Der Aufprall muss heftig gewesen sein

Ursache von Flugzeugabsturz bei Moskau weiterhin unklar

Montag, 12. Februar 2018 | 13:35 Uhr

Unter widrigen Wetterbedingungen sind am Montag die Untersuchungen zu dem Flugzeugabsturz mit 71 Toten nahe Moskau fortgesetzt worden. Eine hohe Schneeschicht am Unglücksort erschwert die Arbeit der Ermittler. Trotzdem konnten die Flugschreiber gefunden werden. Einer ist zwar beschädigt, die Daten können aber ausgewertet werden. Nähere Informationen zur Unfallursache waren bisher nicht bekannt.

Heftiger Schneefall behinderte die Untersuchungen zu dem Flugzeugabsturz bei Moskau. Die Bergungsarbeiten sollen dennoch in den kommenden sieben Tagen weitgehend abgeschlossen sein, wie Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow an der Absturzstelle sagte. Die hohe Schneedecke erschwerte die Arbeit der Ermittler erheblich.

Das russische Ermittlungskomitee nannte menschliches Versagen, schlechtes Wetter, einen technischen Defekt oder eine Missachtung der Sicherheitsbestimmungen als mögliche Unglücksursachen. Die Möglichkeit eines Terroranschlags erwähnte es nicht. Rund hundert Ermittler untersuchten die Absturzstelle nach möglichen Hinweisen. Russland verzeichnete zuvor tagelange Rekordschneefälle, und zum Unglückszeitpunkt soll schlechte Sicht geherrscht haben.

Rund 900 Einsatzkräfte waren am Montag am Absturzort, der nur zu Fuß oder per Schneemobil erreichbar war. Teilweise mussten sie sich durch hüfthohen Schnee kämpfen. Die Trümmerteile waren im Umkreis von 30 Hektar verteilt. Video-Drohnen wurden eingesetzt, um die Suche bei Eis und Schnee mit Aufnahmen der Absturzstelle zu unterstützen. Zudem sollten die Suchtrupps mit Schneemobilen ausgerüstet werden. Bisher fanden sie rund 400 Leichenteile auf einer Fläche von zwölf Hektar Land.

Die Passagiermaschine der Fluggesellschaft Saratow war am Sonntag wenige Minuten nach dem Start vom Moskauer Flughafen Domodedowo auf dem Weg in die Uralstadt Orsk vom Radar verschwunden. Augenzeugen zufolge war sie in der Luft in Flammen aufgegangen. Die Antonow An-148 stürzte im Bezirk Ramenski unweit des Orts Stepanowskoje ab, rund 70 Kilometer südöstlich von Moskau. Alle 71 Insassen – 65 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder – kamen ums Leben.

Der Aufprall muss heftig gewesen sein. Das Staatsfernsehen zeigte wackelige Bilder von kleinen und großen Trümmerteilen. Sie lagen über weite Strecken im tiefen Schnee auf einer Ebene verteilt. Die Umgebung sei unbewohnt, hieß es. “Das Flugzeug muss aus großer Höhe abgestürzt sein”, kommentierte ein Nachrichtensprecher die Bilder, die der Sender zugespielt bekommen hatte.

Das Schweizer Außenministerium bestätigte inzwischen, dass sich ein Schweizer unter den Passagieren befand. Der Ingenieur war auf dem Weg nach Orsk, um an der Einweihung einer neuen Anlage der örtlichen Raffinerie teilzunehmen, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Unter den Opfern waren laut der Passagierliste auch ein Aserbaidschaner sowie drei Kinder. Die meisten Passagiere stammten aus dem Bezirk Orenburg, in dem Orsk liegt. Das Gebiet Orenburg setzte am Montag einen Trauertag an.

Aus der Fluggesellschaft Saratow Airlines verlautete, die Maschine sei vor dem Start überprüft worden, es habe keine Unregelmäßigkeiten gegeben. Das Flugzeug habe erst im Jänner einen sogenannten C-Check durchlaufen, bei dem Triebwerke und Struktur der Maschine in einem langwierigen, etwa zweiwöchigen Verfahren besonders genau überprüft werden.

Bei der An-148 des ukrainischen Herstellers Antonow handelt es sich um ein zweimotoriges Kurzstreckenflugzeug mit einer Kapazität von bis zu 85 Passagieren. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2004 wurden mindestens fünf bedenkliche Vorfälle mit dem Fahrwerk, dem Stromsystem und dem Leitsystem bekannt. Das Flugzeug soll nach Angaben der Airline erst im Jänner durchgecheckt worden sein. Auch bei einer Überprüfung kurz vor dem Start seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Die Airline gab dennoch am Montag bekannt, die Maschinen des Typs vorerst nicht einzusetzen.

Russlands Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er wies die Regierung an, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Es sei jedoch noch zu früh, um über die genauen Gründe des Absturzes zu diskutieren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Von: APA/dpa/ag.

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