesundheitseinrichtungen. In der Europäischen Union (EU) seien Hanf-Drogen die Ursache für rund 30 Prozent der Drogentherapien, hieß es im Jahresbericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien, der am Montag publik wurde. In Afrika und manchen lateinamerikanischen Ländern stehe der größte Teil solcher Therapien im Zusammenhang mit Cannabis-Sucht.

Das immer stärkere Haschisch und Marihuana auf dem Markt hat laut UNODC zusammen mit regelmäßigem Konsum zu einem Anstieg von Sucht und psychischen Erkrankungen in Westeuropa geführt. In Nordamerika werde als Folge der Legalisierung von Cannabis ebenfalls mehr konsumiert – besonders unter jungen Erwachsenen. Ein wachsender Anteil an psychiatrischen Störungen und Selbstmorden stehe dort im Zusammenhang mit regelmäßigem Gebrauch von Cannabis, hieß es in dem Bericht. Auch die Krankenhausaufenthalte nähmen zu. Das UNODC räumte ein, dass durch den legalen Verkauf dieser Drogen Steuereinnahmen gestiegen und die Zahl von Verhaftungen wegen Cannabis-Besitzes gesunken sind.

Die Drogenwächter der Vereinten Nationen wiesen auch darauf hin, dass der weitaus größte Schaden in Nordamerika weiterhin von gefährlichen Opioiden angerichtet wird. Zu diesen heroin-artigen Substanzen zählt etwa Fentanyl. Nach vorläufigen Schätzungen starben 2021 in den Vereinigten Staaten rund 108.000 Menschen an einer Überdosis, 17 Prozent mehr als im Jahr davor.

Von einer weiteren “Opioid-Epidemie” durch den Missbrauch des Schmerzmittels Tramadol spricht das UNODC im nördlichen und westlichen Afrika sowie im Mittleren Osten. Es gebe auch Anzeichen für Drogenkonsum von Tramadol in Asien und Europa.

Die UN-Behörde ist auch besorgt, dass andere stärkere Drogen neue Absatzmärkte finden. Beschlagnahmungen deuten demnach darauf hin, dass der Kokainschmuggel sich außerhalb der Hauptabnahmegebiete Nordamerikas und Europas auch in Afrika und Asien ausdehnt. Das ebenfalls aufputschende Methamphetamin sei nicht mehr nur ein Problem in Ost- und Südostasien, sondern auch in Ländern wie Afghanistan und Mexiko.

Das UNODC schätzt, dass 284 Millionen Jugendliche und Erwachsene Drogen konsumieren. Diese Berechnungen beruhen auf den jüngsten vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2020. Mehr als 11 Millionen Menschen injizieren Rauschgift mit Spritzen. Die Hälfte davon ist mit Hepatitis C infiziert, 1,4 Millionen leben mit HIV.

Zudem verwies der Bericht auf eine aktuell politische Komponente: Der Ukraine-Krieg könnte nach Angaben der Vereinten Nationen zu einem Anstieg der Produktion von Drogen führen. Konfliktregionen würden wie ein “Magnet” für die Herstellung synthetischer Drogen wirken. “Dieser Effekt kann größer sein, wenn sich die Konfliktregion in der nähe großer Verbrauchermärkte befindet.”

In der Ukraine war in den vergangenen Jahren die Zahl der von den Behörden aufgelösten Drogenlabore zur Herstellung von Amphetaminen laut UNODC stark angestiegen, von 17 im Jahr 2019 auf 79 im Jahr 2020. Das war die höchste Zahl an aufgelösten Amphetamin-Laboren weltweit.

Mit Fortdauern des Krieges könnte die Zahl der Drogenlabore weiter zunehmen. “Es gibt keine Polizei, die patrouilliert und Labore stoppt”, sagte UNODC-Expertin Angela Me der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf Konfliktgebiete. Allerdings könnte der Ukraine-Krieg dem Bericht zufolge auch dazu führen, dass Drogenschmuggel-Routen gestört oder verschoben werden.

Derweil hängt die Entwicklung des Marktes für auf Opium basierenden Drogen wie Heroin nach Einschätzung der UN-Experten von der Lage im Krisenstaat Afghanistan ab. Dort wurden im vergangenen Jahr 86 Prozent des Opiums weltweit produziert.

