Verfahren nach mehreren Monaten Laufzeit beendet

Vier bedingte Haftstrafen nach Explosion in NÖ Erdgasstation

Mittwoch, 18. Mai 2022 | 12:42 Uhr

Fast viereinhalb Jahre nach der Explosion in der Erdgasstation Baumgarten (Bezirk Gänserndorf) mit einem Toten und 22 Verletzten hat der dazugehörige Prozess am Mittwoch in Korneuburg ein Ende gefunden. Nach 18 Verhandlungstagen setzte es für vier Personen bedingte Haftstrafen von jeweils zehn Monaten. Einem Unternehmen wurde nach dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz eine bedingte Geldbuße von 125.000 Euro auferlegt. Die Entscheidungen sind nicht rechtskräftig.

Acht der zwölf angeklagten Personen wurden vom Vorwurf der fahrlässigen Herbeiführung einer Feuersbrunst freigesprochen. Ebenfalls keine Schuldsprüche gab es für drei weitere Unternehmen, die sich nach dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz verantworten hatten müssen.

Die Explosion in der Erdgasstation hatte sich am 12. Dezember 2017 ereignet und Schaden von rund 50 Millionen Euro angerichtet. Im Zentrum der Causa stand ein Filterseparator. Mitarbeiter einer Rohrtechnik-Firma sollen das Gerät, das Feuchtigkeit aus Gasleitungen filtert, 2016 in einer Anlage in Kärnten abgebaut haben. Dabei ist laut Staatsanwaltschaft ein sicherheitsrelevanter Bauteil – ein Sicherungszentralhebel – unsachgemäß demontiert worden. 2017 wurde der Filterseparator bei der Anlagenerweiterung in der Station der Gas Connect Austria (GCA) installiert.

Als das Gerät am 12. Dezember 2017 mit Erdgas gefüllt wurde, riss der 500 Kilogramm schwere Deckel ab und wurde auf einen gegenüberliegenden Filterseparator geschleudert, dessen Verschluss ebenfalls aufging. Unter hohem Druck trat Gas aus, es kam zu einer Explosion.

Laut Staatsanwalt galt als Ursache neben dem fehlenden Sicherungszentralhebel u.a. auch eine nicht plankonform befestigte Zentralschraube und eine unzulässig aufgeschraubte Druckkappe am Schnellverschluss. Bei der Explosion wurde ein 32-jähriger TÜV-Techniker getötet.

Bei den Schuldsprüchen gegen die vier Personen im Rahmen der Strafbemessung als erschwerend gewertet wurden laut der Richterin die große Anzahl der Verletzten und der entstandene hohe Sachschaden. Mildernd wirkten sich demnach der ordentliche Lebenswandel der Beschuldigten sowie ihr Wohlverhalten seit der Tat aus. Weiters ins Treffen geführt wurde auch die lange Verfahrensdauer.

Nicht rechtskräftig mit bedingten Haftstrafen von zehn Monaten wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst belegt wurden vier Mitarbeiter der Firma Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik GmbH. Es handelte sich um einen Projektleiter, einen Werkstättenleiter, einen Chef über die Qualitätssicherung sowie einen Bauleiter. Das Quartett habe vertragliche Pflichten intern nicht ausreichend kommuniziert und bzw. deren Umsetzung mangelhaft kontrolliert. Eine Prüfung des Filterseparators sei nicht durchgeführt worden. Den Privatbeteiligten wurden die Begräbniskosten, der geltend gemachte und nachgewiesene Selbstbehalt von Versicherungen, ein symbolisches Schmerzengeld hinsichtlich dreier Verletzter von jeweils 600 Euro sowie der Ersatz für ein beschädigtes Fahrzeug zugesprochen.

Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik GmbH ist auch jene Firma, die mit einer bedingten Geldbuße von 25 Tagessätzen zu 5.000 Euro belegt wurde. Die drei weiteren Unternehmen – GCA, TÜV sowie ein Ingenieursbüro – wurden freigesprochen. Bei Bilfinger ortete die Richterin Leistungs-, Überwachungs- und Kontrollpflichtverletzungen. Erschwerend gewertet worden sei auch die große Gefährdungsintensität, mildernd sei u.a. die Einführung eines Vier-Augen-Prinzips zur Verhinderung ähnlicher Vorfälle gewesen.

Von: apa

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