Sichere Schulen: Für die Wissenschafter ein Mythos

Österreich: Wissenschafter fordern sofortige Schließung von Schulen

Montag, 09. November 2020 | 15:20 Uhr

Einen deutlich strengeren Lockdown als derzeit fordert eine Gruppe österreichischer Wissenschafter unterschiedlicher Fachrichtungen. Sie sprechen sich für die sofortige Schließung aller Schulen, die “Pflicht zu home-office, wo immer möglich” sowie die Erhöhung des Mindestabstands von einem auf zwei Meter aus, andernfalls würden Österreich überlastete Spitäler und Triage drohen. Schulen seien “einer der Treiber von respiratorischen Viren”, argumentierten sie.

“Der ‘Lockdown light’ setzt, im Gegensatz zum rigorosen Lockdown im Frühjahr, teils auf die falschen Maßnahmen und ist viel zu locker”, meinen der Mathematiker Peter Markowich, der Informatiker Georg Gottlob und die beiden Physiker Christoph Nägerl und Erich Gornik, allesamt Träger des Wittgenstein-Preises – der höchste Wissenschaftsförderpreis Österreichs – aus den vergangenen Jahrzehnten, in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Sie sehen daher “nach aller wissenschaftlicher Evidenz Österreich seit Wochen ungebremst in die Katastrophe überlasteter Spitäler fahren, wo Ärzte Triage machen und PatientInnen unbehandelt sterben lassen müssen”.

Österreichische Studien, die das Gegenteil beweisen wollen, sind methodisch falsch bzw. überholt”. Aussagen wie “Die Schulen sind besonders sichere Orte” seien nicht aufrecht zu erhalten. Sie empfehlen daher, alle Schulen sofort zu schließen und Unterricht wo möglich online abzuhalten. Die Schulen seien nicht die alleinige Ursache der Explosion der Fallzahlen, aber “ganz sicher ein signifikanter Beitrag” und “eine der effektivsten Einzelmaßnahmen überhaupt”.

Weiters empfehlen sie, den Mindestabstand von ein auf zwei Meter zu erhöhen. Auch Betriebe sollten sofort herunterfahren, speziell Großraumbüros, und eine “Pflicht zu home-office, wo immer möglich” eingeführt werden.

Mit jedem Tag eines “weichen” Lockdowns werde der Schaden für die Wirtschaft und für die Gesellschaft, inklusive der Kinder, größer. “Auch wenn alle großen Nachteile der Schulschließungen berücksichtigt werden, wiegt die Katastrophe der Überlastung der Spitäler schwerer. Alle, die jetzt gegen Schulschließung reden, müssen dazusagen, dass sie damit für Triage spätestens ab 18. November sind”, meinen die Wissenschafter.

Auf die unterschiedliche Datenlage zum Thema Corona und Schule verweist das Bildungsministerium. “Es gibt eine vielfältige Forschungslage zu dem Thema”, hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme. “Wichtig ist es, die Balance zwischen Gesundheitsschutz und den berechtigten Interessen auf Bildung herzustellen”, betont man im Ministerium.

Von: apa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Österreich: Wissenschafter fordern sofortige Schließung von Schulen"


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MickeyMouse
MickeyMouse
Grünschnabel
26 Tage 13 h

Vielleicht hilft es einigen, wenn österreichische Wissenschaftler dies sagen – denn angeblich reichen die südtirolerischen und italienischen Meinungen der Ärzt nicht, um zu verstehen, dass es schon fünf nach zwölf ist!

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