Die Kälte hat Europa fest im Griff

Winterwetter sorgt für Chaos in Europa

Donnerstag, 01. März 2018 | 14:16 Uhr

Weite Teile Europas sind derzeit von heftigen Schneefällen und eisigen Temperaturen betroffen. Nach Rom und Neapel wurde auch Florenz am Donnerstag von einem Schneefall lahmgelegt. Alle Schulen und Kindergärten blieben geschlossen. In Tschechien kamen wegen Dauerfrosts mindestens acht Menschen ums Leben. In der Nacht auf Donnerstag fielen die Temperaturen mancherorts unter minus 20 Grad.

Die meisten der Kälteopfer waren Obdachlose, wie in Asch, der westlichsten Stadt Tschechiens, wo nach Angaben der Polizei ein 44-Jähriger tot in einem verlassenen Gebäude gefunden wurde. Die Heilsarmee lobte eine “gewaltige Welle der Solidarität”. In diesem Winter seien bereits mehr als 18.000 Gutscheine im Wert von umgerechnet rund vier Euro für eine Nacht im Warmen gespendet worden, teilte die christliche Hilfsorganisation mit. Nach einem Bericht der Zeitung “Pravo” aus Prag lehnen es dennoch viele Obdachlose ab, eine Notunterkunft aufzusuchen – zum Beispiel weil dort keine Hunde, aber auch kein Alkohol erlaubt sind.

Auch in Schweden kam eine Frau ums Leben. In der Nacht auf Donnerstag erfror eine 35-Jährige aus dem westlichen Afrika in Schweden. Sie war zuvor nach Polizeiangaben zusammen mit ihrer achtjährigen Tochter in einem Wald bei Sävsjö umhergeirrt. Suchmannschaften fanden die beiden völlig unterkühlt. Sie seien bei minus zehn Grad nur leicht bekleidet gewesen. Die Mutter starb wenig später, ihre Tochter lag am Donnerstag noch im Krankenhaus. Bereits am Mittwochnachmittag war der neunjährige Sohn an einer Straße aufgelesen worden, wie die Polizei mitteilte.

Die Frau lebte der schwedischen Zeitung “Expressen” zufolge mit ihren beiden Kindern in einer Flüchtlingsunterkunft. Das Personal hält es für möglich, dass der Asylantrag der Familie abgelehnt worden war.

In der Schweiz sanken die Temperaturen in den vergangenen Tagen auf knapp minus 40 Grad Celsius in höheren Lagen. Der Airport Genf sei angesichts der herrschenden Wetterbedingungen bis auf Weiteres für den Flugverkehr gesperrt, teilte der Flughafenbetreiber mit. Passagiere seien aufgefordert, vorerst nicht zum Flughafen zu kommen. Auch im Zugverkehr gab es in der Schweiz am Donnerstag Verspätungen, auf den Straßen gab es zahlreiche Unfälle.

Auch in Großbritannien gab es wegen des Winterwetters Einschränkungen im Flugverkehr. An vielen Flughäfen gab es Flugstreichungen und -verspätungen, die Airports im schottischen Glasgow und in Edinburgh wurden bis Donnerstagmittag komplett geschlossen. Die irische Billigfluglinie Ryanair strich alle Flüge von und nach Dublin.

Schneefall führte auch in Teilen Südfrankreichs zu einem Verkehrschaos und bescherte Hunderten Autofahrern eine harte Nacht. In der Region Montpellier steckten auf der Autobahn zahlreiche Wagen über Nacht fest. Mehr als 1.500 Menschen wurden in der Nacht auf Donnerstag in Notunterkünften beherbergt. Andere mussten aber in ihren Fahrzeugen ausharren.

Ein Journalist der französischen Zeitung “La Provence”, der seit Mittwochnachmittag mit seinen zwei kleinen Kindern bei Montpellier festsaß, sprach von einem “reinsten Albtraum”. “Immer noch blockiert. Ohne Info. 300 Meter in 21 Stunden geschafft”, schrieb er auf Twitter. Erst am Donnerstagnachmittag meldete er, dass nun versucht werde, die festsitzenden Autos von der Straße zu holen.

Ganz Italien ist ebenfalls von einer ungewöhnlichen Kältewelle erfasst. Am Mittwoch hatte es auch in Venedig geschneit. Rom hatte bereits am Montag unter einer Schneedecke gelegen. Auch in Turin, Genua, in der Erdbebenstadt L ́Aquila und in mehreren Städten Venetiens, darunter Verona, Padua und Vicenza schneite es heftig. In der Apennin-Bergregion, wo auch vom Erdbeben zerstörte Städte wie Amatrice liegen, sollte es in der Nacht bis zu minus 20 Grad kalt werden.

Angesichts der Eiseskälte wuchs die Gefahr für Obdachlose. Mehrere Städte, darunter Mailand und Rom, stellten zusätzliche Betten in Notunterkünften bereit. Der Mailänder Bürgermeister Beppe Sala appellierte an die Obdachlosen in seiner Stadt, angesichts der niedrigen nächtlichen Temperaturen die von der Gemeinde und der Caritas zur Verfügung gestellten Unterkünfte aufzusuchen. Viele Obdachlose würden sich jedoch weigern, in Herbergen zu übernachten. Am Dienstag war ein 47-jähriger Obdachloser tot aufgefunden worden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte angesichts der Kälte in Europa vor Gesundheitsgefahren. Kaltes Wetter erhöhe das Risiko von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, hieß es in einer Mitteilung des Kopenhagener WHO-Büros. “Selbst dort, wo die Temperaturen nicht besonders niedrig sind, kann Kälte in vielerlei Hinsicht gesundheitsschädlich sein”, sagte WHO-Europadirektorin Zsuzsanna Jakab.

Kälte könne bestehende Erkrankungen verschlimmern und das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfälle vergrößern. Zu den am stärksten gefährdeten Personen gehören demnach ältere Menschen, Kinder, Obdachlose und Menschen mit chronischen Krankheiten sowie mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Die WHO forderte die von der Kältewelle betroffenen Länder auf, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Menschen zu schützen.

Von: APA/dpa