Tiefgarage in Tel Aviv eingestürzt

Viertes Todesopfer nach Tiefgaragen-Einsturz geborgen

Dienstag, 06. September 2016 | 18:17 Uhr

Einen Tag nach dem Einsturz des Rohbaus einer Tiefgarage in Tel Aviv hat sich die Zahl der Toten auf mindestens vier erhöht. Rettungskräfte hätten eine weitere Leiche geborgen, teilte die Armee am Dienstag mit. Drei Menschen wurden noch vermisst. Nach Polizeiangaben suchten 500 Rettungskräfte der Polizei, der Armee und der Feuerwehr in den Trümmern nach weiteren Verschütteten.

“Es gibt keine zeitliche Begrenzung für die Suche”, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Die Suche konzentriere sich auf vier Stellen am Unglücksort. Die Rettungskräfte wendeten nach Angaben von Einsatzleiter Ramten Sebty ein neuartiges System an, mit dem Mobiltelefone in den Trümmern geortet werden können. Mindestens einer der verschütteten Arbeiter war auf diese Weise gefunden worden.

Mehr als 20 Menschen wurden bei dem Einsturz am Montag verletzt. Der Unglücksort glich einem riesigen Krater voll Schutt und Sand, aus dem Betonpfeiler und Metallstäbe ragten. Der Rohbau liegt im Nordosten der Küstenstadt Tel Aviv im Stadtviertel Ramat Hahajal, das zahlreiche Hightechfirmen beherbergt. “Wir werden niemanden im Stich lassen”, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montagabend bei einem Besuch am Unglücksort. “Wir werden zu allen vordringen.”

Die Ursache des Unglücks, bei dem augenscheinlich Zwischendecken in der vierstöckigen Tiefgarage einstürzten, war weiter unklar. Die israelische Nachrichtenseite “ynet” zitierte am Dienstag aus einem Interview mit dem Generaldirektor der zuständigen Baufirma von vor drei Jahren. Dieser habe damals erklärt, man habe für den Bau der Tiefgarage einen Architekten eingestellt und keinen Bauingenieur, um Kosten zu sparen. Arbeiter hatten sich nach Medienberichten schon zuvor über Sicherheitsmängel beim Bau der Tiefgarage beschwert.

Israel ist bekannt für mangelnde Baustellen-Sicherheit. Laut einem im Mai veröffentlichten Bericht des Arbeitsministeriums und der Nationalen Versicherungsanstalt sind Berufsunfälle von Bauarbeitern viel häufiger als im europäischen Durchschnitt. Zwischen 2000 und 2015 starben demnach 480 Menschen auf Baustellen.

Von: APA/ag.

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