Acht Gebäude wurden teilweise massiv beschädigt

Ursache für Großbrand von Siegburg weiter unklar

Mittwoch, 08. August 2018 | 13:42 Uhr

Einen Tag nach dem verheerenden Großbrand an der ICE-Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main ist die Ursache des Feuers am Mittwoch weiter unklar geblieben. Brandermittler des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts setzten am Einsatzort in Siegburg-Brückberg die Spurensicherung fort, wie eine Polizeisprecherin mitteilte.

Die Bahn nahm unterdessen Mittwochfrüh den Fernverkehr zwischen Köln und Frankfurt wieder auf. Ausgangspunkt des Feuers vom Dienstagnachmittag war ein Böschungsbrand an den Gleisen, der innerhalb kürzester Zeit auf ein benachbartes Wohngebiet übergegriffen und dort neun Häuser teils massiv beschädigt hatte.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul rief am Mittwoch bei einem Besuch des Unglücksorts mögliche Augenzeugen der Brandentstehung auf, sich bei der Polizei zu melden und den Ermittlern ihre Beobachtungen zu schildern. “Fakten haben wir noch gar keine”, sagte Reul mit Blick auf die Ursache.

Nicht beteiligen wollte sich Reul an Spekulationen, wonach Funkenschlag beim Zugverkehr oder aber auch ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel die Böschung in Brand gesetzt haben könnten. Es gelte, die Ermittlungsergebnisse abzuwarten. Die Deutsche Bahn erklärte, der Auslöser des Brandes sei “völlig offen, Spekulationen sind verfrüht”. Unabhängig davon drücke das Unternehmen den Betroffenen sein Mitgefühl aus.

Der Funkenflug eines Zuges als Auslöser für einen Böschungsbrand an einer Bahntrasse ist auch nach Einschätzung eines Experten sehr unwahrscheinlich. “Dass ein Funkenflug jemals zu einem Böschungsbrand geführt hat, ist mir nicht bekannt”, sagte Christian Schindler, Leiter des Instituts für Schienenfahrzeuge und Transportsysteme an der RWTH Aachen. Zu einem Funkenflug könne es etwa kommen, wenn ein Zug sehr scharf bremsen müsse – also in einer Notsituation – oder in einer äußerst engen Kurve. Bei dem Funken eines Zuges handelt es sich um ein kleines glühendes Stück Stahl oder auch Kunststoffmaterial, das durch eine extrem große Reibung zwischen Rad und Schiene entsteht, wie Schindler erläuterte.

Reul zufolge erklärte sich die Deutsche Bahn bereit, sich mit einer halben Million Euro an einem Hilfsfonds für Betroffene des Brandes zu beteiligen. Der NRW-Innenminister sprach am Brandort von einer “sehr bedrückenden Atmosphäre und Situation”: Er habe noch nie gesehen, dass eine ganze Straße praktisch “weggebrannt” sei. Zugleich sei es aber den Einsatzkräften gelungen, “diesen irren Brand” zu begrenzen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte den mehr als 500 Einsatzkräften, die das Feuer am Dienstag bis in die Nacht bekämpft hatten. Sie hätten “Schlimmeres verhindert und dabei Schwerstarbeit geleistet”, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer vor Journalisten in Berlin. “Die Bundeskanzlerin wünscht allen Verletzten schnelle Genesung.”

Zur genauen Zahl der Verletzten machten die Behörden leicht unterschiedliche Angaben: Die Stadt Siegburg berichtete von 32 Verletzten, von denen 23 im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Polizei in Siegburg sprach von 27 Verletzten, darunter drei Menschen mit schweren Verletzungen. Ein Teil der Betroffenen erlitt demnach einen Schock oder klagte über Kreislaufprobleme.

Von: APA/dpa

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