Wiedekehr setzt personelle Schritte

Wiener Kindergärten – Weiterer Fall angezeigt

Dienstag, 07. Juni 2022 | 19:40 Uhr

In Wien ist ein weiterer Pädagoge eines städtischen Kindergartens bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. Ihm wird “pädagogisches Fehlverhalten” vorgeworfen, wie der zuständige Stadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) am Dienstag sagte. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, auf APA-Anfrage mitteilte, wird derzeit in Richtung Freiheitsentziehung ermittelt. Der ORF berichtete unterdessen, dass ein Gutachten den ersten Beschuldigten zum Teil entlastet.

Das Gutachten der Staatsanwaltschaft wurde Ö1 zugespielt. Kolleginnen nahmen den Mann offenbar in Schutz. So heißt es, was den Vorwurf sexueller Übergriffe unter anderem beim Wickeln betrifft: “Der Kindergärtner war nie alleine mit dem Kind und es gab auch keine Wickelsituation.” Über die Einschätzung des Jugendamts heißt es im Gutachten laut ORF: “Durch die Zeugenbefragungen bei der MA 11 Jugendamt und den daraus resultierenden Sachverhalt können vonseiten der Behörde die Vorwürfe nahezu ausgeschlossen werden.”

Das Gutachten komme zudem zum Schluss, dass Aussagen des knapp dreijährigen Mädchens, um das es zunächst ging, nicht zu einer Verurteilung führen würden. Aus dem Gutachten geht auch hervor, dass die Gutachterin schon im April des Vorjahres mit dem Mädchen gesprochen hat, aber erst vor Kurzem ihr Gutachten an die Staatsanwaltschaft geliefert hat – über ein Jahr später. Mittlerweile gebe es ein weiteres Gutachten, der Inhalt sei noch nicht bekannt.

Die Erhebungen in der aktuellsten Causa befänden sich im Anfangsstadium, betonte Bussek. Es gehe zunächst darum, zu konkretisieren, wann und welche möglichen strafbaren Handlungen gesetzt wurden. Der Mann darf laut Stadtrat Wiederkehr derzeit keine Kinder mehr betreuen. Informationen der APA zufolge dürfte es im Kern darum gehen, dass ihm anvertraute Kinder strafweise in einen Raum gesperrt wurden.

Der Verdächtige war im selben Kindergarten in Penzing tätig, in dem es zu Übergriffen und Missbrauchshandlungen auf kleine Kinder gekommen sein soll, die bereits von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Im Zuge der Erhebungen zu diesem Fall traten dann Verdachtsmomente gegen einen zweiten männlichen Mitarbeiter der Einrichtung zutage, der später beruflich in einen anderen Bezirk gewechselt hatte. Eine sexuelle Komponenten dürft es nach derzeitigem Ermittlungsstand im zweiten, jetzt bekannt gewordenen Fall nicht geben.

Anders sieht das in einem dritten Fall aus, der einen nicht-städtischen Kindergarten garten in Liesing betrifft. Ein dort tätiger Pädagoge steht im Verdacht, zwei fünf Jahre alte Buben misshandelt und sexuell bedrängt zu haben, hatte die Landespolizeidirektion am Wochenende der APA bestätigt. Mittlerweile ist er nicht mehr in der Einrichtung beschäftigt.

Wohl nicht zuletzt unter dem Eindruck dieser Fallhäufung setzte der zuständige Stadtrat Wiederkehr personelle Konsequenzen auf der höchsten Verwaltungsebene. Die Leiterin der Magistratsabteilung 10 (Kindergärten), Daniela Cochlar, wird abgesetzt. Es gebe unterschiedliche Auffassungen über das Krisenmanagement, begründete der Ressortchef die Suspendierung. Den Wiener Kindergärten war vorgeworfen worden, im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Missbrauchsfällen in dem Kindergarten in Penzing zu spät informiert zu haben.

Mehr Details zum jüngsten Fall wolle er aktuell nicht nennen, betonte Wiederkehr mit Verweis auf die laufende Ermittlungen. Pädagogisches Fehlverhalten könnten aber etwa Einschüchterungsversuche gegen Kinder sein. Geprüft wird auch, ob es einen Zusammenhang mit den bereits bekannt gewordenen vier Fällen gibt, teilte er mit.

Diese liegen mehr als ein Jahr zurück. Auch der neue Vorfall ist schon vor längerer Zeit passiert, allerdings haben die Eltern erst nun davon berichtet. Anlass dafür könnte die Berichterstattung über die mutmaßlichen Missbrauchsfälle sein, wird vermutet.

Laut Wiederkehr wechselte der Mann nach seiner Tätigkeit im Penzinger Kindergarten in eine Leitungsfunktion in einen anderen Kindergarten in einem anderen Bezirk. Von dort wurden bisher aber keine Vorwürfe gemeldet, wurde heute betont. Der Mitarbeiter wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe nun ebenfalls in den Innendienst versetzt. Eine Vertragsauflösung ist laut Dienstrecht erst bei einer Verurteilung vorgesehen, hieß es am Dienstag.

Von: apa

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