Frankreichs Innenminister mit Einsatzkräften

Zehn Tote bei Wohnhausbrand in Frankreich

Freitag, 16. Dezember 2022 | 13:24 Uhr

Bei einem Brand in einem siebenstöckigen Wohnhaus in einem Vorort von Lyon sind zehn Menschen gestorben, unter ihnen fünf Kinder im Alter von drei bis 15 Jahren. Vier Menschen befanden sich in Lebensgefahr, 15 weitere seien leichter verletzt, teilte die zuständige Präfektur am Freitag mit. Innenminister Gérald Darmanin erwähnte einen Treffpunkt von Drogenhändlern in dem Wohnhaus. Die Ursache des Feuers in Vaulx-en-Velin war zunächst unklar.

Die Staatsanwaltschaft von Lyon nahm Ermittlungen auf. Ein krimineller Hintergrund werde nicht ausgeschlossen, betonte die Strafverfolgungsbehörde. “Es war allgemein bekannt, dass es in diesem Haus einen Treffpunkt von Dealern gab”, sagte Darmanin. Noch in der Nacht des Brandes seien mutmaßliche Drogenhändler festgenommen worden. Es sei aber noch zu früh, um Schlussfolgerungen zur Brandursache zu ziehen.

“Es ist ein Schock, die Zahl der Opfer ist erschreckend hoch”, sagte Darmanin, der am Freitagvormittag mit Angehörigen der Opfer zusammentraf. Er dankte den Feuerwehrleuten, die 15 Menschen unter Einsatz ihres Lebens gerettet hätten, indem sie an der Fassade hochgeklettert seien. “Ohne ihren schnellen und heldenhaften Einsatz wäre die Zahl der Opfer noch dramatischer gewesen”, sagte er.

Das Feuer war nach Abgaben der Feuerwehr gegen 3.00 Uhr in der Nacht auf Freitag im Erdgeschoss ausgebrochen. Etwa 170 Feuerwehrleute und 65 Löschfahrzeuge waren im Einsatz. Die Flammen wurden bis in der Früh gelöscht. “Ich habe Menschen um Hilfe schreien hören”, sagte Assed Belal, ein junger Mann aus der Nachbarschaft, der sich während des Brandes in der Nähe befand. “Einige Menschen saßen auf ihren Balkonen fest, die Feuerwehr hatte Schwierigkeiten wegen der Bäume”, berichtete er der Nachrichtenagentur AFP. Er habe von Freunden gehört, dass sie ein etwa zehn Jahre altes Kind aufgefangen hätten, das dessen Mutter von einem Balkon geworfen habe, um es vor den Flammen zu retten. Diese Szene habe er selbst allerdings nicht gesehen.

“Heute müssen wir an der Seite der Opfer stehen”, sagte der Stadt- und Wohnungsbauminister Olivier Klein dem Sender LCI. Die Regierung arbeite mit der Bürgermeisterin des Ortes zusammen, um die Menschen unterzubringen. “Wir werden die Toten beweinen und die Überlebenden begleiten”, sagte die Bürgermeisterin von Vaulx-en-Velin, Hélène Geoffroy.

In zwei nahe gelegenen Schulen wurde Betroffenen seelische Unterstützung angeboten. Ein Abgeordneter der konservativen Republikaner verwies darauf, dass es in dem Viertel in der Vergangenheit häufiger Sicherheitsprobleme gegeben habe. Das Viertel Mas du Taureau galt lange als sozialer Brennpunkt und wird seit einigen Jahren modernisiert.

Nach Aussagen von Anrainern hatten Drogenhändler sich im Erdgeschoss eingerichtet. Dort sei auch ein ausrangiertes Sofa gestanden. “Hier wissen alle, was los ist. Die Menschen, die in dem Viertel leben, haben Angst”, sagte ein anonymer Bewohner des Viertels der Zeitung “Le Progrès”.

Von: APA/AFP

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