Peter Ben Embarek ist Leiter des WHO-Teams in Wuhan

WHO-Experten suchen in Wuhan nach Corona-Ursprüngen

Donnerstag, 28. Januar 2021 | 17:43 Uhr

Das internationale Team von Experten, das im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach dem Ursprung des Coronavirus forschen soll, nimmt in China seine konkrete Arbeit auf. Ihre 14-tägige Quarantäne in einem Hotel in der zentralchinesischen Metropole Wuhan endete am Donnerstag. Das Team werde am Freitag seine Ermittlungen beginnen, berichtete das chinesische Staatsfernsehen.

Die 13 Experten wollen herausfinden, wo das neue SARS-CoV-2-Virus erstmals aufgetreten ist – und wo es herkommt. Wegen genetischer Ähnlichkeiten wird vermutet, dass es ursprünglich von Fledermäusen stammt und möglicherweise über ein anderes Tier als Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen ist. Es gab aber auch Spekulationen, ob das Virus aus einem Labor entwichen sei. Dies hat China zurückgewiesen.

Das WHO-Team will Interviews durchführen und Krankenhäuser sowie den Markt besuchen, wo Anfang Dezember 2019 weltweit zum ersten Mal Infektionen entdeckt worden waren. Spuren des Virus wurden besonders bei den Ständen der Wildtierhändler gefunden. Allerdings gab es auch Ansteckungen, die nicht auf den Markt zurückgeführt werden konnten.

Die Suche nach der Herkunft des Virus gilt als politisch heikel, weil China fürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert zu werden. Nach offiziellen Statistiken haben sich weltweit mehr als 100 Millionen Menschen infiziert. Mehr als zwei Millionen sind demnach an den Folgen der Atemwegserkrankung Covid-19 gestorben.

Seit Monaten streut die chinesische Propaganda aber schon Zweifel, ob das Virus überhaupt aus China stammt. Es wird auf unbestätigte Berichte verwiesen, dass es mögliche Infektionen schon vorher in anderen Ländern gegeben haben könnte. So müssten die WHO-Experten auch in andere Länder reisen, forderte ein Außenamtssprecher.

Chinas Behörden und Staatsmedien verbreiten zunehmend die These, dass das Virus über gefrorene Lebensmittel nach China eingeschleppt worden sein könnte. Es wird immer wieder auf festgestellte Virusspuren auf importierten Tiefkühlwaren verwiesen. Doch ist unter Wissenschaftern strittig, ob diese Spuren für eine Infektion ausreichen.

Die erst nach einem langen Tauziehen ermöglichte WHO-Untersuchung wird gemeinsam mit der chinesische Seite vorgenommen. Wie auch in den Monaten zuvor haben die 13 Experten in den zwei Wochen vom Hotel aus Videokonferenzen mit ihren chinesischen Amtskollegen abgehalten.

Teilnehmer spielten die Erwartungen herunter. Es gehe vor allem darum, in Kooperation mit den chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden könnten, hieß es. Die Reise diene auch nur dazu, in einer ersten Phase zu schauen, was schon alles an Forschung laufe und an Daten vorliege. Dann solle ein Plan für die zweite Phase gemacht werden.

Ausländische Forscher zeigen sich offen, was das Ergebnis der Suche nach dem Ursprung des Virus betrifft. Experten wie der deutsche Epidemiologe Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut (RKI) halten es aber unverändert für am wahrscheinlichsten, dass das Virus ursprünglich von Fledermäusen aus Südchina stammt. Auch Chinas Behörden hatten lange wilde Tiere als möglichen Ursprung genannt. Leendertz ist über die Videokonferenzen in die Ermittlungen eingebunden, konnte aber aus familiären Gründen nicht wie geplant selbst nach China reisen.

