Manche Staaten wollen angekündigte Lockerungen nicht umsetzen

Virologe Fauci sieht “ernstes Problem” in den USA

Freitag, 26. Juni 2020 | 20:51 Uhr

Der prominente US-Virologe und Präsidentenberater Anthony Fauci hat höchst besorgt auf den rapiden Anstieg von Corona-Infektionen in vielen Bundesstaaten reagiert. “Wir haben in bestimmten Gebieten ein ernstes Problem”, sagte Fauci am Freitag bei einer Pressekonferenz der Coronavirus-Taskforce der US-Regierung. “Wir können das nur gemeinsam durchstehen.”

Eine Reihe von Bundesstaaten verzeichnet derzeit die höchsten Ansteckungsraten seit Beginn der Coronakrise. Besonders betroffen sind Staaten im Süden des Landes wie Florida, Texas und Arizona, aber auch im Westen wie Kalifornien. Wegen des Emporschnellens der Infektionen ordnete Texas am Freitag eine Schließung von Bars an. Florida verbot den Ausschank von Alkohol in Bars.

Die Coronavirus-Taskforce hielt am Freitag erstmals seit zwei Monaten wieder eine Pressekonferenz ab. Dabei war US-Vizepräsident Mike Pence bemüht, die Entwicklung in einem möglichst positiven Licht darzustellen. “Wir haben wirklich bemerkenswerte Fortschritte gemacht”, sagte er mit Blick darauf, dass zwar die Zahl der bestätigten Neuinfektionen steige, nicht aber jene der Todesopfer. Die steigende Zahl der Coronafälle führte Pence wie zuvor US-Präsident Donald Trump auf eine Ausweitung von Tests zurück.

Mit rund 40.000 gemeldeten Fällen hatte die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA am Donnerstag einen neuen Höchststand erreicht. Pence – der der Taskforce vorsteht – sagte: “Wir haben mehr als 126.000 unserer Landsleute an die Krankheit verloren.” Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Pence sagte, Ziel sei, “Leben zu schützen und sicher wieder zu öffnen”. Alle 50 US-Bundesstaaten hätten Maßnahmen zur Wiedereröffnung getroffen. Pence rief die Einwohner der USA dazu auf, weiterhin den Richtlinien zum Schutz vor einer Ausbreitung des Virus zu folgen. Der Vizepräsident bat sie auch, darum zu beten.

Pence betonte, mit den bisher getroffenen Maßnahmen habe man eine “solide Grundlage für alle Herausforderungen geschaffen, die in den kommenden Tagen oder Monaten auf uns zukommen könnten”. Er räumte aber auch ein: “Wir haben noch Arbeit vor uns.”

Kritiker werfen US-Präsident Trump vor, der Krise nicht mehr die notwendige Beachtung beizumessen. Der Präsident drängt schon seit Wochen auf eine rasche Rückkehr zur Normalität, um im Wahljahr 2020 die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Die Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass bisher wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Infektionen erfasst wurde. “Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen”, sagte CDC-Direktor Robert Redfield. Die meisten Experten machen in erster Linie die von Trump vorangetriebene Lockerung von Corona-Beschränkungen in den Bundesstaaten für die steigenden Fallzahlen verantwortlich.

Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, kritisierte die Regierung für ihren Umgang mit der Corona-Krise. Der Widerstand gegen die Wissenschaft, das “Leugnen” und die verspätete Reaktion auf die Pandemie habe zu Todesfällen geführt, sagte Pelosi am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Am Freitag sagte Trump kurzfristig einen Wochenendausflug zu seinem Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey ab. Eine Begründung nannte das Weiße Haus zunächst nicht. New Jersey hatte vor wenigen Tagen gemeinsam mit den Bundesstaaten New York und Connecticut eine zweiwöchige Quarantäne für Besucher angeordnet, die eine besonders vom Coronavirus betroffene US-Region besucht haben. Dazu gehört auch Arizona, wo Trump in dieser Woche war.

Von: APA/ag.

Kommentare

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29 Kommentare auf "Virologe Fauci sieht “ernstes Problem” in den USA"


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Ninni
Ninni
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

Hoffe, auf dieser Erde, um einen erfolgreichen Impfstoff ….

Das darf nicht schlimmer werden.

elvira
elvira
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

konsch die jo lai als testperson zur verfügung stelln

inQuarantaene
inQuarantaene
Tratscher
1 Monat 16 Tage

konsch die jo lai als testperson zur verfügung stelln! 

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

“Slow the testing down”

joe02
joe02
Superredner
1 Monat 16 Tage

Gonz genau!! Wianiger testn = wianiger coronafälle!! Intelligente lösung Mr. President

Peter Gasser
Peter Gasser
Grünschnabel
1 Monat 16 Tage

falsch: die Anzahl der Tests hat nur Einfluss auf ERKANNTE Fälle. Wie kommt man zu der absolut falschen Aussage “Weniger testen – weniger Fälle”?
Die Anzahl der infizierten Menschen ist von der Anzahl der Tests völlig unabhängig. Das Virus schert sich nicht um die Anzahl der Tests.
Dass soviele bei einer absolut falschen Aussage den Daumen hochhalten…?

