Unglaubliche Schneemassen, so weit das Auge reicht

Weiter höchste Lawinengefahr in vielen Teilen Österreichs

Donnerstag, 10. Januar 2019 | 19:03 Uhr

In Teilen der Steiermark, Ober- und Niederösterreichs sowie Salzburgs hat am Donnerstag weiterhin die höchste Lawinenwarnstufe 5 gegolten. Mehrere Orte waren nicht erreichbar, Hunderte Haushalte ohne Strom und einige Schulen blieben zu. Die Neuschneemengen der vergangenen Tage erreichten regional Höhen wie nur alle 30 bis 100 Jahre. Nachhaltige Entspannung erwartete die ZAMG erst ab Dienstag.

In den steirischen Nordalpen blieb die höchste Lawinenwarnstufe 5 aufrecht. In Teilen der Obersteiermark schneite es weiter, doch für Freitag wurde ein Wetterfenster mit leichter Entspannung prognostiziert. Die Behörden wollten zusammen mit dem Bundesheer und Hubschraubern des Innenministeriums 35 Erkundungs- und Versorgungsflüge durchführen. Geplant waren Lawinenabsprengungen beispielsweise zwischen Trieben und Hohentauern. Radmer sollte mit Lebensmitteln versorgt werden.

Am Loser im Ausseerland können die Meteorologen bald keinen Schneestand mehr messen, denn die Messstation dürfte demnächst völlig eingeschneit sein. Donnerstagfrüh lagen laut bergfex.at bereits 490 Zentimeter Schnee auf dem 1.837 Meter hohen Berg. “Die Situation ist ernst, aber wir haben sie im Griff”, fasste Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer zusammen. Mehr als 2.200 Menschen seien entweder in ihren Ortschaften eingeschlossen oder zumindest schwer erreichbar.

Dem Bundesheer gelang am Nachmittag ein Versorgungstransport in die seit Tagen eingeschneite Gemeinde Hohentauern in der Obersteiermark. Gemeinsam mit Schickhofer brachten Soldaten Lebensmittel und Diesel über einen Forstweg in die Kommune: “Der Zusammenhalt in der Bevölkerung ist unglaublich groß”, so der Katastrophenschutzreferent. Die Feuerwehr habe bereits Dächer abgeschaufelt und die Zusammenarbeit im Ort funktioniere sehr gut.

Fast im ganzen Bundesland Salzburg bestand auch am Donnerstag große bis sehr große Lawinengefahr. Die höchste Warnstufe 5 gab es erneut für einen schmalen Streifen im Bereich der Nordalpen vom nördlichen Pinzgau über das Hagen- und Tennengebirge bis zum Gosaukamm, hieß es im Lawinenwarnbericht des Landes.

Die Westbahn-Strecke war gleich an zwei Stellen unterbrochen, und zwar im Bereich Pass Lueg nach einem Lawinenabgang und weiter zwischen Saalfelden und Hochfilzen. Auch etliche Straßen blieben weiterhin gesperrt, etwa die Pinzgauer Bundesstraße zwischen Lofer und Saalfelden.

In Maria Alm ist am Abend die Bergung von mehreren in einer Seilbahn festsitzenden Wintersportlern gelungen. “Die Kabinenbahn wurde Gondel für Gondel durchsucht. Dabei wurden vier Erwachsene und zwei Kinder entdeckt und von der Bergrettung abgeseilt”, teilten die Bergbahnen mit. Die betroffenen Personen wurden von zwei Pistenbullys mit Transportkabinen ins Tal gebracht. Die Seilbahn war um 16.15 Uhr zum Stillstand gekommen, nachdem ein Baum auf das Seil der 8er-Kabinenbahn gefallen war.

Auch in den Ybbstaler Alpen in Niederösterreich blieb am Donnerstag die sehr große Lawinengefahr bestehen. Im Rax-Schneeberggebiet galt zudem Warnstufe 4 (“groß”). Das Hochkar war ebenso wie die Alpenstraße weiterhin gesperrt. Wie angekündigt geschlossen blieben auch die Skigebiete Lackenhof am Ötscher, Gemeindealpe in Mitterbach und Lunz am See-Maiszinken. Auf der Mariazellerbahn bestand zwischen Laubenbachmühle und Mariazell weiterhin Schienenersatzverkehr. Bäume waren auf die Strecke gestürzt.

