Wert für Anschober "persönlich zu hoch"

Zahl der in Österreich an Covid-19-Erkrankten stieg über 700

Donnerstag, 02. Juli 2020 | 16:12 Uhr

Wie schon am Vortag ist am Donnerstag Oberösterreich Österreichs “Hotspot” an Neuinfektionen mit dem Coronavirus gewesen. Die Zahl der Neuerkrankten ging aber immerhin von 61 auf 42 zurück, jene für das gesamte Bundesgebiet von 107 auf 68. “Es hat sich wieder normalisiert. Aber es ist noch immer ein Wert, der mir persönlich zu hoch ist”, sagte dazu Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Da es im Tagesvergleich (Stand: 12.00 Uhr) nur 23 Genesene gegeben hat, stieg die Zahl der bundesweit aktuell Erkrankten um weitere 45 auf 722 an. Am Dienstag waren es noch 583 gewesen.

Das deutliche Plus bei den Neuinfektionen sei eine Folgewirkung des “durchaus beachtlichen” Ansteckungsherds in Oberösterreich, wo u.a. mit Schul- und Kindergartenschließungen in mehreren Regionen Maßnahmen gesetzt wurden. Die oberösterreichischen Behörden hätten konsequent und rasch reagiert, sagte der Minister.

Seit Mittwoch beobachte Anschober eine “im regionalen Bereich von uns erwartete, aber durchaus mit Sorge zu sehende Entwicklung”. Die Daten aus Oberösterreich seien eine Zuspitzung, generell sei mit einer Erhöhung der Fallzahlen in der aktuellen Phase 3 im Kampf gegen das Coronavirus aber gerechnet worden, sagte am frühen Vormittag in Wien. Ziel sei, den Anstieg rasch wieder “einzufangen”, verwies er auf rasches Kontaktpersonen-Management.

Zumindest im weiteren Lauf des Vormittags weitete sich der oberösterreichische Corona-Cluster, in dessen Zentrum eine freikirchliche Gruppe steht, jedenfalls immer mehr aus. Er umfasste dann bereits 99 Personen.

Kritik an den Schulschließungen in Oberösterreich kam von den NEOS. Dass als erste Maßnahme ausgerechnet die flächendeckende Schließung von Schulen und Kindergärten durchgeführt wurde, lässt für Parteichefin Beate Meinl-Reisinger nichts Gutes für den Herbst erwarten. Für die Absage von Indoor-Veranstaltungen habe es hingegen nur eine Empfehlung gegeben. Meinl-Reisinger forderte zudem eine ordentliche Teststrategie und Transparenz.

Ähnlich urgierte SPÖ-Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner erneut mehr und schnellere Tests als “effiziente und schnelle Virusbremse”. “Einen neuerlichen Shutdown können wir uns schon rein wirtschaftlich nicht leisten”, meinte Rendi-Wagner. Angesichts der derzeitigen Situation mit steigenden Fallzahlen in einzelnen Clustern sei zwar keine Panik angebracht, sehr wohl aber “große Achtsamkeit”.

Und am Donnerstag wurde auch ein großes Screeningprogramm auf SARS-CoV-2 angekündigt. Mit nächster Woche sollen bundesweit gezielt Personen- und Berufsgruppen angesprochen werden, in denen die Situation genauer beobachtet werden soll. “Wir gehen von einer zusätzlichen benötigten Kapazität von 25.000 bis 30.000 Tests pro Woche aus”, sagte Ulrich Herzog, stellvertretender Sektionsleiter für Verbrauchergesundheit und Veterinärwesen im Gesundheitsministerium.

Untersucht werden sollen Personen ohne Symptome in potenziellen Risikobereichen. Grob definiert: Pflege- und Altenheime mit Personal und Bewohnern, sonstige Gesundheitseinrichtungen (Arztpraxen, Krankenhäuser etc.) und Logistikunternehmen sowie beispielsweise große Betriebe der Fleischverarbeitungsbranche. Hinzu kämen Personen in prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen. Die Kosten können bis Ende 2020 rund 240 Millionen Euro betragen, ließ Anschober wissen.

Von: apa