Gesundheitsminister Rudolf Anschober präsentierte neueste Zahlen

Unter 1.000 aktive Covid-19-Erkrankte in Österreich

Mittwoch, 20. Mai 2020 | 16:11 Uhr

Erstmals ist mit 838 wieder die Grenze von 1.000 Aktiv-Erkrankten in Österreich unterschritten worden. Zudem ist die Situation auf den Intensivstationen weiter stabil: “Aktuell befinden sich 37 Menschen in intensivmedizinischer Behandlung, den Höchststand gab es am 8. April mit 267 Patienten”, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch.

Auch die Prognose bis nächste Woche lasse “keine großen Veränderungen” erwarten. Er verwies aber darauf, dass Covid-19-Patienten eine “überdurchschnittliche Belagsdauer von rund 20 Tagen” auf den Intensivstationen benötigen. 633 Personen sind bisher an oder mit Covid-19 verstorben. Hier gebe es eine “sehr klare Altersstruktur”. Laut Anschober machten Menschen über 90 Jahre fast 20 Prozent aus, 40 betrafen die Altersgruppe 80 bis 90 Jahre, 28 Prozent 70 bis 79 Jahre und acht Prozent zwischen 60 und 69 Jahren.

Der Ressortchef sprach sich auch für die Beibehaltung der derzeit gültigen Maskenpflicht aus. Mund-Nasenschutz muss unter anderem in Geschäften und in Öffentlichen Verkehrsmittel getragen werden. “In der jetzigen Situation erfüllt die Maske eine wesentliche Funktion.” Allerdings könne er sich sehr wohl vorstellen, dass es “irgendwann eine gewisse Flexibilität geben könnte”.

Der oberösterreichische LH Thomas Stelzer (ÖVP) befürwortete dezidiert eine Impfpflicht für Covid-19. “Wie viel Leid und welch schwerwiegende Folgen diese Krankheit ausgelöst hat, haben wir in den letzten Wochen sehen müssen. Ja ich bin daher für eine verpflichtende Impfung, sobald ein sicherer und ausreichend getesteter Impfstoff zugelassen wird”, zitierte ihn das “profil” online.

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hielt nicht viel von einer Impfpflicht gegen das Coronavirus. “Eine Impfpflicht beurteile ich generell eher kritisch. Daher sollten Maßnahmen zur Aufklärung und zur Sensibilisierung der Eigenverantwortung forciert werden”, erklärte Haslauer am Mittwoch auf Anfrage der APA.

Der steirische LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) war im Zweifelsfall für eine Impfpflicht. Denn “die Gesundheit hat immer Vorrang und wie schnell sich dieses Virus wieder ausbreiten kann, sollte jedem bewusst sein”, sagte er. Zuvor hatte Oberösterreichs LH Thomas Stelzer (ÖVP) mit der Befürwortung einer Impfpflicht gegen das Coronavirus aufhorchen lassen.

Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sprach sich auf APA-Anfrage gegen eine Impfpflicht aus: “Das sollte in der individuellen Entscheidung jedes und jeder Einzelnen liegen.” In Kärnten gebe es ein Reminder-System: Mit automatisierten Erinnerungsbriefen werden die Kärntner daran erinnert, sich impfen zu lassen.

Auch Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery forderte eine allgemeine Impfpflicht. Wenn künftig ein Serum zur Verfügung stehe und sich manche Bürger dann der Impfung verweigerten, stellten sie ein hohes Risiko für ihre Mitbürger dar, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden könnten, warnte Montgomery.

Anschober sprach sich jedoch gegen eine Impfpflicht in Sachen Coronavirus aus, diese werde es nicht geben. “Meine Erwartung und Hoffnung ist, dass die Krise so manifest da ist, dass das auf freiwilliger Ebene auch erreichbar ist”, sagte der Gesundheitsminister.

Wenn zu Christi-Himmelfahrt das Bundesheer die Arbeit im Postverteilzentrum Inzersdorf übernimmt, werden die rund 300 Berufssoldaten, Grundwehrdiener und Zivilbedienstete streng isoliert. Das gleiche gilt auch für jene Postmitarbeiter, die die Bundesheer-Helfer einschulen und unterstützen werden. Für zwei Wochen gibt es keinen Kontakt nach außen.

Das System wurde bereits bei der Unterstützung des Logistikzentrums der Post in Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) angewandt. Dort verrichten seit einigen Tagen 297 Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst, so Heeressprecher Oberst Michael Bauer. 90 Soldaten sind pro Schicht eingeteilt. Für die Einschulung und den regulären Ablauf wurde ihnen 20 Mitarbeiter der Post zur Seite gestellt.

Im großen Corona-Cluster in Wien und Niederösterreich mit verschiedenen betroffenen Einrichtungen und Standorten stehen Beschäftigte von Leiharbeitsfirmen im Zentrum der Infektionskette. Die Bundeshauptstadt setzt deshalb ihre Spurensuche in diesem Umfeld fort. Anschauen will man sich u.a., wo die ausgeliehenen infizierten Post-Mitarbeiter sonst noch beschäftigt waren.

Das Ansteckungsrisiko nach einer Corona-Infektion in einer Flüchtlingsunterkunft ist einer Studie zufolge etwa so hoch einzustufen wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Das hat eine Untersuchung unter Leitung des Bielefelder Forschers Kayvan Bozorgmehr ergeben.

Das Virus könne sich rasch ausbreiten, wenn es einmal durch Bewohner oder Personal in die Unterkunft gelangt sei, sagte der Studienleiter. Die noch unveröffentlichte Studie gilt als erste wissenschaftliche Untersuchung dieser Art, die sich mit Corona-Ansteckungsrisiken in Flüchtlingsheimen befasst. Grundlage waren 23 Unterkünfte mit 1.367 bestätigten Infektionsfällen. Kleine Räume für mehrere Personen, Gemeinschaftsküchen, wenige Toiletten und Duschen für viele Bewohner seien in der Pandemie hochproblematische Lebensbedingungen, betonte der Gesundheitswissenschaftler. Die nötige strikte Isolierung infizierter Flüchtlinge von Nicht-Infizierten sei aus räumlichen Gründen oft nicht möglich.

Von: apa

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