Delikater Fall

Vorwurf der Kunstfälschung: Sgarbi sagt in Bozen als Zeuge aus

Donnerstag, 29. September 2022 | 10:52 Uhr

Bozen – Der umstrittene Kunstkritiker Vittorio Sgarbi wird sich in den kommenden Wochen in Bozen aufhalten. Am Bozner Landesgericht wird ein Fall von mutmaßlicher Kunstfälschung verhandelt. Fünf Gemälde, die dem kontroversen Nachkriegsmaler Gino De Dominicis zugeschrieben werden und die in Südtirol verkauft wurden, sollen nicht echt sein.

Fünf unterschiedliche Käufer haben die Bilder aus einer Kunstgalerie in Bozen erworben. Bislang haben sie sich noch nicht als Nebenkläger in das Verfahren eingelassen. Die Kunstgallerie, die von Anwalt Francesco Coran vertreten wird, sieht sich hingegen selbst als geschädigte Partei. Immerhin seien Bilder in gutem Glauben verkauft worden. Nun droht der Galerie ein Imageschaden.

Das Strafverfahren in Bozen ist nach einer Operation der Carabinieri im Jahr 2018 auf nationaler Ebene ins Rollen gekommen. Die römische Staatsanwaltschaft verlangte damals die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Vittorio Sgarbi. Dieser wurde im Zuge des Prozesses allerdings vollständig freigesprochen. In Bozen wird Sgarbi hingegen nur als einfacher Zeuge aussagen, berichtet die italienische Tageszeitung Alto Adige.

Auf der Anklagebank sitzt eine 57-jährige Kunsthändlerin und -expertin. Vor mehreren Jahren hatte die Frau eine Stiftung zur Archivierung der Werke des Malers ins Leben gerufen. Dabei geriet sie in einen offenen Konflikt mit einer ähnlichen Vereinigung, die nicht nur aus Experten, sondern auch aus den engsten Familienangehörigen des Malers bestand. Letztere sollen es gewesen sein, die den Carabinieri die Situation meldeten.

Die Angehörigen beanspruchten, als einzig öffentlich anerkanntes und ermächtigtes Archiv die Urheberrechte des Malers zu verwalten. Im Rahmen des Konflikts kam es zu mehreren Anzeigen und zur präventiven Beschlagnahme von 250 Gemälden mit einem geschätzten Wert von rund 30 Millionen Euro. Die Stiftung, die mit Vittorio Sgarbi in Verbindung steht, stufte die Bilder als echt ein, das offizielle Archiv sprach hingegen von Fälschungen.

Weil einige Bilder in Bozen verkauft wurden, hat sich der Rechtsstreit nun in Südtirols Landeshauptstadt verlagert. Der Kunsthändlerin wird vorgeworfen, gefälschte Gemälde auf den Markt gebracht und verkauft zu haben.

Am Bozner Landesgericht hat am Mittwoch Kunstexpertin Greta Tirloni ausgesagt. Sie ist davon überzeugt, dass die Bilder in der Tat nicht authentisch sind. Sie würden nicht die künstlerischen Merkmale des Malers aufweisen, der sich auch als Bildhauer, Philosoph und Architekt betrachtete. Sgarbi geht hingegen nach wie vor von der Echtheit der Bilder aus.

Ein Gemälde von Gino De Dominicis kostet im Schnitt um die 50.000 Euro. Zuletzt wurde ein Bild von ihm allerdings um 400.000 Euro versteigert.

Von: mk

Bezirk: Bozen