Zahlreiche Medienvertreter bei der Weltnaturkonferenz in Kunming

Weltgemeinschaft will Schutz der Artenvielfalt verbessern

Mittwoch, 13. Oktober 2021 | 11:49 Uhr

Die Weltgemeinschaft hat sich grundsätzlich auf einen verstärkten Kampf gegen das dramatische Aussterben von Arten verständigt. Auf der Weltnaturschutzkonferenz (Cop15) der knapp 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) wurde am Mittwoch eine “Erklärung von Kunming” angenommen, benannt nach dem Tagungsort in Südwestchina. Dort tagen Vertreter aus China diese Woche online mit anderen Teilnehmern über ein neues Rahmenabkommen zum Artenschutz.

In der Erklärung wird darauf verwiesen, dass “viele Staaten” dazu aufgerufen hätten, 30 Prozent der Flächen an Land und im Meer bis 2030 unter Schutz zu stellen. Es wurde die “große Sorge” geäußert, dass die beispiellose Krise des Verlusts der Artenvielfalt, des Klimawandels, der Landzerstörung und Wüstenbildung, der Schädigung der Meere und Umweltverschmutzung “die Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Nahrungssicherheit verstärkt”.

In dem Papier ist von einer “existenziellen Bedrohung für unsere Gesellschaft unsere Kultur, unseren Wohlstand und für unseren Planeten” die Rede. Auf die Konferenz in Kunming folgen im Jänner weitere Verhandlungen, bevor die neue Strategie mit konkreten Zielen zum Schutz der biologischen Vielfalt bei einem Präsenztreffen vom 25. April bis 8. Mai wieder in Kunming verabschiedet werden soll.

Das Abkommen wird gerne mit dem Pariser Klimaabkommen verglichen, ist aber weniger bindend. Schon 2010 hatten sich die Vertragsstaaten im japanischen Aichi als Ziel gesetzt, den Schwund der Artenvielfalt bis 2020 zu stoppen. Die Vorgaben wurden allerdings weit verfehlt, wie der bilanzierende Bericht zum Zustand der Biodiversität in dem Jahr feststellte.

In der Kunming-Erklärung bekunden die Vertragsstaaten zunächst wieder ihren guten Willen. Auch warnen sie vor den Gefahren für die Lebensgrundlagen der Menschen. Es wird die “große Sorge” geäußert, dass die beispiellose Krise des Verlusts der Artenvielfalt, des Klimawandels, der Landzerstörung und Wüstenbildung, der Schädigung der Meere und Umweltverschmutzung “die Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Nahrungssicherheit verstärkt”.

In dem Papier ist von einer “existenziellen Bedrohung für unsere Gesellschaft, unsere Kultur, unseren Wohlstand und für unseren Planeten” die Rede. Gefordert werden dringendes Handeln und ein transformativer Wandel über alle Bereiche der Gesellschaft und der Wirtschaft hinweg. Eine “Kombination von Maßnahmen” sei notwendig, um das Aussterben der Arten aufzuhalten und umzukehren. Land- und Seenutzung müssten geändert werden, der Schutz von Ökosystemen verbessert, der Klimawandel abgeschwächt, die Umweltverschmutzung verringert und Raubbau verhindert werden, heißt es darin weiter.

Auch müsse es wirksame Maßnahmen zur Umsetzung des Abkommens geben und überprüft werden, ob die Ziele auch eingehalten werden. Der Verlust der biologischen Vielfalt müsse gestoppt und bis 2030 spätestens auf den Pfad der Erholung gebracht werden. Die “Erklärung von Kunming” spricht sich auch dafür aus, Subventionen, die der Biodiversität schaden, zu beseitigen oder zu reformieren.

Von: APA/dpa

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Biodiversitäts-Ziel: Bis 2050 "im Einklang mit der Natur leben"

Weltgemeinschaft will Schutz der Artenvielfalt verbessern

Montag, 12. Juli 2021 | 16:08 Uhr

Die Vertragsstaaten der UNO-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) wollen den Verlust von Arten und Lebensraum bremsen oder möglichst stoppen. Eine Strategie für das kommende Jahrzehnt soll auf der 15. Weltnaturschutzkonferenz Cop15 im Oktober in Kunming in China beschlossen werden. Der Entwurf, der am Montag vom CBD-Sekretariat veröffentlicht wurde, sieht vor, bis 2030 mindestens 30 Prozent der für Biodiversität besonders wichtigen Landflächen und Meere zu bewahren.

Ziel der Strategie sei, bis 2050 “im Einklang mit der Natur zu leben”. Wegen des Ausbruchs des Coronavirus war die ursprünglich im Herbst 2020 geplante Konferenz in Kunming verschoben worden und soll jetzt vom 11. bis 24. Oktober stattfinden. Im Mittelpunkt steht der alarmierende Rückgang der biologischen Vielfalt weltweit. Durch den Verlust an Lebensräumen, Arten und auch genetischer Vielfalt verarme nicht nur die Natur, sondern sei auch die Lebensgrundlage der Menschheit bedroht. Wie das Risiko von Pandemien auch über Naturschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt verringert werden kann, ist als zusätzliches Thema hinzugekommen.

Die Umweltstiftung WWF kritisierte die Pläne für die Weltnaturschutzkonferenz im Oktober als unzureichend. Der Entwurf für eine neue Strategie im Kampf gegen den Verlust von Arten und Lebensraum sei nicht ambitioniert genug, sagte Biodiversitäts-Experte Florian Titze in Peking. “Die enthaltenen Ziele würden nicht ausreichen, um das Artensterben weltweit bis 2030 zu stoppen.”

Der ökologische Fußabdruck des Konsums und der Produktion werde damit nicht weit genug reduziert. “Mindestens eine Halbierung wäre bis 2030 notwendig.” Dazu gehöre auch die Nahrungsmittelproduktion, wo der Entwurf “deutlich zu schwach” sei. “Die Transformation zu nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzsystemen ist grundsätzlich viel zu wenig im Fokus”, sagte Titze. “Klar ist: Wenn weiter im großen Stil in die Zerstörung der Natur investiert wird, dann helfen auch ambitionierte Flächenschutzziele nichts.”

Das Flächenschutzziel in dem Entwurf von 30 Prozent der Landes-und Meeresfläche sei grundsätzlich begrüßenswert, aber es fehle weiter an klaren Garantien für die Rechte indigener Völker, sagte der Experte. Alle Ziele nützten auch nichts, wenn das neue Abkommen nicht ausreichend finanziert und durch starke und verpflichtende Umsetzungsmechanismen untermauert werde. Der WWF (World Wide Fund For Nature) forderte eine Erhöhung der internationalen Biodiversitätsfinanzierung durch die deutsche Regierung auf mindestens zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Von: APA/dpa