Begleitet war die Mission von einem heftigen Schlagabtausch zwischen Washington und Peking. Washington forderte eine tiefgehende Untersuchung ohne “Falschinformation” durch China, während Peking vor einer “Politisierung” der Mission warnte. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte auf Twitter, er habe mit Chinas Gesundheitsminister Ma Xiaowei telefoniert und in einer “offenen Diskussion” gefordert, dass die Experten “erforderliche Unterstützung, Zutritte und Daten” erhielten sowie “die Möglichkeit, umfassend ihre chinesischen Kollegen einzubeziehen”.

Wie politisch aufgeladen die Mission ist, zeigten Äußerungen der neuen US-Regierung noch vor dem offiziellen Ende der Quarantäne des WHO-Teams. Es sei “zwingend erforderlich”, dass der Frage “auf den Grund gegangen” werde, wie das Coronavirus entstanden sei und sich weltweit verbreitet habe, sagte in Washington die Sprecherin von Präsident Joe Biden, Jen Psaki. Sie äußerte “große Sorge” über eine mögliche “Falschinformation” durch “einige Quellen in China” und forderte eine “belastbare” Untersuchung.

Bidens Amtsvorgänger Donald Trump hatte China für den Corona-Ausbruch und die hohen Opferzahlen verantwortlich gemacht. Er bezeichnete das Coronavirus immer wieder als “China-Virus” und behauptete mehrfach, das Virus stamme aus einem Labor in Wuhan. Zugleich warf Trump der WHO vor, von China kontrolliert zu werden.

Chinas Außenministerium wies die Äußerungen Psakis scharf zurück. Die Wissenschafter müssten ihre Untersuchungen “frei von politischer Einmischung” vornehmen können, sagte Ministeriumssprecher Zhao Lijan. China hoffe, dass die USA “Fakten und Wissenschaft” sowie “die harte Arbeit des internationalen Expertenteams respektieren” könnten.

China hat das Virus heute weitgehend im Griff und verzeichnet nur noch vereinzelt lokal begrenzte Ausbrüche. Nach einem anfänglich als unzureichend kritisierten Umgang mit dem Virus hatten die chinesischen Behörden Ende Jänner 2020 scharfe Maßnahmen ergriffen. Seither wird sofort mit weitreichenden Ausgangssperren, Massentests und Kontaktverfolgung auf jeden kleineren Ausbruch reagiert.

Auch gelten strikte Einreisebeschränkungen, die sich als wirksam erweisen. Die wenigen Reisenden, die noch ins Land gelassen werden, müssen mindestens zwei Wochen in strenge Quarantäne und danach ein bis zwei Wochen unter medizinischer Beobachtung bleiben.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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11 Kommentare auf "WHO-Experten suchen in Wuhan nach Corona-Ursprüngen"


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Jiminy
Jiminy
Kinig
28 Tage 15 h

da werden sie gaaaaaaaaaanz sicher etwas finden….. 🤔🤥 😆😅🤣😂🤣😂

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
28 Tage 11 h

…so wie damals die Massenvernichtungswaffen vom Saddam
😜

nok
nok
Superredner
28 Tage 17 h

Nach mehr als einem Jahr ….

lachhaft!

Sag mal
Sag mal
Kinig
28 Tage 17 h

wird auch mal Zeit.Die Verantwortlichen sollen nichts mehr zu lachen haben.

Jiminy
Jiminy
Kinig
28 Tage 13 h

wäre schön… aber vergiss es!

GTH
GTH
Tratscher
28 Tage 10 h

viel spass dann in china 🙈

Trina1
Trina1
Superredner
28 Tage 10 h

Wer sucht findet nicht immer was er sucht! Manchmal finder er gar nichts!

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
28 Tage 7 h

Ich versteh sowieso nicht wozu man Leute nach China schickt um über das Virus zu forschen, alles wissenswerte dazu steht doch schon in Internetforen und Kommentarspalten.

nikname
nikname
Superredner
28 Tage 8 h

sie werden nur das finden was China zulässig findet.

a sou
a sou
Superredner
28 Tage 5 h

Das ist sehr wahrscheinlich…

Rikkert
Rikkert
Neuling
28 Tage 6 h

sem seinse ober frie drun🙌😂 schickmer apoor in die USA um spuren vom täter von kennedy zu suechen!!

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