Der Cumbre Vieja spuckt Asche

Vulkanausbruch auf Kanaren schlägt Tausende in die Flucht

Montag, 20. September 2021 | 22:52 Uhr

Die Lava des Vulkans Cumbre Vieja auf La Palma hat nach Angaben der Regionalregierung viele Häuser auf der spanischen Kanareninsel zerstört. Die Lava habe etliche Wohnhäuser erfasst, sagte eine Sprecherin der Regionalregierung am Montag. Allein im Dorf El Paso wurden nach Angaben des Bürgermeisters mindestens 20 Häuser zerstört.

Der Vulkan war am Sonntag um 15.12 Uhr Ortszeit (16.12 Uhr MESZ) mit heftigen Explosionen zum Leben erwacht. Die Behörden riefen die Alarmstufe rot des Vulkannotfallplanes aus und begannen mit Evakuierungen. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez sagte eine geplante USA-Reise ab und traf am Sonntagabend auf La Palma ein. Er sicherte den Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe zu.

Die Feuerwehr musste immer wieder ausrücken, um Busch- und Waldbrände zu bekämpfen, die durch den Vulkanausbruch und am Rande der Lavaströme aufflammten. Einheiten der Polizei und des Militärs trafen am Montag zur Verstärkung auf der Insel ein.

Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Der Ausbruch sei bisher nicht sehr intensiv. Es wurde jedoch vor der schwarzen Asche aus dem Vulkan und vor eventuell gesundheitsschädlichen Gasen gewarnt. Die Menschen auf der Insel mit 83.000 Einwohnern sollten möglichst ihre Häuser nicht verlassen. Schaulustige wurden aufgefordert, die Gegend zu verlassen, um die Evakuierungen nicht zu behindern.

“Die Lava zerstört die Häuser wie Butter”, erzählt Celia im spanischen Fernsehsender RTVE. Die Frau in mittleren Jahren betrieb ein kleines Hotel auf der zu Spanien gehörenden Ferieninsel La Palma. Aber seit Sonntag spuckt ein Vulkan im Bereich der Cumbre Vieja Asche und Lava aus – und Celia hat kein Hotel mehr.

“Wenn die Lava ein Haus erreicht, ist in Sekunden nichts mehr übrig, nur noch eine schwarze Masse”, erzählt die sichtlich erschütterte Frau. Wie etwa 5.000 weitere Menschen in der Region im Süden der kleinen Kanareninsel musste sie vor dem Vulkanausbruch flüchten. Bei 500 von ihnen habe es sich um Touristen gehandelt. Unter den Betroffenen sind auch zwei Österreicher, die nun den Behörden an Ort und Stelle betreut werden, berichtete das Außenministerium der APA.

Aus acht verschiedenen Schloten schleudert der Vulkan Asche, Gesteinsbrocken und Lava in die Höhe. Vor allem nachts waren schaurig-schöne Bilder von Feuerfontänen zu sehen, die Hunderte Meter hoch in den Himmel schossen. Der Flugverkehr zu der Insel wurde aber zunächst nicht eingestellt.

Für Empörung sorgte am Montag Spaniens Tourismusministerin Maroto, die vorschlug, den Vulkanausbruch zur Touristenattraktion zu machen. Von dem “wunderbaren Naturspektakel”, welches La Palma “beschert” worden sei, könnten “zahlreiche Touristen profitieren”, sagte die sozialistische Politikerin im Radiosender Canal Sur. Insbesondere konservative Parteien kritisierten den Vorschlag scharf. Maroto sah sich gezwungen, ihre Äußerungen später abzuschwächen und erklärte: “Heute stehen wir an der Seite der Betroffenen, der Opfer”.

Die um die 1.000 Grad heiße Lava wälzt sich seit Sonntag wie ein riesiger Lindwurm langsam aber unaufhaltsam bergab in Richtung der Westküste der Insel – 700 Meter pro Stunde. Alles in ihrem Weg verbrennt: Bäume, Buschland, Bananenplantagen, Felder, Straßen, Stromleitungen und bisher auch schon Dutzende Häuser. In dem Ort Los Llanos de Aridane seien etwa 150 Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen worden.

Verletzt wurde zunächst niemand – denn die Insel vulkanischen Ursprungs, auf der es zuletzt 1971 einen Ausbruch gab, war vorbereitet. Tausende kleine Erdbeben während der vergangenen Tage waren für die Vulkanologen ein relativ sicherer Hinweis auf das, was kommen würde. Die Menschen wurden aufgefordert, leichtes Fluchtgepäck vorzubereiten, und erhielten Informationen, wo sie sich im Falle einer Evakuierung sammeln sollten. Ältere und Behinderte waren schon kurz vor dem Ausbruch in Sicherheit gebracht worden.

Insgesamt 17 bis 20 Millionen Kubikmeter Magma könnten sich unter dem Vulkan gestaut haben, berichtete RTVE unter Berufung auf den Regionalregierungschef der Kanaren, Ángel Víctor Torres. Vulkanologe Stavros Meletlidis warnte, die Natur sei unberechenbar. “Wir haben nur sehr simple Modelle von den extrem komplizierten Vorgängen unter unseren Füßen”, sagte er im Fernsehen. Wie lange der Ausbruch dauern könne? “Wir wissen es nicht. Es gibt Ausbrüche, die nach neun Tagen enden, und welche, die Jahre dauern.”

La Palma liegt ganz im Nordwesten der Kanaren, einer Inselgruppe im Atlantik vor der Westküste Afrikas. Sie ist 85 Kilometer von der nächstgelegenen größeren und auch bei deutschen Touristen sehr beliebten Insel Teneriffa und 57 Kilometer von La Gomera entfernt. Massentourismus wie auf den bekannteren Kanareninseln Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote gibt es auf La Palma nicht.

Von: APA/dpa/AFP

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5 Kommentare auf "Vulkanausbruch auf Kanaren schlägt Tausende in die Flucht"


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jochgeier
jochgeier
Superredner
1 Monat 4 Tage

es tut mir ja für die besitzer leid, aber sein haus im möglichen lavastrom zu bauen ist doch etwas riskant.
einige hier bauten auch in alten bachbetten und lavinen oder muren hängen, hoffe für alle dass die natur ihr recht nicht zurückfordert.

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
1 Monat 4 Tage

Alle was vorher an Ausländer verkauft haben sind aus dem Schneider. Bleibt zu klären wie ein “Bauamt” genehmigt in so einer Zone zu bauen.

Tigre.di.montana
1 Monat 4 Tage
Ich mache seit 1993 jedes Jahr 1-2× Urlaub auf der Insel und kann sagen dass die Bauaufsicht dort um Größenordnungen besser und gründlicher ist als in Südtirol. Punkt. Niemand weiß wann und wo ein Vulkan ausbricht. Im ländlichen Raum ist die Bebauung dort locker. In eine Landschaft die man “Malpaís” nennt kann man sehr wohl Ferienhäuser bauen. Niemand ist dort mit dem Leben bedroht, jeder hat ausreichend Zeit sein Haus zu verlassen. Anders als in Südtirol wo die Behörden die Bebauung in Gefährdungszonen toleriert und unterstützt haben. In Südtirol gibt es jede Menge touristische Unterkünfte in Zonen die durch Vermurung,… Weiterlesen »
mondschein2021
mondschein2021
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Af den Planetn hot ias boll koan Sinn mehr zu lebn.Lei mehr Katastrophn.

Holzile
Holzile
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Honni geschto afnocht in Livestream ungschaug, extrem schian affa brutala weise.

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