Rund eine halbe Million Impfdosen machen den Anfang

Verschärfung des Lockdowns in Großbritannien wahrscheinlich

Sonntag, 03. Januar 2021 | 15:09 Uhr

Um die rasche Ausbreitung des Coronavirus in Großbritannien zu verhindern, rückt eine Verschärfung des Lockdowns näher. In einigen Landesteilen müssten wahrscheinlich härtere Maßnahmen ergriffen werden, sagte Premierminister Boris Johnson am Sonntag der BBC. Einzelheiten nannte er nicht. “Vor uns liegt eine harte Zeit”, sagte der Konservative. Er rechne aber mit einer Verbesserung im Frühling.

In Großbritannien grassiert eine Mutation des Coronavirus, die als deutlich ansteckender gilt. Die Infektionszahlen sind auf einem Rekordhoch und nehmen weiter zu. Allein am Samstag meldeten die Behörden 57.725 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Insgesamt wurden rund 2,6 Millionen Infektions- und über 74.000 Todesfälle verzeichnet.

In weiten Teilen des Königreiches gilt bereits die höchste der vier Stufen der Beschränkung des öffentlichen Lebens. Auf die Frage, ob dies möglicherweise nicht genügt, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen, sagte Johnson, es könne leider sein, dass die Beschränkungen verschärft werden müssten. “Es gibt offensichtlich eine Reihe härterer Maßnahmen, die wir erwägen müssen. … Ich werde jetzt nicht darüber spekulieren, wie diese aussehen könnten.” Johnson bestimmt die Corona-Maßnahmen in England, während in Wales, Schottland und Nordirland die dortigen Regierungen verantwortlich sind.

Johnson zufolge werden am Montag die ersten 530.000 Dosen des jüngst zugelassenen Astrazeneca-Impfstoffes bereitgestellt. Das Vakzin von Biontech wird bereits seit einiger Zeit angewandt. Er hoffe, dass in den ersten drei Monaten zig Millionen Menschen geimpft werde könnten, sagte Johnson.

Zugleich forderte der Premierminister die Eltern auf, ihre Kinder nach den Weihnachtsferien ab Montag wieder zum Unterricht zu schicken, sofern dies die örtlichen Behörden erlauben. “Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Schulen sicher sind und dass Bildung Vorrang hat.” Über den Umgang mit dem Unterricht in den Schulen ist ein Streit entbrannt. So warnen Gewerkschaften und etliche örtliche Behörden vor einer Wiederöffnung der Schulen und drohen damit, sich der Anordnung der Regierung zu widersetzen. Andere argumentieren, dass auch die Schließung der Schulen negative Auswirkungen für die Schüler und Schülerinnen haben könnte.

In Großbritannien bereiten sich Krankenhäuser und Arztpraxen auf den Impfstart mit dem heimischen Präparat der Universität Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca vor. Die Impfungen sollen ab Montag anlaufen, wie der staatliche Gesundheitsdienst NHS mitteilte. Zu den 700 bereits aktiven Impfstellen sollten Hunderte weitere Krankenhäuser und Praxen im Laufe der kommenden Woche hinzukommen. Die Impfrate soll durch einen späteren zweiten Impftermin erhöht werden.

Zunächst stehen dem Land gut eine halbe Million Impfdosen des Oxford/AstraZeneca-Mittels zur Verfügung. Am Wochenende kamen die ersten Lieferungen bei den Einsatzorten an. NHS-Chef Simon Stevens bezeichnete den Schritt als “Meilenstein im Kampf der Menschheit gegen das Coronavirus”. Anders als der Pfizer/Biontech-Impfstoff kann das britische Vakzin bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden, was Transport und Lagerung erleichtert.

Wie in den meisten Ländern werden auch in Großbritannien zunächst die ältesten Bürger sowie Mitarbeiter von Pflegeheimen oder medizinischen Berufen geimpft. Mit einer neuen Strategie will das Land die Zahl derjenigen, die zumindest eine erste Corona-Impfung erhalten, deutlich erhöhen: So soll der zweite Impftermin nicht – wie ursprünglich geplant – drei Wochen nach dem ersten stattfinden, sondern erst zwölf Wochen später. Dadurch sollen mehr Risikopatienten früher einen Schutz erhalten.

Von: APA/dpa