Fahrzeug in Hannover unter Baum begraben

Unwetterfront wütete über Deutschland

Freitag, 23. Juni 2017 | 16:12 Uhr

Eine Unwetterfront mit Gewittern, Orkanböen und Starkregen hat in weiten Teilen Deutschlands für schwere Schäden und Verkehrschaos gesorgt. Der Bahnverkehr war am Freitag noch beeinträchtigt. Unfälle, umgefallene Bäume und überflutete Keller wurden seit Donnerstag aus ganz Deutschland gemeldet, besonders betroffen war der Norden. In Niedersachsen kamen zwei Menschen bei Autounfällen ums Leben.

Mit den schweren Unwettern ging eine Hitzwelle in Deutschland zu Ende, bei der zum Teil Temperaturen von 37 Grad Celsius erreicht worden waren. Bereits am Donnerstag traf die Front vor allem Norddeutschland. In Niedersachsen kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Im Landkreis Uelzen starb laut Polizei ein 50 Jahre alter Mann in seinem geparkten Auto, weil ein Baum auf das Fahrzeug fiel. Bei Gifhorn fuhr eine 83-jährige Frau in einen kurz zuvor umgestürzten Baum.

Allein in Hannover wurde die Feuerwehr nach Angaben der Stadt zu mehr als 500 Einsätzen gerufen. Ein Teil des Bahnhofs musste zeitweise von der Stromversorgung getrennt werden. In einer Kinderklinik war ein Operationsbereich überflutet. Ein Konzert der US-Rockband Guns n’ Roses auf dem Messegelände in der niedersächsischen Landeshauptstadt mit 70.000 Fans wurde wegen des Unwetters unterbrochen. Wind, Regen und Hagel verhinderten einen Auftritt von Andreas Gabalier in Hamburg.

Auch in anderen Bundesländern wüteten Unwetter. Zu erheblichen Verzögerungen kam es am Donnerstag auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main. In der Nacht auf Freitag strandeten etwa 2.400 Menschen auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, weil ihre Maschinen wegen des Sturmtiefs “Paul” nicht abheben konnten.

In Kassel schlug ein Blitz in den Rauchfang eines Mehrfamilienhauses ein. Den Dachstuhlbrand konnte die Feuerwehr aber schnell löschen. Auch aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und weiteren östlichen Bundesländern meldete die Polizei am Freitag Hunderte Einsätze wegen umgestürzter Bäume, vollgelaufener Keller oder beschädigter Stromleitungen. In Berlin wurde die Feuerwehr zu 300 Einsätzen gerufen.

Viel Geduld brauchten Bahnreisende. Die Deutsche Bahn stellte in der Nacht auf Freitag in Hamburg, Hannover, Bremen und Kassel Schlafwagen zur Verfügung, in denen Fahrgäste übernachten konnten, die ihre Reise nicht mehr fortsetzen konnten.

Bei Bielefeld musste kurz nach Mitternacht ein ICE mit 400 Passagieren auf dem Weg von Berlin nach Düsseldorf auf freier Strecke stoppen. Mehrere Meter Fahrdraht hatten sich laut Bundespolizei um einen Stromabnehmer der Lok gewickelt. Zuvor war auf dem benachbarten Gleis ein Güterzug in eine nach einem Blitzeinschlag herabhängende Leitung gefahren. Der ICE konnte erst nach mehr als fünf Stunden abgeschleppt werden. Die Fahrgäste mussten so lange in den Wagen ausharren.

Auch am Freitag war der Bahnverkehr noch erheblich beeinträchtigt. Im Tagesverlauf normalisierte sich die Situation nach Angaben der Deutschen Bahn aber langsam. Es kam jedoch weiterhin zu Verspätungen vor allem in Nord- und Ostdeutschland. Hunderte Mitarbeiter waren nach Unternehmensangaben mit 20 Reparaturzügen im Dauereinsatz, um blockierte Strecken von umgestürzten Bäumen freizuräumen und Oberleitungen zu reparieren.

Auch in Tschechien entwurzelte ein Gewittersturm zahlreiche Bäume und beschädigte Stromleitungen. Die Feuerwehren rückten landesweit mehr als 800 Mal aus, um Straßen und Bahnstrecken von Ästen und Baumstämmen zu befreien, wie eine Sprecherin am Freitag mitteilte. Im regionalen und internationalen Bahnverkehr kam es zu Verspätungen von teils über einer Stunde.

Menschen in Tausenden Haushalten mussten vorübergehend ohne Elektrizität auskommen, weil Hochspannungsleitungen ausfielen. Besonders betroffen war davon die Region Südböhmen an der Grenze zu Bayern. Im nördlichen Riesengebirgsort Mala Upa (Kleinaupa) ging das Dach eines Hauses in Flammen auf, nachdem ein Blitz eingeschlagen hatte.

Von: APA/dpa/ag.