Hierzulande kam man mit "blauem Auge" davon

Vier Unternehmen in Österreich von Cyber-Attacke betroffen

Montag, 15. Mai 2017 | 21:10 Uhr

Nach der globalen Cyber-Attacke hat die europäische Polizeibehörde Europol am Montag vorsichtig Entwarnung gegeben. Es habe in Europa keine neuen infizierten Computer gegeben, sagte ein Sprecher in Den Haag. Österreich ist mit einem blauen Auge davon gekommen. Vier Unternehmen – zwei Tankstellen, ein Hotel und ein Technologie-Unternehmen – waren betroffen, berichtete das Bundeskriminalamt.

Großbritannien, wo die Kriminellen mehrere Krankenhäuser teilweise lahmgelegt hatten, blieb am Montag von einer zweiten Attacke verschont. Europol hatte vor einem Chaos zum Wochenbeginn gewarnt, wenn viele Nutzer nach zwei freien Tagen ihren Computer wieder einschalteten. “Dazu kam es zum Glück nicht,” sagte der Sprecher. Allerdings blieb weiterhin unklar, wer hinter dem weltweiten Angriff steht. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Die Erpressungssoftware “WannaCry” hatte am Freitag nach Angaben von Europol mindestens 150 Länder sowie 200.000 Organisationen und Personen getroffen. In China waren es 30.000 Opfer – rund 200.000 Computer wurden dort attackiert. Mehr als 20.000 Tankstellen des chinesischen Öl-Giganten CNPC gingen demnach offline.

Der chinesische Ölriese China National Petroleum Corporation (CNPC) unterbrach die Verbindungen zu seinen Tankstellen. Die Kunden konnten nicht mehr mit Kreditkarten oder Online-Bezahldiensten wie Alipay bezahlen. Bis Sonntagmittag waren noch 20 Prozent aller Tankstellen offline. Nach Angaben von Experten sind besonders Computer mit dem alten Betriebssystem Windows XP verletzlich, weil keine Sicherheitsupdates mehr dafür geliefert werden. Jeder fünfte Computer in China läuft nach Schätzungen noch auf Windows XP. Am Wochenende hatte Microsoft wegen der aktuellen Gefahr noch einmal ein Update für XP und zwei weitere Versionen zum Schutz der Systeme aufgelegt.

Ein britischer IT-Forscher, der anonym bleiben möchte, hatte die globalen Angriffe am Wochenende durch einen glücklichen Zufall gestoppt. Der 22-Jährige, der als Held gefeiert wurde, widersprach in seinem Blog “MalwareTech” britischen Medienberichten, wonach er nun um sein Leben fürchten müsse. Nach Angaben der Zeitung “Telegraph” arbeitet der junge Mann jetzt mit dem britischen Geheimdienst zusammen, um weitere Attacken abzuwehren.

Die Erpressungssoftware “WannaCry” hatte auf den infizierten Rechnern alle Daten verschlüsselt. Sie sollten erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder entsperrt werden. Europol warnte davor, auf die Forderungen einzugehen, da es keine Garantie auf die Freigabe der Daten gebe. Nur wenige Opfer hätten bezahlt. Derweil soll sich die Lösegeldforderung von vormals 300 US-Dollar (276 Euro) am Montag auf 600 US-Dollar verdoppelt haben.

Die Computer wurden von sogenannten Erpressungstrojanern befallen, die die Daten verschlüsseln. Anschließend forderten die Angreifer Lösegeld für das Entschlüsseln. Dabei wurde Experten zufolge eine Sicherheitslücke ausgenutzt, die ursprünglich vom US-Abhördienst NSA entdeckt worden war, aber vor einigen Monaten von Hackern öffentlich gemacht wurde. Microsoft hatte zwar bereits im März ein Patch zum Schließen der Sicherheitslücke veröffentlicht, doch das war auf den betroffenen Computern nicht installiert worden.

Das staatliche chinesische Computer-Krisenzentrum konnte zunächst nur 18.000 mit Sicherheit infizierte IP-Adressen in China feststellen. Weitere 5.471 Adressen in Peking, Shanghai und Küstenprovinzen wie Guangdong oder Zhejiang seien wahrscheinlich angesteckt. Über die anderen Regionen in China gab es keine Angaben. “Intranets in vielen Industrien und Unternehmen, einschließlich Banken, Bildung, Elektrizität, Gesundheitswesen und Transport, sind in unterschiedlichem Ausmaß betroffen”, hieß es.

Von den Cyber-Attacken auf Computer in aller Welt waren keine Systeme der US-Bundesregierung betroffen. Das sagte der Berater im US-Heimatschutzministerium, Tom Bossert, am Montag in Washington. Über das Wochenende habe sich die Geschwindigkeit der Angriffe verlangsamt. Insgesamt seien weniger als 70.000 US-Dollar (64.361,90 Euro) Lösegeld bezahlt worden. Es gebe noch keine Spur zu den Tätern, sagte Bossert.

In Japan meldete der Technologiekonzern Hitachi am Montag, dass es in Folge der Cyber-Attacke Probleme mit dem Senden und Empfangen von E-Mails und dem Öffnen von Anhängen gab. Welche Computer in Japan und im Ausland genau betroffen seien, werde noch untersucht. Teile der angegriffenen Systeme seien inzwischen wiederhergestellt.

Indonesien rief seine Behörden und Unternehmen zu verstärkten Anstrengungen beim Schutz von Computern auf. “Angesichts dieses weltweiten Angriffs muss jetzt schnell gehandelt werden”, sagte der Minister für Kommunikation und Informationstechnologie. In Jakarta waren zwei Krankenhäuser betroffen.

In Thailand hatte der Angriff nach offiziellen Angaben keine größeren Auswirkungen. Allerdings waren in der Hauptstadt Bangkok mehrere großformatige digitale Anzeigetafeln gestört. Statt der Werbung, die dort eigentlich zu sehen sein sollte, flimmerten andere Mitteilungen über die Tafeln.

Von: APA/ag.