Laut dem UNODC-Bericht könnte die humanitäre Krise in Afghanistan zu einem verstärkten Mohn-Anbau führen, auch wenn die herrschenden Taliban den Anbau im April untersagt hatten. “Änderungen in der Opium-Produktion in Afghanistan werden Auswirkungen auf Opiate-Märkte in allen Regionen der Welt haben”, heißt es in dem UNODC-Bericht.

Den Angaben zufolge konsumierten im vergangenen Jahr geschätzt 284 Millionen Menschen weltweit Drogen. Damit nahm jeder 18. Mensch im Alter zwischen 15 und 64 Jahren Drogen zu sich.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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22 Kommentare auf "UN-Drogenreport: Cannabiskonsum belastet Gesundheitssysteme"


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sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Und dann will man legalisieren. Für wie dumm halten uns die Politiker eigentlich?

Mello
Mello
Tratscher
1 Monat 13 Tage

@sakrihittn. Informier di besser! Legalisieren sofort!!!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 13 Tage

Von den “UNS” nur einige von euch! Grins

@
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Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@sakrihittn
Dein Link beschreibt die Folgen bei dauerhaften Konsum von Cannabis und der ist erst ab dem Nachweis von 150 ng/ml THC-COOH im Blut gegeben. Den entsprechenden Wert erreicht man erst nach intensivem Konsum über einen längeren Zeitraum.Daher ist es vergleichbar mit Alkohol, Nikotin usw. Die Dosis macht das Gift. Daher macht es Sinn Cannabis mit einem niedrigerem THC Gehalt zu auf einem kontrollierten Markt, legal zu verkaufen. Man würde die Beschaffungskriminalität reduzieren und würde dazu führen,dass weniger zu starkes, gestrecktes oder mit illegalen Chemikalien angereicherte Cannabis konsumiert würde.Daher: Cannabis legalisieren,sofort!

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@@ 🤣👍🙈

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Hat jemand schon mal recherchiert, wieviel Prozent der Amerikaner von Medikamenten abhängig sind, d.h Pillen einnehmen müssen, damit sie überhaupt den Alltag bewältigen können???

Diese knapp 100.000 Toten sind ein Klacks dazu!

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 13 Tage

und wenn wir’s jetzt noch mit dem Hunger in Afrika vergleichen, dann ist es sogar irrelevant.

Nichts ist ein Klacks, auch nicht die Toten, die es durch Suff oder Rauch gibt.

Moody
Moody
Neuling
1 Monat 13 Tage

Und von den übergewichtigen Amerikanern ist das Gesundheitssystem sicher a betroffen

Hustinettenbaer
1 Monat 13 Tage

@ischJOwurscht
Ich möchte die Drogengefahren – auch von Cannabis, Alkohol, Nikotin – nicht relativieren.
Doch was legale Drogenbarone/Pharmaindustrie und Dealer/Ärzte in den USA anrichte(te)n, ist nach meiner Kenntnis beispiellos.
“Der Einstieg in die Heroinsucht begann für Hunderttausende mit legalen Schmerzmitteln”
“2020 wurde mit 93.331 Toten der bisherige Höchststand erreicht, ein Anstieg um 30 % gegenüber 2019.[21] Insgesamt starben zwischen dem Beginn der Epidemie und dem Jahr 2020 mehr als 450.000 Menschen in den USA durch Opioide.”

https://de.wikipedia.org/wiki/Opioidkrise_in_den_USA#:~:text=Insgesamt%20starben%20zwischen%20dem%20Beginn,inzwischen%20durch%20Opioide%20verursacht%20werden.
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/suchtmedizin-ein-land-unter-drogen-1.3723553-0
https://www.spektrum.de/wissen/5-fakten-zur-opioid-krise-in-den-usa/1544581

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Husti@

Das siehst du ja, wie die Forumsteilnehmer zur Kenntnis genommen haben, durch mittlerweile 5 Dislike!

aber egal, es sind zu viele Tote, das ist sicher…. durch die ganzen Legalen u illegalen Drogen!

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 13 Tage

i hon gemoant Hanf isch sovl Gsund, sel sein woll die Arrgumente von de wos olm Legaliesiern fordern. Kannt man do iaz a erklärung hobn??

