"Matthew" zog eine Spur der Verwüstung und Zerstörung

UNO benötigt 110 Million Dollar für Haiti

Montag, 10. Oktober 2016 | 18:58 Uhr

Nach dem verheerenden Hurrikan “Matthew” bitten die Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft um Hilfszusagen in Höhe von 119 Millionen US-Dollar (106 Mio. Euro) für Haiti. Das Geld sei nötig, um 750.000 von dem Wirbelsturm betroffenen Menschen in dem armen Karibikstaat zu helfen, teilte das UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) am Montag mit.

Der Großteil des Geldes werde in den kommenden drei Monaten für Lebensmittel, sauberes Trinkwasser, Notunterkünfte und die medizinische Versorgung der Bevölkerung benötigt, hieß es in dem Spendenaufruf. “Matthew” hatte am Dienstag vergangener Woche den Südwesten Haitis mit voller Kraft getroffen. Häuser wurden zerstört, Straßen und Felder überflutet. Nach offiziellen Angaben kamen 372 Menschen ums Leben, Rettungskräfte rechnen mit deutlich mehr Todesopfern. Eine Auswertung von Angaben diverser lokaler Behörden ergab eine Zahl von 1.000 Toten. Teilweise wurden die Opfer in Massengräbern bestattet.

In Haiti wächst unterdessen die Angst vor einer erneuten Cholera-Epidemie. Das einzige Krankenhaus in der zerstörten Küstenstadt Port-Salut im Süden des Karibikstaats meldete am Sonntag seinen ersten Cholera-Toten. Acht weitere Patienten habe das Krankenhaus allein in den vergangenen Tagen aufgenommen, berichtete Direktor Stevenson Desravines. Auch in anderen Gebieten im Süden Haitis gab es erste Cholera-Tote.

Auch internationale Hilfsorganisationen warnten vor einer neuen Epidemie. “Überschwemmte Gebiete, Schlammlacken sowie die Leichen von Menschen und Tieren sind perfekte Brutstätten für den Erreger”, sagte der Haiti-Vertreter des UNO-Kinderhilfswerks Unicef, Marc Vincent. “Jeder Tag ohne Abhilfe erhöht das Cholera-Risiko”.

In den USA sind durch den Wirbelsturm am Wochenende 21 Menschen ums Leben gekommen. Allein im Bundesstaat North Carolina kamen zehn Menschen ums Leben, wie der Gouverneur am Montag sagte. Fünf weitere wurden vermisst. “Matthew” wütete am Wochenende an der Südostküste. Auch am Montag standen in den betroffenen Bundesstaaten noch Gebiete unter Wasser. In Florida gab es sechs Tote, in Georgia drei und in South Carolina und Virginia jeweils einen, wie US-Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten. Zuvor war die Zahl von elf Toten genannt worden.

Sechs Jahre nach einem Erdbeben mit mehr als 200.000 Toten leben auf dem völlig verarmten Inselstaat noch immer Zehntausende Menschen in Zelten und Notunterkünften. Dadurch konnte Hurrikan “Matthew”, der mit mehr als 230 Kilometern pro Stunde am Dienstag über Haiti hinweg gefegt war, besonders viel Zerstörung anrichten.

Von: APA/ag.