Eines der Kinder lebte auch in einem Wohnwagen

Weitere Kinder nach Missbrauch auf Campingplatz in Obhut

Mittwoch, 20. März 2019 | 18:15 Uhr

Im Zusammenhang mit dem massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde hat das örtliche Jugendamt fünf weitere Kinder in Obhut genommen. Das bestätigte ein Sprecher des Kreises Lippe am Mittwoch. “Die Kinder sind auf alle Fälle Opfer. Die Eltern könnten Täter sein. Das wird ermittelt. Ein Kind lebte auch in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz”, sagte der Jugendamtsleiter Karl-Eitel John.

Das Jugendamt des Kreises Lippe habe Hinweise durch Fachkräfte sowie Anzeigen bei der Polizei jeweils mit dem Verdacht auf Missbrauch erhalten, sagte der Sprecher. Nach dem ersten Fall und der Inobhutnahme Mitte November 2018 hätten alle Mitarbeiter besonders aufmerksam hingeschaut. Von den insgesamt sechs in Obhut genommenen Kindern würden aktuell noch fünf in stationären Jugendhilfeeinrichtungen und Pflegefamilien betreut, sagte der Kreissprecher.

Nach Angaben des Innenministeriums vom Mittwoch handelt es sich um vier Kinder eines alleinerziehenden Vaters, von denen drei Opfer des massenhaften Missbrauchs auf dem Campingplatz geworden seien. Das vierte Kind sei vorsorglich in Obhut genommen worden. Damit widersprach das Innenministerium den Angaben des Kreises. Der hatte alle vier Kinder als Opfer bezeichnet. Der Vater werde schon länger der Beihilfe zum Missbrauch verdächtigt. Das fünfte in Obhut genommene Kind gehöre zu einer alleinerziehenden Mutter. Das Kind sei ebenfalls Opfer, die Mutter stehe aber nicht im Verdacht der Beihilfe.

Laut Staatsanwaltschaft und Polizei Bielefeld wird derzeit in zwei Fällen gegen jeweils ein Elternteil ermittelt. Bei dem einen Elternteil handelt es sich um den bereits bekannten 56-Jährigen Hauptbeschuldigten, bei dem ein Pflegekind wohnte. Das zweite Elternteil ist ein weiterer der bereits bekannten sieben Beschuldigten, gegen die ermittelt wird. Der Vorwurf lautet nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf Beihilfe zum sexuellen Missbrauch.

Nach Angaben des Innenministeriums ist die Zahl der bestätigten Opfer des Missbrauchs auf 35 gestiegen. In der Vorwoche lag diese Zahl bei 34. Die Ermittler gehen zusätzlich von 16 Verdachtsfällen aus, zwei mehr als bisher angenommen.

In dem ersten bekannt gewordenen Fall soll ein arbeitsloser Dauercamper gemeinsam mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der 56-Jährige setzte dabei sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, den Ermittlungen zufolge ein, um andere Opfer anzulocken. Anfang 2017 hatte der Mann auf Wunsch der im Kreis Hameln in Niedersachsen lebenden Mutter die Pflegschaft für das Mädchen erhalten, das schon länger bei ihm lebte.

Von: APA/dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Weitere Kinder nach Missbrauch auf Campingplatz in Obhut"


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herbstscheich
herbstscheich
Superredner
1 Monat 5 Tage

zu diesem Fall wird erstaunlich wenig Radau gemacht– weil kein Priester ist ..??

Tabernakel
1 Monat 5 Tage

Ich glaube nicht, dass Du von Südtirol aus, alles in Deutschland mitbekommst.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@Tabernakel
Ich glaube nicht, dass du von Deutschland aus alles in Deutschland mitbekommst.

der Rote Wichtel
1 Monat 5 Tage

Bei Kindesmissbrauchsfällen berichten die Medien generell eher mit angezogener Handbremse. Die Tatsache, dass wichtige Beweise in diesen Fall aus einer Polizeiaservatenkammer einfach verschwunden und nicht mehr auffindbar sind, ist ein Skandal ungeheuren Ausmaßes und könnte darauf hindeuten, dass “wichtige” Persönlichkeiten darin verwickelt sind.

Auch der Fall Dutroux, bei dem bis heute 27 Zeugen! auf unterschiedlichste Weise zu Tode gekommen sind, war gekennzeichnet von Ermittlungspannen und einer nicht vollständigen Aufarbeitung durch die Medien.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

der rote Wichtel
Ja, das alles ist schon sehr merkwürdig und ich verstehe nicht, warum ein Mann ein Pflegekind haben darf, auch wenn es die Mutter so gewollt hat. Jede ledige Mutter wird kontrolliert. Wenn du ein Kind bei uns adoptierten willst, wirst du auf Herz und Nieren geprüft. Du musst sozusagen die Hosen runter lassen. Und dann kommt sowas vor und plötzlich verschwindet Beweismaterial. Sehr denkwürdig.

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