Untersuchungen zu Vorerkrankungen laufen

Viertes Coronavirus-Todesopfer, mehr als 1.300 Infektionen

Dienstag, 17. März 2020 | 20:38 Uhr

Die Coronavirus-Pandemie hat ein viertes Todesopfer in Österreich gefordert. Bereits in der Nacht auf Sonntag ist eine erst 48-jährige Patientin in Heimquarantäne in Wien gestorben, wie erst am Dienstag bekannt wurde. Bis Dienstagnachmittag wurden laut Gesundheitsministerium mehr als 1.300 bestätigte Fälle registriert. Zudem wurden immer mehr Fälle im Bereich des Krankenhauspersonals registriert.

Die Tote wurde Sonntagfrüh von Familienangehörigen aufgefunden, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien. Vermutet wurde, dass sie Vorerkrankungen hatte.

Unterdessen wurde bekannt, dass zwei Anästhesisten – eine Ärztin und ein Arzt – am Wiener AKH positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden sind. Die Betroffenen hätten am vorvergangenen Wochenende an einem Ärztekongress in Zürs am Arlberg teilgenommen und dürften sich dabei infiziert haben, hieß es. Insgesamt gelten nun 135 Personen als mögliche Verdachtsfälle. Laut Wiener Krankenanstaltenverbund handelt es sich um 85 Mediziner und 50 Pflegepersonen, bei denen eine Abklärung erfolgen muss. Sie hatten Kontakt zu den infizierten Ärzten.

In einem Wiener Pensionistenwohnheim traten drei weitere Fälle von Covid-19 auf. Die Betreuungseinrichtung Haus Hohe Warte hatte bereits ein Besuchsverbot in Kraft, seit vor einigen Tagen eine Mitarbeiterin positiv getestet worden war. Nunmehr steht fest, dass zwei betagte Bewohnerinnen und eine weitere Mitarbeiterin angesteckt sind, hieß es vom Krisenstab der Stadt zur APA.

Der Fall der zunächst infizierten Heimhelferin steht im Konnex zu einer schwangeren Patientin, die im Wiener Donauspital (SMZ Ost) bei ihrer Aufnahme keine Symptome gezeigt hatte, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien. Im zweitgrößten heimischen Spital waren Anfang vergangener Woche in diesem Zusammenhang acht Infektionsfälle bei Personal und Patientinnen aufgetreten.

Auch in Vorarlberg kam es zu Infektionen im medizinischen bzw. pflegerischen Bereich. Betroffen sind ein OP-Angestellter am LKH Bludenz sowie eine Pflegerin im Sozialzentrum Altach. In beiden Fällen mussten zahlreiche Kolleginnen und Kollegen der Infizierten von ihrer Arbeit abgezogen werden. Die Systeme blieben aber funktionsfähig, so die Verantwortlichen.

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus stieg in Österreich im Lauf des Dienstags auf 1.332 Fälle (Stand 15.00 Uhr) an, berichtete das Gesundheitsministerium.

Erwischt haben dürfte es indes auch den ersten Priester: Ein 54-jähriger Wiener Pfarrer wurde positiv getestet, teilte die Erzdiözese Wien am Dienstag mit. Er war am diözesanen Missionskolleg “Redemptoris Mater” in Ober St. Veit tätig. Da dort ein zweiter Krankheitsfall bestätigt wurde, wurde es unter Quarantäne gestellt.

Am Montag war in der Steiermark in einem Akutspital eine Patientin aus einem Hartberger Seniorenheim gestorben, die unter Vorerkrankungen litt. Damit gibt es bisher drei behördlich bestätigte, durch SARS-CoV-2 verursachte Todesfälle: In Wien starb in der vergangenen Woche ein 69-Jähriger, ebenfalls mit Vorerkrankungen, im Spital. Am Sonntag wurde der Tod eines 72-jährigen Wieners bekannt, der ein Coronavirus-Verdachtsfall gewesen war. Am Montag bestätigte sich, dass er ebenfalls dem Virus erlegen ist.

Die in der Corona-Krise dringend benötigten Schutzausrüstungen in den Spitälern dürften indes zusehends knapp werden. Das hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Thomas Szekeres, am Dienstagabend in “ORF Wien heute” eingeräumt. “Ein bisschen” an Vorrat an Schutzmasken und sonstigen Utensilien sei noch vorhanden, aber man brauche im Hinblick auf die weiter steigenden Infektionszahlen Nachschub.

Fünf Wiener Corona-Fälle gelten mittlerweile als wieder gesund. Zuletzt sind zwei deutsche Touristen als genesen aus der Quarantäne entlassen worden, die sich vor ihrer Reise in die Bundeshauptstadt bei einer Karnevalsveranstaltung in Deutschland mit SARS-CoV-2 angesteckt hatten. Nach zweiwöchiger Isolierung, großteils in ihrem Ferienapartment, sind sie nunmehr schon abgereist, sagte Huber.

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und Experten der TU-Graz analysieren unterdessen das Geschehen rund um die Covid-19-Erkrankungen in Österreich. Demnach ist der Bezirk Landeck in Tirol regionaler Spitzenreiter. Mehr Männer als Frauen sind betroffen, die meisten Patienten im mittleren Alter.

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) korrigierte am Dienstag in Wien die Zahl der sich im Ausland befindlichen Österreicher nach oben korrigiert. Am Montag hätten sich 30.000 Österreicher registriert. “Heute liegt die Zahl bei 47.000 Österreicher, die über den ganzen Globus verstreut sind”, sagte Schallenberg. Die Österreicher befänden sich in mehr als 100 Ländern. Der Außenminister versprach “alles menschenmögliche” zu unternehmen, um die Österreicher zurückzuholen und sprach von der “größten Rückholaktion in der Geschichte”.

Von: apa