Nun ragt in Kensington ein verkohlter Turm aus der Landschaft

Wohl 58 Tote bei Londoner Hochhausbrand

Samstag, 17. Juni 2017 | 22:38 Uhr

Nach dem Hochhausbrand in London geht die Polizei mittlerweile von 58 Toten aus. Das teilte die Behörde am Samstag in der britischen Hauptstadt mit Verweis auf Vermisstenmeldungen mit. Zwischen 400 und 600 Menschen sollen in dem 24 Stockwerke hohen Sozialbau gelebt haben. Zehn Verletzte befinden sich noch in kritischem Zustand.

Nach heftiger Kritik an ihrer Reaktion auf die Brandkatastrophe in London rief die britische Premierministerin Theresa May Regierungsmitglieder zu einer Sondersitzung ein. Sie wolle dafür sorgen, dass “alles Mögliche getan wird, um die Betroffenen der Tragödie von Grenfell zu unterstützen”, sagte ein Regierungssprecher am Samstag.

Kritiker hatten May vorgeworfen, nicht schnell genug auf das Unglück reagiert zu haben. Außerdem hatte sie bei einem Besuch am Grenfell Tower am Donnerstag nicht mit den Opfern gesprochen.

Am Samstagabend räumte May nach einem Treffen mit Opfern, Anrainern, und freiwilligen Helfern ein: Die Unterstützung der Angehörigen, die kurz nach der Katastrophe Hilfe oder Informationen brauchten, sei “nicht gut genug” gewesen. Ein Sprecher der Gruppe sagte, bei dem zweieinhalbstündigen Treffen seien der Regierungschefin die Forderungen der Betroffenen überbracht worden

Königin Elizabeth II. rief die Briten am Samstag während der Parade anlässlich ihres 91. Geburtstags zum Zusammenhalt auf. Die Briten seien “geeint in unserem Schmerz, aber wird sind es auch – ohne Angst oder Unterscheidung – in der Unterstützung für all diejenigen, die ihr Leben wieder aufbauen”, erklärte die Queen, die der Opfer des Hochhausbrandes mit einer Schweigeminute gedachte.

Die Wut auf Regierung und Behörden in Großbritannien war auch am Wochenende noch groß. Vize-Premier Damian Green wies am Samstag in der Früh Vorwürfe zurück, May habe nicht angemessen auf das Unglück reagiert. “Sie ist von den Ereignissen genauso bestürzt wie wir alle”, sagte Green der BBC. Die Regierung werde in den kommenden Tagen einen Vorsitzenden für die öffentliche Untersuchung des Brandes bestimmen.

Unterdessen gab es am Samstag weitere Proteste gegen May. Vor dem Eingangstor zur Downing Street Nummer 10, wo die britische Regierungschefin ihr Büro hat, hielten einige Teilnehmer Schilder mit dem Slogan hoch: “Trotzt der Tory-Herrschaft”. Sprechchöre riefen “Vorwärts, Jeremy Corbyn!”, um ihre Unterstützung für den Chef der oppositionellen Labour-Partei kundzutun.

Von: APA/dpa/ag.