Tod am Ortler: Seilgefährte hat den Sturz gesehen

„Weiß nicht, wie ich Frieden finde“

Montag, 20. Juni 2022 | 09:53 Uhr

Sulden – Am Ortler hat am Samstag ein junger Mann aus Besenello im Trentino den Tod gefunden. Der 23-jährige Sebastiano Battisti war laut der Nachrichtenagentur Ansa am Ortler-Hintergrat unterwegs, als er am Vormittag in die kleine Minigeroderinne mehrere hundert Meter in die Tiefe gestürzt ist.

„Der Verlust von Sebastiano hat mich fürchterlich getroffen. Ich habe ihn fallen sehen und gehört, wie er meinen Namen rief“, berichtet sein Seilgefährte. Er habe sofort verstanden, dass die Lage ernst war. Nach rund 20 Minuten sei der Notarzthubschrauber aufgetaucht.

Alessio Rech aus der Fraktion Azzolini bei Lavarone im Trentino hatte nach dem Unglück Alarm geschlagen. „Ich habe den Absturz meines Freundes gesehen und ich weiß nicht, wie ich Frieden finden kann“, betont der Seilgefährte von Sebastiano Battisti laut einem Bericht der italienischen Tageszeitung Alto Adige.

Die Bergrettung Sulden und der Notarzthubschrauber Pelikan 1 waren ausgerückt. Für den jungen Alpinisten kam aber jede Hilfe zu spät. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Die Leiche des 23-Jährigen wurde nach Sulden gebracht.

Bevor Alessio Rech Alessio Rech Alarm schlagen konnte, hatte ein weiterer Augenzeuge bereits die Rettungskräfte verständigt: Christian Knoll von der Berg- und Höhlenrettung CNSAS aus Sulden war auf der entgegengesetzten Seite des Berges aufgestiegen.

Auch für die Familie von Sebastiano Battisti ist der Schmerz groß. Vor rund 15 Jahren war bereits der Vater des 23-Jährigen ebenfalls bei einem Bergunfall tödlich abgestürzt.

Sebastiano und Alessio hatten sich vor drei Jahren bei Kursen zur Aufnahme bei der Bergrettung kennengelernt. Sebastiano sei der Techniker gewesen, der Erfahrenere. „Ich konnte mehr wandern“, erklärt Alessio. Sein Freund sei zu einer extrem leichten Stelle gegangen. Die beiden hingen nicht am Seil. „Jeder von uns übernimmt in bestimmten Abschnitten für sich die Verantwortung“, erinnert sich Alessio. In diesem Moment sei es besser gewesen, nicht angeseilt zu sein. „Wären wir verbunden gewesen, wäre vermutlich auch ich ums Leben gekommen. Ironie des Schicksals“, betont Alessio.

Die beiden waren bereits im vergangenen Jahr auf dem Ortler. Sie kannten die Strecke. Sebastiano war auch begeisterter Tourenskifahrer. Mit Freunden aus Calliano und Besenello war er im Winter viel unterwegs. Seine Beziehung zu den Bergen sei eine besondere gewesen. Das kann Alessio mit Gewissheit sagen.

Von: mk

Bezirk: Vinschgau

Kommentare

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16 Kommentare auf "„Weiß nicht, wie ich Frieden finde“"


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rantanplan
rantanplan
Tratscher
7 Tage 1 h

bleibt herunten dann habt ihr euren frieden…..

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
7 Tage 26 Min

Ranta…
Und dann wirst von einem Besoffenen am Zebrastreifen totgefahren und dann…..

So sehe ich das
So sehe ich das
Tratscher
6 Tage 21 h

@ OrtlerNord
…sel ist a Unfall. Ober wenn i aufn Ortler gehe dann gibts nur a 50/50.
Entweder i kimm gsunder runter oder mi klauben sie toter auf !
Kuaner muass auf den Ortler – ober über die Straße muss man !

The Hunter
The Hunter
Superredner
6 Tage 10 h

@So sehe ich das des sein Theorien von Leit de net auf an Berg abn kemmen.

Gludi
Gludi
Neuling
6 Tage 9 h

@so sehe ich das – laut dir hat dr Ortler a ziemlich negative statistik….. wo hoschn des mit die 50/50 her?

Staenkerer
6 Tage 9 h

es dauert schun a zeit damit man frieden findet wenn man an liebn mensch den man pleg und nor trotz ollem durch de kronkheit verliert, wie furch or muaß nor so a tragödie auf de seele des komerodn losten!
des “wenn es… hatt es… wart es…” braucht niemand sogn, de froge werd sich der orme selber stellen und de werd ihn no long begleitn!

Brixbrix
Brixbrix
Superredner
7 Tage 39 Min

bei selchen Bergtourn isch holt a olm a risiko dabei.
des wissn se olle , also hintn noch jammern , nutzt holt a nix.

Tata
Tata
Superredner
7 Tage 7 h

wirklich tragisch….ih wünsch dir dein Frieden…mit do Zeit…dou brauchts viel Therapie des zi voorbatn….🙏🏻🙏🏻

Bissgure
Bissgure
Tratscher
7 Tage 1 Min

sehr schlimm 😢 obo jedo get mit an Risiko afn Berg . sischt isch bessa heruntn zi bleibn

Sterne
Sterne
Tratscher
7 Tage 6 h

I fühl mit Dir👍🙏
ein Rot der hot koana sorgn mehr u in Jenseitz solls so schien san‼❓🙏i denk aso weil hon a an liebm Mensch volorn‼

shanti
shanti
Tratscher
6 Tage 23 h

Traurig,aber man muss bei gewissen SACHEN MIT GEWISSEN KONSEQUENZEN RECHNEN!

So sehe ich das
So sehe ich das
Tratscher
6 Tage 21 h

R.I.P.
Bei solchen Touren muss man sich der Gefahr bewusst sein.
” Sie kannten die Strecke – sie kannten also auch das Risiko ”
…da hilft auch kein “hinterher” weinen. Niemand muss auf den Ortler – net a mol die Gams gehen da rauf. 

Sag mal
Sag mal
Kinig
6 Tage 10 h

so sehe ich das auch.Tiere Sind da sicher gescheiter als der Mensch.Die suchen die Gefahr sicher nicht.

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
6 Tage 12 h

Ein paar Tage nach dem Unglück ist es noch zu früh um nach Frieden zu suchen. Es wird ein schwieriger Weg, aber der Frieden wird kommen, mit der Zeit und mit viel Geduld. Möge der Verstorbene in Frieden ruhen und der Freund seinen Frieden finden.

ieztuets
ieztuets
Tratscher
6 Tage 11 h

i sog a, jeder der sich in Obsturzgelände begibt, mueß sich bewusst sein wos passiern konn… wenns donn wirklich passiert ischs leider ollm ein Drama für die Beteiligten und Angehörigen!

Wunder
Wunder
Tratscher
6 Tage 8 h

Jeder, der solche Touren macht, weiß, dass auch was passieren kann, aber wir wissen auch, dass es jedes Mal ein Risiko ist, wenn wir ins Auto steigen…
Wer zuschauen muss, wie ein Freund verunglückt, hat ein Leben lang daran zu knabbern. Professionelle Hilfe ist unbedingt nötig ; nicht um zu vergessen, sondern um zu verarbeiten…

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