RAMMSTEIN
RAMMSTEIN
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

@Peter Gasser
Je mehr Tests desto mehr erkannte Fälle.
Natürlich sind effektiv immer gleichviel Leute infiziert egal wieviel man testet. Aber je mehr man testet desto mehr Fälle sind natürlich bekannt. Die bekannten Infiziertenzahlen steigen also. Ist ja logisch!
Je weniger man also testet desto weniger offiziell Infizierte hat man also.👌

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Peter Gasser
das wird Fauci schon seit Wochen beim Mr. President versuchen, anscheinend ohne Erfolg.
Aber eine Pandemie wegreden, nur weil der Wahlkampf jetzt für ihn das wichtigste ist, geht dann halt nicht. Tragisch, was dort passiert

Anglistikprofessor
1 Monat 15 Tage

Dr. Fauci ist nur Berater, er entscheidet gar nichts. Das ist immer noch Aufgabe der Regierung. Und dass es nicht nur in demokratischen Staaten Probleme gibt, zeigt dass die Staaten, die zur Zeit die höchsten Neuinfektionen haben (Texas, Arizona & Florida), allesamt von republikanischen Gouverneuren regiert werden, die alle für Trump früher aufgemacht haben.

inQuarantaene
inQuarantaene
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Mistermah@

Trump hat zumindest eine Teilschuld, so sehe ich das!

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

“Fauci hat komplett versagt”, dieser Satz sagt doch alles aus. Ein Experte, der jetzt laut Trump-Verteidiger der Doofe ist. Klar, der gewählte Volksvertreter ist der Arme.
Wie blind man durch seine politische Einstellung nur sein kann, ist wahrlich erschreckend. Aber das passt ja ins Trump-Muster: einfach jemand anderem die Schuld geben und die Welt ist wieder schön.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Superredner
1 Monat 13 Tage

Und was lernen wir jetzt aus dieser Erkenntnis?

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

ist schon hetzig. Mitten im Corona-Notatand haben sie demonstriert, in einigen Fällen auch randalliert und geplündert. Da braucht sich jetzt niemand wundern wenn sich das Virus mehr ausgebreitet hat.

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
1 Monat 16 Tage

@smith:
Demnach wären deiner Meinung also vor allem die Schwarzen schuld, oder? Die Europäer waren wohl alles Deppen mit dem Lockdown…

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 16 Tage

@ Grantelbart Es gab schon vorher Demos gegen die Notstandsverordnungen.

Die aktuellen Demos laufen noch nicht lang genug, um wirklich von Belang zu sein.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 15 Tage

@neumi
Ja gab es. Die waren zivilisiert und mit gebürenden Abstand. Man hat die Teilnehmer auf wenige Dutzend begrenzt. Großer Unterschied

Anglistikprofessor
1 Monat 15 Tage

@Mistermah
Oh my gosh! Wie kann man nur so viele Fehlinformationen unter einen einzigen Artikel packen? Lassen Sie mich Ihnen helfen:
Die Proteste gegen die “shelter in place”-Verordnungen waren alles andere als zivilisiert. Dort haben bis auf die Zähne Bewaffnete Zutritt zum Capitol verlangt und haben auch keinen Abstand eingehalten (nebenbei: “gebührend” mit “h” und einem “m” am Ende -> 3. Fall Akkusativ) und die Teilnehmerzahl wurde auch von niemandem begrenzt. Es waren eben nur die paar Idioten.
Ihre weiteren Fehlinformationen weiter unten, kann ich leider auch nicht schweigend so stehen lassen.

Ex-Urlauber
Ex-Urlauber
Neuling
1 Monat 15 Tage

Wie können sie es wagen, Einen Mistemah zu kritisieren.
Irgendwann stand hier mal
Mistermah – schreibt Mist der Mah

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

Das Problem hat einen Namen, und der heißt nicht Corona.

Peter Gasser
Peter Gasser
Grünschnabel
1 Monat 16 Tage

richtig:
der Name ist Covid-19

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

mista mäh

“Mittlerweile kommen immer mehr unfassbare Fehlentscheidungen des Lega-beherrschten Gesundheitswesens in der Lombardei ans Tageslicht. So beschloss dieses noch am 8. März, dass man “leicht erkrankte” Corona-Patienten in Senioren-Wohnheimen unterbringen sollte. Eine Covid-19-Bombe, in den Wohnstätten besonders Gefährdeter gezündet, erklärte Luca Degani, Leiter von 400 Seniorenresidenzen, der den Befehl der Lega-Regierung in der Lombardei umsetzen musste: “Wer sich dem widersetzt hätte, hätte die Förderung verloren, also hielten alle den Mund.””
https://www.n-tv.de/politik/Warum-das-Virus-die-Lombardei-so-befaellt-article21694914.html

nuisnix
nuisnix
Superredner
1 Monat 16 Tage

Oschpele, es erwischt so viele…
Warum eigentlich nie die Richtigen?

Um jeden Einzelnen ist es schade, aber bei Einigen würde sich der Verlust irgendwie in Grenzen halten…

elvira
elvira
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

mit den präsidenten werts amerika nit schoffn des durchzustian

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 15 Tage

Ja, zum Glück gibs diese Bewegung.

Anglistikprofessor
1 Monat 15 Tage

@Mistermah
Welche Bewegung?

Ex-Urlauber
Ex-Urlauber
Neuling
1 Monat 15 Tage

Die beste Bewegung ist die Frauenbewegung!

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 16 Tage

Einfach China und/oder Europa die Schuld geben, dann passt das schon.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 15 Tage

Nein Trump die Schuld geben ist einfacher und populistischer 👍

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Superredner
1 Monat 14 Tage

Es gibt tatsächlich ein (zwei) ernstes Problem in USA: President und Vicepresident.

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