Erfolg für Biontech

Vertrag zu Biontech-Coronaimpfstoff fertig ausgehandelt

Dienstag, 10. November 2020 | 15:53 Uhr

Die EU-Kommission hat einen Vertrag zur Lieferung des vielversprechenden Impfstoffs der Pharmafirmen Biontech und Pfizer fertig ausgehandelt. “Die Verhandlungen mit der Pharmaindustrie sind abgeschlossen”, bestätigten Kommissionskreise am Dienstag in Brüssel. Alle 27 EU-Länder haben gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden, was für Österreich etwa zwei Prozent der verfügbaren Dosen ausmachen würde.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) strebt eine Impfquote von mehr als 50 Prozent an, wenn es den Impfstoff gibt. “Wir schaffen daher im Rahmen des EU-Beschaffungsvorgangs gerade die Voraussetzung dafür und werden für acht Millionen Menschen eine ausreichende Menge an Impfstoff bereitstellen. Alle in Österreich lebenden Personen sollen sich auf freiwilliger Basis impfen lassen können”, meinte er.

Biontech und Pfizer hatten am Montag bekanntgegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Eine Zulassung zunächst in den USA soll frühestens kommende Woche beantragt werden.

Die EU-Kommission verhandelt seit Monaten mit den beiden Unternehmen. Nach Vorgesprächen hatte die Behörde schon im September erklärt, sie wolle bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen der Hersteller beziehen. Ein Rahmenvertrag war aber noch nicht zustande gekommen – anders als bei drei anderen Impfstoffherstellern.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet einen zügigen Zulassungsprozess. So würden nicht wie üblich erst alle Daten gesammelt und dann nach Ende der Zulassungsstudie bei den Behörden eingereicht. Diesmal laufe das in direktem Austausch. Sowohl eine Zulassung in den USA als auch eine in Europa würden sehr zügig geschehen. Spahn versicherte: “Die Anforderungen, die wir stellen (…), sind nicht irgendwie abgesenkt oder geändert.”

Deutschland als attraktiver Pharmamarkt hätte wie andere große EU-Staaten mit den Unternehmen auch alleine einen Vertrag schließen können, sagte Spahn. Doch mit Frankreich, Italien und den Niederlanden habe man sehr stark dafür geworben, dass dies die Kommission für alle EU-Staaten macht. Denn sonst hätten kleinere Staaten das Nachsehen gehabt. “Das ist manchmal etwas mühsamer, aber am Ende, wenn wir zusammenstehen, sind wir zusammen stärker.” Als deutscher Gesundheitsminister könnte er der Bevölkerung nicht erklären, wenn andere Länder einen in Deutschland entwickelten Impfstoff früher erhielten, betonte Spahn zugleich erneut.

CSU-Europapolitiker Manfred Weber sagte: “Die Verträge müssen fachlich, sachlich, rechtlich ordentlich abgeschlossen werden.” Es habe am Schluss noch Diskussion darüber gegeben, dass Pfizer auch das Haftungsrecht Europas zu respektieren habe. Europa habe mit einer Stimme gesprochen, gegenüber dem US-Konzern Pfizer habe man so stärker auftreten können.

NGOs wie Amnesty International (ai) und World Vision mahnten unterdessen die Verfügbarkeit des Impfstoffes auch für Länder mit geringeren finanziellen Möglichkeiten ein. Tamaryn Nelson, Researcherin bei ai, sagte: “Es sind gute Neuigkeiten, dass sich der Impfstoff von Pfizer-BioNTech als wirksam gegen COVID-19 erweist. Es ist jedoch beunruhigend, dass Pfizer-BioNTech bereits mit reichen Ländern Verträge über mehr als eine Milliarde Dosen des Impfstoffs abgeschlossen hat, so dass weniger als ein Viertel seines prognostizierten Angebots für den Rest der Welt übrig bleibt.” Die Gewinne der Pharmaunternehmen dürften nicht über die Gesundheit von Milliarden von Menschen gestellt werden.

“Pfizer-BioNTech muss dringend klären, wie der Zugang zu Impfstoffen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen maximiert werden kann, um Leben zu retten”, forderte Nelson. “Das Unternehmen sollte die Impfstofftechnologie auch über den Technologiezugangspool Covid-19 der WHO mit anderen Herstellern teilen, damit die Milliarden von Impfstoffen, die benötigt werden, so schnell und kostengünstig wie möglich hergestellt werden können.”

Auch World Vision forderte die gerechte Verteilung der Impfstoffe. Besonders gefährdete Menschen wie Bewohner von überfüllten Flüchtlingslagern und städtischen Elendsvierteln sollten zuerst geimpft werden, hieß es von der Hilfsorganisation.

BionTech will seinen Corona-Impfstoff jedenfalls unterhalb der üblichen Marktpreise verkaufen. Der Preis des Impfstoffs werde dennoch die finanziellen Risiken widerspiegeln, die seine privaten Investoren eingegangen seien, sagte BioNTech-Strategiechef Ryan Richardson am Dienstag.

