Der Mann hatte am 7. März auf eine dreiköpfige Familie eingestochen

Wiener Messerattacken im März: Verdächtiger schuldfähig

Freitag, 18. Mai 2018 | 16:40 Uhr

Jener 23-jährige Mann, der am 7. März in Wien-Leopoldstadt vier Personen mit einem Messer attackiert und schwer verletzt hat, ist voll zurechnungsfähig. Zu diesem Ergebnis kommt der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann, der den afghanischen Asylwerber eingehend untersucht hat. Eine “psychische Störung im Sinn einer geistigen und seelischen Abartigkeit höheren Grades” sei “nicht gegeben”.

Für Hofmann drängt sich in Bezug auf den 23-Jährigen “aus psychodynamischer Perspektive der Verdacht auf, dass es hier aufgrund von Kränkungen, Frustrationen, Außenseitertum, Perspektivlosigkeit zu aggressiven Ersatzhandlungen gegen die Gesellschaft gekommen ist, in der er nie Fuß fassen konnte”. Der Gutachter geht davon aus, dass der Mann einen Amoklauf im Sinn hatte: “Es handelt sich hier um einen typischen Amoklauf, bei welchem in kurzer Zeitspanne mehrere Tötungsdelikte bzw. Versuche zu töten umgesetzt werden. Die Opfer sind Unbeteiligte bzw. auch solche, die gezielt gewählt wurden und auf einer Art innerer Abschussliste stehen.”

Der Afghane war im Oktober 2015 nach Österreich gekommen. Er wollte Pilot werden. Stattdessen lebte der Asylwerber von staatlicher Unterstützung, kam in Kontakt mit Drogen, verkaufte Cannabis und landete schließlich im Gefängnis. Anfang Dezember 2017 wurde er nach mehrmonatiger Haft bedingt entlassen. Seither lebte er auf der Straße, schlief teilweise bei Freunden. In einem Hotel am Nestroyplatz soll ihm der Portier einen Schlafplatz angeboten haben. Den Angaben des 23-Jährigen zufolge wollte der Portier für diesen Gefallen aber Sex. Weil der junge Afghane das ablehnte, musste er die klirrend kalte Nacht im Freien verbringen.

Wie der Verdächtige nach seiner Festnahme der Polizei erklärte, wollte er am Abend des 7. März mit zwei Messern bewaffnet das Hotel aufsuchen und es dem Portier heimzahlen: “Ich wollte ihn mit dem Messer verletzen, damit er mir nie wieder im Leben sagt, dass ich schwul bin.” Bevor er das Hotel erreichte, begegnete ihm am Nestroyplatz zufällig ein Familie. Ein Arzt hatte seine Ehefrau und seine 17 Jahre alten Tochter zum Essen in ein Lokal ausgeführt. Weil der Afghane den Eindruck hatte, die drei würden ihn auslachen, stach er mit zwei Messern auf sie ein und verletzte sie schwer, den Arzt lebensgefährlich. Danach schlug er mit dem Messer gegen eine Auslagenscheibe des Lokals, das darauf von innen abgesperrt wurde.

Der 23-Jährige flüchtete Richtung Praterstern, wo er jenen Landsmann suchte, den er für dafür verantwortlich machte, ihn mit Drogen in Kontakt gebracht zu haben. Als er diesen an einem Kebabstand sah, stach er auch diesen Mann nieder.

Nach seiner Festnahme und Überstellung in die Justizanstalt Josefstadt machte der 23-Jährige wirre Angaben, sprach von inneren Stimmen und “Teufelsmenschen”, die ihn verfolgen würden. Ende März wurde er mit Verdacht auf paranoide Schizophrenie vorübergehend ins Otto-Wagner-Spital (OWS) verlegt, wo er mehrere Selbstmordversuche unternahm. Den nunmehrigen fachärztlichen Feststellungen zufolge liegen beim 23-Jährigen allerdings “keinerlei Anhaltspunkt auf schwerwiegende psychische Erkrankungen” vor. Der Psychiater geht vielmehr davon aus, dass der 23-Jährige zum Zeitpunkt der Messerangriffe “über einen völlig geordneten Gedankengang verfügte”. Hofmann schließt in seinem 42-seitigen Gutachten “relevante schwerwiegende psychische Symptombildungen” aus, die zu dem gewalttätigen Verhalten geführt hätten.

Da somit kein Schuldausschließungsgrund vorliegt, ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Verdächtigen demnächst Anklage wegen vierfachen versuchten Mordes erheben wird. Sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz, der den Mann gemeinsam mit der Anwältin Astrid Wagner vertritt, will dessen ungeachtet die psychische Befindlichkeit seines Mandanten “weiter hinterfragen, weil ich schon den Eindruck gehabt habe, als wäre er nicht bei Sinnen”, wie er am Freitag der APA erklärte.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Wiener Messerattacken im März: Verdächtiger schuldfähig"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
p.181
p.181
Grünschnabel
9 Tage 33 Min

Wenn Kränkungen, Frustrationen und Perspektivlosigkeit Gründe für Morde sein, miaßets viele Toate gebn.

wpDiscuz