Auf dem Bild sieht man einen Arbeiter im Schutzanzug, der öffentliche Straßen reinigt.

Zahlen steigen weltweit: Länder riegeln sich weiter ab

Samstag, 21. März 2020 | 20:39 Uhr

Während China den dritten Tag in Folge keine neuen Ansteckungen mit dem Coronavirus im Inland vermeldete, nimmt die Zahl der Infizierten weltweit zu. Knapp eine Milliarde Menschen rund um den Globus müssen wegen der Coronavirus-Pandemie das Wochenende laut Schätzungen in den eigenen vier Wänden verbringen. Frankreich, Italien, Spanien und andere Länder haben landesweite Ausgangssperren verhängt.

Italien hat am Samstag seinen eigenen, traurigen Rekord von Corona-Toten gebrochen. Binnen 24 Stunden starben 793 Menschen an der neuartigen Lungenkrankheit – so viele wie noch nie an einem Tag seit dem Ausbruch im Land, wie der Zivilschutz in Rom am Abend mitteilte. Die Bilanz der Todesopfer kletterte damit auf 4.825 Personen. Die Zahl der Infizierten stieg auf 42.681.

Neben der Lombardei sind die Regionen Emilia Romagna, Venetien und Piemont am stärksten betroffen. In Kärntens Nachbarregion Friaul kletterte die Zahl der Todesopfer auf 42. Alleine in der Lombardei starben am Samstag 546 Menschen an einer Coronavirus-Erkrankung.

Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala rief die Bürger zum Durchhalten auf. “Wir haben begriffen, dass dies ein langer Marathonlauf ist”, sagte der Stadtchef. Im ganzen Land wurden am Samstag die Kontrollen verschärft, um Verstöße gegen die Quarantäne-Regeln zu vermeiden.

In Spanien steigt die Zahl der Coronavirus-Fälle weiter an. Fast 25.000 Infizierte meldete das Gesundheitsministerium am Samstag – 5.000 mehr als am Vortag. Die Zahl der Toten kletterte um ein Drittel auf mehr als 1.300. Besonders heftig betroffen ist die Region Madrid. Das Madrider Verkehrsministerium kündigte an, ab sofort auch Linienbusse zum Transport der Kranken einzusetzen.

Spanische Experten warnten vor einem kurz bevorstehenden Kollaps des Gesundheitssystems. Eine “totale” Isolierung der Menschen sei deshalb nun “unerlässlich”, fordern 69 renommierte Epidemiologen, Molekularbiologen und Wissenschaftler anderer Fachbereiche in einem am Samstag veröffentlichten offenen Brief. Es müsse eine noch stärkere Einschränkung der Bewegungsfreiheit angeordnet werden, hieß es.

In Frankreich ist die Zahl der Coronavirus-Toten um 112 auf 562 angestiegen. Dies teilte das Gesundheitsministerium in Paris mit. Nach Zahlen vom Samstag sind 14.459 Menschen infiziert, 1.847 mehr als am Vortag. Frankreich hatte am Dienstag eine Ausgangssperre verhängt. 1.525 Personen befinden sich in kritischem Zustand, insgesamt werden 6.172 mit Covid-19 infizierte Personen im Krankenhaus behandelt, so das Ministerium.

Auch in Großbritannien spitzt sich die Lage zu. Mediziner befürchten, dass die Situation noch verheerender als in Italien werden könnte. Das Coronavirus ist in allen Landesteilen des Vereinigten Königreichs aufgetaucht. Dass immer mehr Infizierte in die Kliniken geliefert werden, macht viele Experten nervös. Denn der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service), der vor allem aus Steuermitteln finanziert wird, ist seit vielen Jahren chronisch unterfinanziert, überlastet und marode.

So stehen in Großbritannien gerade einmal 4.000 Beatmungsgeräte für Erwachsene und 900 für Kinder zur Verfügung. Premierminister Boris Johnson hat nun sogar unter anderem bei Autobauern nachgefragt, ob sie solche Apparaturen herstellen könnten. Seit Freitagabend sind Pubs, Kinos, Restaurants und Kultureinrichtungen geschlossen.

In London werden indessen Hunderte Obdachlose in Hotels untergebracht, um sie vor dem neuartigen Coronavirus zu schützen, kündigte Bürgermeister Sadiq Khan an. Es stünden dafür rund 300 Zimmer in zwei Hotels zur Verfügung. Die Maßnahme sei zunächst auf zwölf Wochen befristet.

In den USA wurden nach neuen Angaben der Johns Hopkins Universität mehr als 16.600 Infektionsfälle gezählt. Nach New York und Kalifornien verhängte auch der Bundesstaat Illinois drastische Maßnahmen im Kampf gegen das Virus

Auch im ebenfalls schwer mitgenommenen Iran stieg die Bilanz auf 1.556 Tote an. Aus Finnland oder Litauen wurden die ersten Toten im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

Der amtierende Chef des deutschen Biotechunternehmens CureVac, Franz Werner Haas, hält bereits ab Herbst die Versorgung Zehntausender Menschen mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus für möglich. Die entsprechenden Daten dafür sollten im dritten Quartal vorliegen, sagte Haas der “Wirtschaftswoche”. “Wenn die Daten gut sind und die Behörden ihr Okay geben, können wir noch dieses Jahr eine größere Studie starten.” Wann der Impfstoff für die breite Masse verfügbar ist – ob noch heuer oder erst 2021 – hänge dann vom Ausgang der klinischen Studie und der Entscheidung der Zulassungsbehörden ab.

Von: APA/ag.