Tom Furbo
Tom Furbo
Neuling
1 Monat 13 Tage

Mich würde nur noch interessiern wieso alkohol dann legal ist🤔 denn dort sind noch mehr in behandlung… aber da beschwert sich keiner😉

@
@
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@Hunter
Hanf ist nicht nur gesund sonder hat auch sonst noch viele positive Eigenschaften.Hanf ist eine gute Quelle für hochwertige Proteine und Fettsäuren
Hanf enthält Antioxidantien und viele Mikro- und Makronährstoffe
Hanf enthält stabile und beständige Fasern für Textil und Baumaterial
Cannabinoide stimulieren körpereigene Rezeptoren des Endocannabinoidsystems
CBD kann bei chronischen Entzündungen helfen

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 13 Tage

@Tom Furbo
Die Folgekosten sind um ein vielfaches höher.
Aber mit Alkohol verdient der Staat reichlich.

Hustinettenbaer
1 Monat 13 Tage

Cannabis macht “„deliriumsartige Wut“, „Träume erotischer Art“, Verlust der „Fähigkeit, Gedanken zu verknüpfen“. Am Ende unvermeidlicher „Wahnsinn“. 
Laut Harry Anslinger ab 1933. Übernahm 1929 das Ministerium für Prohibition in Washington. Ein Desaster. 1933 “wurde die Alkohol-Prohobition endlich gestoppt – und Harry Anslinger hatte Angst. Er war plötzlich verantwortlich für ein riesiges Ministerium, das nichts zu tun hatte. Bis dahin hatte er immer gesagt, dass Cannabis kein Problem sei. Es schade den Menschen nicht, erklärte er und es gäbe keinen „absurderen Trugschluss“, als den, dass es aggressiv mache. 🤣
Warum wurde Cannabis verboten? Der echte Grund ist schlimmer, als ihr denkt – Business Insider

Dostoevsky
Dostoevsky
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

@
Canabis hat viele positive Eigenschaften, allerdings ist es in der Regel nicht gesund, vor allem wenn man es raucht. Es gibt natürlich Ausnahmen wie z.B. ein CBD Hanftee, der ist gesund, aber ein joint nicht.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 13 Tage

@Dostoevsky Die Frage stell sich immer wieder, was ist GESUND für den Menschen. Muss es denn immer und ausnahmslos gesund sein? Nein! Der Mensch macht so vieles das ungesund istt und sich dann an Cannabis aufzuhängen, das unbestritten positive Eigenschaften hat ist aburd. Ja, bei hohem Konsum kanns abhängig machen, psychisch aber auch da, wovon sind die Leute abhängig? Facebook, Internet usw … ist man da nicht auch psychisch abhängig, da kenn ich viele von …!
Übrigens, ich hab noch nie nen aggressiven Kiffer erlebt und ich hab VIEL erlebt!

Mello
Mello
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Do will jemand Cannabis in a schlechtes Licht tian… dai dai, isch jo lächerlich …

Cannabis würde die Gesundheitssysteme ENTLASTEN, weil man für viele Patoligien koane Pillen verobreichen miaset, sondern mit Cannabis kurieren kannet… obor sell tat in viele net passen… 

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 13 Tage

“Das immer stärker werdenen Haschisch und Marihuana…” steht im Bericht. Nun, das sind Züchtungen von Kriminellen die die Menschen schnell abhäng machen wollen. Den Grund hat die UN geflissentlich verschwiegen! Auserdem sollte die UN dann im gleichen Atemzug auch die Volksdroge ZUCKER nennen und dessen Auswirkungen auf Sanität usw.! Dagegen ist Marihuana und Haschisch ein Klaks! Gerade in den USA und den immer dicker werdenden Europäern!

Dostoevsky
Dostoevsky
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

Genau!
Illegale Drogen sind nochmal gefährlicher, weil es keine Regulierungen gibt.

Untermoaser
Untermoaser
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

Cannabis mocht Körperlich net obhängig und isch deswegn olm no besser wia Alkohol und dor restliche scheiß wo man extreme Entzugserscheinungen kriag. Cannabis mocht lei psychisch obhängig.

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