Die Situation in Italien bleibt weiterhin kritisch

WHO: Verdoppelung der weltweiten Corona-Fälle in zwölf Tagen

Freitag, 20. März 2020 | 18:20 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die rasante Ausbreitung des Coronavirus am Freitag veranschaulicht. Es habe etwa drei Monate gedauert, bis die ersten 100.000 nachgewiesenen Fälle bekannt waren. Die zweiten 100.000 Fälle seien in zwölf Tagen erreicht worden. Viele Länder haben ihre Maßnahmen inzwischen verstärkt. In Italien ist die Zahl der Todesfälle indes sprunghaft angestiegen.

Wie sich die Zahlen angesichts der teils drastischen Bewegungseinschränkungen in vielen Staaten weiter entwickeln, sei schwer vorherzusagen. Die Johns-Hopkins-Universität in den USA zeigte in ihren Tabellen am Freitag 245.000 nachgewiesene Fälle weltweit und mehr als 10.000 Tote.

In Italien wurden am Freitag 627 Todesopfer mehr als am Vortag gemeldet, was einem Rekordanstieg bei der Zahl der Toten seit Beginn der Epidemie entspricht. Die Bilanz der Todesopfer kletterte damit auf 4.032 Personen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Somit hat Italien China bei der Zahl der Todesopfer durch das Coronavirus überholt. Die Zahl der Infizierten kletterte von 33.190 auf 37.860 Menschen. 19.185 Infizierte befinden sich in Heimisolierung. 2.655 liegen auf der Intensivstation, das sind sieben Prozent aller Infizierten, teilte Italiens Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Freitag in Rom mit.

Angesichts der weiterhin zunehmenden Zahl von Todesfällen hat der lombardische Präsident Attilio Fontana die Regierung in Rom zum Einsatz des Militärs zur Einhaltung der Ausgangssperre gefordert. Zugleich sprach er sich für die komplette Schließung aller Büros und Baustellen aus. Die Behörden achten streng darauf, dass die verhängte Ausgangsperre eingehalten wird: 1,2 Millionen Italiener wurden kontrolliert, 53.000 Personen wegen Verstößen gegen die Quarantäne-Vorschriften angezeigt. Bei den Kontrollen müssen sich die Polizisten die fantasievollsten Ausreden von jenen anhören, die sich ohne guten Grund auf der Straße aufhalten.

In Spanien gibt es mittlerweile bereits mehr als tausend Todesopfer durch die Coronavirus-Pandemie. 1.002 Infizierte seien bisher gestorben, sagte der Leiter des Zentrums für gesundheitliche Notfälle, Fernando Simon, am Freitag in Madrid. Die landesweite Zahl der Infizierten stieg demnach auf knapp 20.000 Fälle – 16 Prozent mehr als am Vortag. Die Regierung hat die vorläufige Schließung aller Hotels angeordnet. Im Zuge der am Wochenende verhängten Ausgangssperre müssen auch andere touristische Unterkünfte wie etwa Pensionen oder Campingplätze ihre Pforten schließen.

Slowenien hat im Kampf gegen die Corona-Epidemie die Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum eingeschränkt. Ab Mitternacht gilt ein Versammlungsverbot. Die Menschen dürfen ihre Wohnungen verlassen, um zur Arbeit zu gehen, Besorgungen zu erledigen oder anderen Menschen zu helfen, beschloss die Regierung am Donnerstag. Erlaubt ist auch, in den Parks spazieren zu gehen. Israel hat auch eine weitgehende Ausgangssperre verhängt, die Notstandsverordnungen sollen zunächst für eine Woche gelten.

In den USA ist die Zahl der Coronavirus-Toten auf mehr als 200 angestiegen. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurden bis Freitag mehr als 14.200 Infektionen und 205 Todesfälle bestätigt. Die Behörden rechnen mit einem weiteren steilen Anstieg der Fallzahlen, da inzwischen deutlich mehr Menschen getestet werden.

Der Iran hat 149 weitere Todesopfer durch die Coronavirus-Pandemie gemeldet. Die offizielle Bilanz stieg damit auf 1.433 Tote, wie Vize-Gesundheitsminister Aliresa Raissi am Freitag in Teheran mitteilte. Die Zahl der Infektionen sei binnen 24 Stunden um 1.237 auf 19.644 gestiegen. Die Regierung forderte die Bevölkerung auf, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und soziale Kontakte einzuschränken.

China meldete den zweiten Tag in Folge keine Ansteckungen im Inland. Allerdings gebe es 39 neue Infektionsfälle unter einreisenden Menschen, teilten die Gesundheitsbehörden mit.

Von: APA/dpa