“Wir haben versucht, einen ausgewogenen Ansatz zu verfolgen, der anerkennt, dass Innovation Kapital und Investitionen erfordert”, ergänzte Richardson. Der Impfstoff solle deutlich unter den typischen Marktpreisen bewertet werden, “die die Situation widerspiegeln, in der wir uns befinden, und mit dem Ziel, einen breiten Zugang weltweit zu gewährleisten.” In den Ländern werde es voraussichtlich verschiedene Preise geben, ergänzte Richardson, ohne weitere Details zu nennen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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22 Kommentare auf "Vertrag zu Biontech-Coronaimpfstoff fertig ausgehandelt"


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Mac
Mac
Tratscher
20 Tage 5 h

Schlage vor das wir unsere Politiker zuerst impfen lassen

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
20 Tage 4 h

@Mac…die werden auch bei den Allerersten sein, die geimpft werden. Habe heute in den Nachrichten gehört, dass Ärzte*, ärztliches Personal, Kranken- und Altenpfleger*, Lehrer*, Kindergärtner*, Personen in Politik und systemrelevanten Berufen, die nicht ohne Weiteres ersetzt werde können und Angehörige der Hochrisikogruppen zuerst freiwillig !! geimpft werden.

bubbles
bubbles
Superredner
20 Tage 3 h

@Ars Vivendi
Und wenn keiner mitmacht?

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
20 Tage 2 h

@bubbles. ich lasse mich impfen, alles Weitere wird man sehen. Weiß von meinem Hausarzt, dass bereits eine lange Liste von Interessenten da ist. Deine Frage passt zu Denen, die gegen FREIWILLIGES Impfen sind aber im selben Atemzug die Sanität kritisieren.

Eric73
Eric73
Grünschnabel
20 Tage 1 h

@bubbles

In den aufgezählten Berufen sind ja Menschen mit gewisser Bildung tätig. Die werden sich impfen lassen.

bubbles
bubbles
Superredner
20 Tage 58 Min

@Eric73
Ihr lebt tatsächlich in einer anderen Dimension

giovanocci
giovanocci
Grünschnabel
19 Tage 23 h

@Ars Vivendi das schaue ich mir an, sollte es überhaupt eine Offenlegung der Daten geben …

falschauer
19 Tage 20 h

@bubbles dass einige dumm sind ist evident, alle jedoch als solche abzutun scheint mir übertrieben

falschauer
19 Tage 20 h

@bubbles …zum glück leben nicht alle in derselben dimension, das wäre der untergang des homo sapiens

Faktenchecker
19 Tage 12 h

Ars.. verwechselt Deutschland mit Italien…

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
19 Tage 10 h

@giovanocci.. was vermutest du ? Fälschung, Vertuschung oä. ? Machst du deine freiwillige !! Impfung von irgendwelchen Zahlen abhängig ? Würde Alle so reagieren, käme es zu keiner Impfung, da niemand beginnen würde

tobias.peter
tobias.peter
Grünschnabel
20 Tage 3 h

Ich würde die vielversprechenden Botschaften zu diesem Impfstoff mit Vorsicht genießen, denn bis dato sind sie der Pressemitteilung der Pharmafirma entnommen.
Normalerweise wartet man wissenschaftliche Studien zu einem neuen Impfstoff ab, bis man ihn unter die Menschen bringt.
Frage: geht es hier um Gesundheit oder um ein Riesengeschäft??

kleinerMann
kleinerMann
Superredner
20 Tage 4 h

Yesssss . . . habe im Sommer 50 Aktien von BionTech á 60$ gekauft, und jezt sind sie endlich das doppelte wert !! Cool . . .

Storch24
Storch24
Kinig
20 Tage 6 h

Wenn Italien beim planen der Mengen hier genauso gut ist, wie beim Grippeimpfstoff, bekommt eh nur ein Drittel der Bevölkerung (freiwillige) eine Impfung

falschauer
19 Tage 20 h

was dir sicher nicht bekannt ist, ist dass der grippeimpstoff im herbst des vorjahres bestellt werden muss und damals was sars cov2 noch kein thema, folglich waren die bestellten mengen nicht ausreichend….ganz nebenbei bemerkt haben deutschland, österreich und andere europäische länder dasselbe problem

Faktenchecker
19 Tage 12 h

In Deutschland ist noch Grippeimpfstoff vorhanden.

z.B. in Köln Bis zum 07.12. bietet das Gesundheitsamt die Grippeschutzimpfung immer montags für alle an.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
19 Tage 10 h

@falschauer…Deutschland hat sich 100 Millionen Impfungen gesichert. Das würde geschätzt bis zu 60-70 Millionen Impfungen ergeben, da bei bestimmten Vorerkrankungen zweimal geimpft werden muss.

planB
planB
Grünschnabel
20 Tage 5 h

Im Artikel geht etwas unter daß für die Kosten von eventuellen Impfschäden die Staaten aufkommen müssen, Zitat Vorstand Astrazeneca: „In all unseren vertraglichen Vereinbarungen haben wir uns das Recht
auf Immunität ausbedungen. Aus Sicht der meisten Länder ist es
akzeptabel, wenn sie selbst dieses Risiko übernehmen, weil die
Entwicklung eines Impfstoffs in deren nationalem Interesse ist. Es
handelt sich um eine einzigartige Situation, in der wir als Unternehmen
ein solches Risiko einfach nicht eingehen können – vor allem dann nicht,
wenn ein Impfstoff über Jahre Nebenwirkungen zur Folge haben sollte.“

Reitiatz
Reitiatz
Superredner
20 Tage 4 h

nor he gach deis zuig 🤭

Look_at_Yourself
19 Tage 13 h

Wie ich an den Kommentaren sehe, ist man in Südtirol im bedenketragen mindestens genau so gut wie in Deutschland.

Ich werde mich impfen lassen, sobald ich an einen Impfstoff komme.
Was andere für Probleme mit einer Impfung haben, ist mir Conchita.

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