2,9 Mio. Somalier sind von Lebensmittelknappheit betroffen

UNICEF warnt vor erneuter Hungersnot in Somalia

Donnerstag, 11. Mai 2017 | 16:18 Uhr

Die UNICEF warnt vor einer erneuten Hungersnot in Somalia. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen rief daher im Rahmen der in London stattfindenden internationalen Somalia-Konferenz zu einer massiven Ausweitung der internationalen Hilfe auf. Mit hunderten Millionen Euro soll Somalia zu mehr Stabilität verholfen werden, kündigten u.a. Deutschland, Großbritannien und die EU an.

Allein die Europäische Union sagte zusätzliche Hilfsgelder in Höhe von 200 Millionen Euro zu. Wichtigstes Ziel sei es, wieder einen Staat aufzubauen, für Sicherheit und Stabilität zu sorgen und die Armut zu bekämpfen, sagte Neven Mimica, EU-Kommissar für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung. Deutschland versprach, seine Unterstützung von ursprünglich geplanten 70 auf etwa 140 Millionen Euro für dieses Jahr zu verdoppeln.

Somalias Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed erneuerte indes seinen Hilferuf. Er werde alles tun, um Somalias größte Feinde zu bekämpfen: Terrorismus, Korruption und Armut – wie er bei der Konferenz beteuerte. Wenn es gelinge, diese Bedrohungen in den Griff zu bekommen, könne das Land vorankommen. Dem Land droht wegen einer anhaltenden Dürre eine Hungersnot. Große Teile des Landes werden von der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab kontrolliert.

Noch könne die dort drohende Hungerkatastrophe abgewendet werden, schrieb der britische Außenminister Boris Johnson in einem Gastbeitrag für den “Tagesspiegel”, in dem er die internationale Staatengemeinschaft zu schnellem Handeln aufforderte. Von der somalischen Regierung forderte er einen “genauen Plan für die Bildung einer nationalen Armee”.

Die Geldgeber wollen eine Wiederholung der Katastrophe von 2011 verhindern. Damals kamen in dem zersplitterten Land mehr als 250.000 Menschen aufgrund von Dürre und Hungersnot ums Leben. “Wir brauchen Investitionen, die den Fortschritt aufrechterhalten, während wir schnellstens die wachsende Nahrungsunsicherheit, die Millionen von Somaliern betrifft, bekämpfen müssen”, sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres. Im Rahmen der Konferenz bat Guterres um zusätzliche Hilfen in Höhe von 828 Mio. Euro.

Obwohl das Land am Horn von Afrika seit der ersten Somalia-Konferenz in London im Jahr 2012 Fortschritte gemacht hat, herrscht in vielen Teilen Somalias weiterhin Chaos. Die Regierung hat nur wenig Kontrolle außerhalb der Hauptstadt Mogadischu, seit dem Sturz des Machthabers Siad Barre 1991 gibt es keine funktionierende Zentralregierung. Vor einigen Jahren konnte die Terrormiliz Al-Shabaab von Regierungssoldaten und einer Truppe der Afrikanischen Union (AU) aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben werden. Allerdings kontrollieren die Rebellen immer noch einige ländliche Regionen und verüben regelmäßig Anschläge.

Rund 6,7 Millionen Somalier – etwa die Hälfte der Bevölkerung – brauchen nach UNO-Angaben Hilfe. Schätzungsweise 2,9 Millionen Somalier werden im Juni in Gebieten leben, in denen Nahrungsmittel knapp sind. Nach Angaben der UNICEF werden im Laufe des Jahres 275.000 Kinder an akuter Mangelernährung leiden.

Angesichts der weiterhin dramatischen Lage versuchen die Organisation und ihre Partner, die bedrohten Kinder rechtzeitig zu identifizieren und mit therapeutischer Spezialnahrung zu versorgen und medizinisch zu behandeln. In diesem Jahr wurden bereits über 80.000 Buben und Mädchen auf Mangelernährung untersucht und 56.000 schwer betroffene Kinder behandelt. 90 Prozent konnten demnach gerettet werden.

Zusätzlich zum Nahrungsmangel seien Kinder auch von Krankheiten durch verseuchtes Wasser bedroht, erklärte das Kinderhilfswerk. Die zumeist sehr armen Familien hätten kein Geld, um Trinkwasser zu kaufen und müssten ihr Wasser aus verunreinigten Quellen beziehen. Mit dem Beginn der kurzen Regenperiode hätten sich die hygienischen Verhältnisse überall verschlechtert. Hierdurch komme es zu einer starken Zunahmen lebensgefährlicher Durchfallerkrankungen.

Seit Anfang des Jahres seien in Somalia über 36.000 Fälle von extremem Durchfall oder Cholera registriert worden. Mit Hilfe von UNICEF erhalten derzeit über eine Million Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, wie die Organisation weiter mitteilte.

Eine tödliche Gefahr für Kinder seien zudem Infektionskrankheiten. So nähmen etwa Maserninfektionen kontinuierlich zu. Bis Anfang Mai wurden laut Unicef über 7.000 Erkrankungen gemeldet. Zwei Drittel waren Kleinkinder unter fünf Jahren.

Von: APA/ag.