Studie

Weltbank: Corona kostete Hunderttausende Babys das Leben

Dienstag, 24. August 2021 | 03:25 Uhr

Der Wirtschaftsabschwung durch die Corona-Krise könnte allein im Vorjahr den Tod von mehr als 260.000 Babys vor allem in ärmeren Ländern der Welt zur Folge gehabt haben. Zu diesem Schluss kommen Experten der Weltbank in einer im Fachmagazin “BMJ Open” vorgestellten Studie. Ursachen sind demnach schlechtere Pflege und Ernährung, eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsdiensten sowie deren im Zuge der Wirtschaftskrise beeinträchtigte Angebote und schwindende Qualität.

Die Wissenschafter um Gil Shapira hatten für ihre Kalkulation die Auswirkungen von Veränderungen im Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes auf die Sterblichkeit von Kindern bis zu 12 Monaten zugrunde gelegt. Im vergangenen Jahr sei die Weltwirtschaft nach bisherigen Schätzungen um rund fünf Prozent geschrumpft, heißt es in der Analyse. Die Zahl in Armut lebender Menschen sei um rund 120 Millionen gestiegen.

Die direkte Sterblichkeit in der erwachsenen Bevölkerung durch Covid-19-Fälle könne zwar erheblich sein, erläutern die Autoren. Es sei aber auch so, dass bei einem Rückgang des BIP die Sterblichkeit allgemein steige, beispielsweise aufgrund schlechterer medizinischer Versorgung oder zunehmender Armut. Besonders betroffen seien häufig Gruppen wie Kinder und alte Menschen. In den 128 untersuchten Ländern mit mittleren und niedrigen Durchschnittseinkommen seien von solchen Veränderungen überproportional stark Babys betroffen.

Rund 267.000 bis zu 12 Monate alte Kinder starben der Modellierungsstudie nach infolge des coronabedingten Wirtschaftsabschwungs – und damit insgesamt rund 7 Prozent mehr als im Mittel der Vorjahre. Mit mehr als einem Drittel – rund 100.000 – der zusätzlichen Todesfälle entfielen die weitaus meisten auf Indien. Indien habe zum einen die höchste Zahl jährlicher Geburten weltweit und ein besonders großes prognostiziertes Wirtschaftsdefizit für 2020 (etwa minus 17 Prozent), erläutern die Experten der Weltbank.

“Während die Anstrengungen zur Prävention und zur Behandlung von Covid-19 weiter höchste Priorität haben, sollte die weltweite Gemeinschaft auch soziale Sicherheitsnetze stärken und den Fortbestand von wesentlichen Gesundheitsangeboten sicherstellen”, empfehlen die Autoren. Sie geben bei ihrer Berechnung zu bedenken, dass die Veränderungen der Bruttoinlandsprodukte (BIP) noch nicht endgültig feststehen und dass es andere Effekte wie Naturkatastrophen und politische Unruhen geben kann, die ebenfalls Einfluss auf die Säuglingssterblichkeit haben.

Von: APA/dpa

Kommentare

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9 Kommentare auf "Weltbank: Corona kostete Hunderttausende Babys das Leben"


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PuggaNagga
1 Monat 1 Tag

Nicht Corona hat die Schuld sondern die Maßnahmen.
Nicht immer dem Virus die Schuld geben sondern begangene Fehler der Politik eingestehen.
Das Virus ist nun mal da und wir müssen langfristig das beste draus machen. Lockdown gehört wenn man solche Zahlen liest eindeutig zu der grössten Schnapsidee der Geschichte.

sophie
sophie
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@PuggaNagga
👍Da stimme ich Dir eindeutig zu !!!!!

Entequatch
Entequatch
Tratscher
1 Monat 1 Tag

In diser Studie kommt das Wort “könnte” sehr häufig vor.
Ich “könnte” Milliadär sein, bin es aber nicht.

Susi
Susi
Tratscher
1 Monat 1 Tag

In gewissen Orten auf der Welt sind einfach zu viele Menschen. Wie man durch die Klimaerwärmung sieht, wird das Konsequenzen haben, viel früher als viel später. Vielleicht sollte auch mal in der Politik und Umweltschutz auch daran gedacht werden.

quilombo
quilombo
Superredner
1 Monat 7 h

Susi, das ist purer Blödsinn. Die ungerechte Verteilung ist es, nicht wieviel Menschen wo leben. Wenn nicht ein paar hunderttausend Superreiche 50% allen Besitzes der Welt hätten, würde es für alle ein normales Auskommen geben.

Kinig
1 Monat 1 Tag
Aber abgesehen davon, dass die Wissenschaft noch immer nicht schlüssig ist, ob die Auffrischungsimpfung tatsächlich dazu beiträgt, dieses Ziel zu erreichen, gibt es nach Ansicht von Experten einen sehr gefährlichen Nachteil, der weitgehend übersehen wird. In Entwicklungsländern mit niedrigem Einkommen sind im Durchschnitt nur 1,3 % der Bevölkerung geimpft. Und das bringt letztlich alle in Gefahr. „Die Entscheidung für einen unbekannten, aber potenziell zunehmenden Nutzen für eine Person in einem wohlhabenden Land gegenüber einem massiven, lebensrettenden Nutzen für eine Person in einem anderen Teil der Welt ist eine aussichtslose Strategie, denn an Orten, an denen sich COVID-19 unvermindert weiter ausbreitet,… Weiterlesen »
falschauer
1 Monat 16 h

absolut richtig, das wird in zukunft eine sehr große herausforderung sein, vorerst sollte man jedoch im nahen umfeld für einen gewissen schutz sorge tragen

MeinAluhutUndIch
1 Monat 20 h

Die Menschen müssen geschützt werden, nicht das Kapital

quilombo
quilombo
Superredner
1 Monat 7 h

im Kapitalismus wird nur das Kapital geschützt, nicht die Menschen. Kapitalismus ist eine Katastrophe und hat noch nie funktioniert.

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