Seit Mittwoch war auch der Betrieb der Rax-Seilbahn eingestellt. Wie schon in den Tagen davor kam es in Niederösterreich witterungsbedingt zu zahlreichen Stromausfällen. Am frühen Nachmittag waren 880 Haushalte ohne Elektrizität, teilte EVN-Sprecher Stefan Zach mit.

Die Produktionshalle einen Holz verarbeitenden Betriebes in Rosenau am Hengstpass im Bezirk Kirchdorf an der Krems (OÖ) stürzte unter der Schneelast am Donnerstagnachmittag ein. Verletzte gab es keine. Bundesheer-Soldaten, die zum Abräumen des Flachdaches eingesetzt gewesen waren, hatten es wenige Minuten zuvor verlassen.

Die erste Zwischenbilanz des Landes Oberösterreich nach den Tagen anhaltender Schneefälle lautet: 31 Straßenmeistereien mit rund 550 Mitarbeitern und 150 Räum- und Streufahrzeugen ausgerückt, 1.500 Einsätze der Feuerwehren, 35 Straßensperren, zwei von der Außenwelt abgeschnittene Orte, 23 geschlossene Schulen und Kindergärten sowie 600 Haushalte ohne Strom. Lawinen-Warnstufe 5 galt bis auf weiteres für die Bezirke Gmunden, Kirchdorf und Steyr-Land. Im Bereich der Nordalpen fielen in den vergangenen acht bis zehn Tagen bis zu drei Meter Schnee, die Gesamthöhe betrug bis zu vier Meter.

In Tirol waren immer noch etliche Orte nicht erreichbar, darunter Hochfügen, Kühtai, Pfafflar und Teile der Gemeinde Berwang. Die Straße nach Galtür im Paznauntal wurde hingegen um 10.00 Uhr wieder geöffnet und auch die Gemeinden St. Leonhard im Pitztal und Kaunertal waren auf dem Straßenweg wieder zu erreichen. Rund 15 Personen mussten aus Sicherheitsgründen mit Hilfe des Bundesheeres aus dem Wattental gebracht werden. In der Nacht kam es zu einem Schneerutsch auf der Tuxer Straße im hinteren Zillertal. Die Straße war jedoch in der Früh bereits wieder geräumt und befahrbar. Auch in der Gemeinde Berwang ging eine Lawine auf die L21 bei Anrauth ab. Verschüttet wurde niemand. Laut Angaben der Tinetz waren am Donnerstag gegen Mittag rund 1.600 Haushalte ohne Strom.

Auch Vorarlberg hatte der Winter nach wie vor fest im Griff. Es schneite den ganzen Tag über verbreitet, erst in der Nacht auf Freitag sollten die Schneefälle laut Prognosen abklingen. Am Donnerstag ging eine Lawine auf die Übersaxnerstraße (L 73) zwischen Düns und Dünserberg (Bezirk Feldkirch) ab. Verletzt wurde dabei niemand, auch zu Schäden kam es nicht. In der Folge wurde die Straße nach Beurteilung durch die Lawinenkommission und die Straßenmeisterei gesperrt, informierte die Polizei.

Wegen Lawinengefahr blieben zahlreiche höher gelegene Straßen gesperrt, weshalb die Arlberg-Orte Lech, Zürs und Stuben sowie Gargellen im Montafon weiter von der Außenwelt abgeschnitten waren. Die Bregenzerwälder Orte Schröcken und Warth waren am Donnerstag vorübergehend wieder erreichbar. In den Tallagen machten die Schneefälle vor allem den Autofahrern zu schaffen.

Weiterhin groß war die Lawinengefahr im Norden von Kärnten. Wie der Lawinenwarndienst Kärnten mitteilte, wuchsen die Triebschneeablagerungen entlang der Grenze zu Salzburg weiter an: “Sie können bereits durch eine geringe Zusatzbelastung gestört werden.” Am Tauernhauptkamm wurden weitere leichte Schneefälle und stürmischer Wind erwartet, im Süden des Bundeslandes sollte es trocken bleiben. Für Freitag wurde freundliches Wetter und schwächerer Wind vorhergesagt: “Die Lawinengefahr wird etwas sinken”, so die Einschätzung des Lawinenwarndienstes.

Von: apa

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1 Kommentar auf "Weiter höchste Lawinengefahr in vielen Teilen Österreichs"


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Universalgelehrter
13 Tage 15 h

Hat die klimaerwärmung jetzt die eiszeit gebracht?

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