Nicht nur das Virus auch der Hunger grassierte 2020

UNO: In Coronakrise weltweit viel mehr Unterernährte

Montag, 12. Juli 2021 | 19:12 Uhr

Der Hunger in der Welt hat einem UNO-Bericht zufolge im Jahr der Corona-Pandemie 2020 deutlich zugenommen. Zwischen 720 und 811 Millionen Menschen – knapp ein Zehntel der Weltbevölkerung – waren Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr unterernährt, wie aus dem Report zur Lage der weltweiten Nahrungsmittelsicherheit hervorgeht. Dies seien 70 bis 161 Millionen mehr als 2019, rechneten Fachleute der Welternährungsorganisation FAO in dem am Montag veröffentlichten Bericht vor.

Es handelte sich um einen Anstieg um etwa 1,5 Prozentpunkte binnen eines Jahres. Dieser fiel im Vergleich zu den Vorjahreswerten, die zwischen 0,1 und 0,2 Prozentpunkten lagen, deutlich höher aus. Die Zunahme führten die Experten zum Großteil auf die Folgen der Corona-Krise zurück, deren Auswirkungen weiter untersucht werden müssten, wie sie hervorhoben.

Den Angaben nach löste die Pandemie in vielen Teilen der Welt “brutale Rezessionen” aus und erschwerte den Zugang zu Nahrungsmitteln – vor allem Länder, in denen es Konflikte und Klimaextreme gibt, waren betroffen. Mehr als die Hälfte aller unterernährten Menschen lebt demnach in Asien (418 Millionen), mehr als ein Drittel in Afrika (282 Millionen). In Lateinamerika und der Karibik leiden den Angaben zufolge rund 60 Millionen Menschen an Hunger. Den schärfsten Anstieg bei der Zahl hungriger Menschen gab es 2020 in Afrika. Es seien rund 46 Millionen mehr als 2019.

“Leider legt die Pandemie weiterhin Schwächen in unseren Ernährungssystemen offen, die das Leben und die Existenzgrundlage von Menschen auf der ganzen Welt bedrohen”, hieß es in dem Bericht, in dem die Experten die Lage der Nahrungsmittelsicherheit in der Welt im vergangenen Jahr als “düster” bezeichneten. So habe 2020 zeitweise knapp einer von drei Menschen weltweit keinen sicheren Zugang zu ausreichenden Nahrungsmitteln gehabt. Darunter seien Millionen Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, um gesund aufzuwachsen. Die meisten mangelernährten Kinder leben demnach in Asien und Afrika.

Das Ziel der Staatengemeinschaft, den Hunger bis zum Jahr 2030 zu stoppen, kann den aktuellen Prognosen zufolge nur unter “enormen Anstrengungen” erreicht werden. Dazu müssten insbesondere drastische Maßnahmen getroffen werden, durch die Ungleichheiten beim Zugang zu Nahrungsmitteln beseitigt werden. Als Beispiele nannten die Experten etwa humanitäre Hilfe in Konfliktgebiete oder Unterstützungsprogramme in Form von Sach- oder Geldleistungen, um Nahrungsmittel-Preisschwankungen abzumildern. Auch ein breiterer Zugang zu Klimarisikoversicherungen für Kleinbauern wurde genannt.

Wenn sich allerdings nichts ändert, könnten 2030 laut Prognosen der UNO-Experten – unter anderem bedingt durch die Langzeitfolgen der Pandemie – noch immer rund 660 Millionen Menschen von Hunger betroffen sein. Dies wären nach aktueller Schätzung etwa 30 Millionen Menschen mehr als in einem Szenario, in dem es die Corona-Krise nicht gegeben hätte. “Wir bewegen uns in die falsche Richtung”, warnen die Autoren des Berichts, für den neben der FAO das Kinderhilfswerk UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation WHO, der Hilfsfonds IFAD und das Welternährungsprogramm WFP Daten zusammengetragen haben.

Von: APA/dpa

Kommentare

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7 Kommentare auf "UNO: In Coronakrise weltweit viel mehr Unterernährte"


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Missx
Missx
Kinig
15 Tage 23 h

Gegen den Hunger sollten endlich Maßnahmen ergriffen werden. Auch da versagt die Politik.

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Kinig
15 Tage 1 h

“Steter Tropfen hölt den Stein”. Und darum gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Und nicht nur beim Hunger, sondern auch beim Impfen. Die schrecklichen Nachrichten aus Afrika haben bei mir ein Umdenken ausgelöst. Heute sind in einem der ärmsten Länder der Welt, der Zentralafrikanischen Republik, gerade mal 22 !! Dosen AZ angekommen. Ich wünsche mir, dass die Impfstoffhersteller, die ihre Kosten mit Sicherheit schon refinanziert haben, ihre Patente weltweit freigeben, um auch den Ärmsten der Armen eine Impfung gegen Corona zu ermöglichen.

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Kinig
14 Tage 2 h

Jetzt habe ich das mit dem “Schleimen” auch mal versucht und bin kläglich gescheitert…

vapeon MTHFCKR
vapeon MTHFCKR
Tratscher
15 Tage 23 h

es sterben täglich um di 8000 Kinder an Hunger…obr leider sein di CORONATOTEN wichtiger !!!😥😥😥

Entequatch
Entequatch
Grünschnabel
16 Tage 3 h

Die Anzahl der Menschen die Hunger eleiden nimmt zu gleichzeitig seigt auch die Anzahl der Bevölkerung, vor allem in Afrika. Dies gilt wohl als afrikanischen Paradox

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
16 Tage 2 h

Solche Bilder tun schon weh, eine traurige Realität!

quilombo
quilombo
Superredner
15 Tage 9 h
7,8 Milliarden Bewohner hat die Erde. 1,2 Milliarden leben in Nordamerika, Europa und Australien, 15% der aller Einwohner. Diese 15% verbrauchen 60-80% aller Ressourcen, also 60-80% der Lebensmittel, des Wassers und der Energie. Mit anderen Worten, jeder Europäer verbraucht dasselbe wie 22 Afrikaner zusammen, jeder Us-Amerikaner gleichviel wie 28 Afrikaner gemeinsam. Aber wir haben die Frechheit den Afrikanern sagen zu wollen, daß sie zuviele sind ?? Andersherum, sie sollen ihre Geburten kontrollieren, damit wir ewig weiterprassen können?? Die Lebensmittel die zur Zeit produziert werden, würden für die doppelte Anzahl Menschen reichen die wir sind. Aber es bleibt alles bei uns… Weiterlesen »
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