Vor allem Mädchen sind von Ausgrenzung betroffen

Zig Millionen Kinder mit Behinderungen ohne Bildungschance

Montag, 17. Oktober 2016 | 02:05 Uhr

Weltweit weisen 65 Millionen Kinder im Schulalter Behinderungen auf. Zumindest die Hälfte von ihnen hat aus diesem Grund keinen Zugang zu Bildung. Die Hauptursache liegt darin, dass viele Regierungen zu wenig oder gar keine Budgetmittel für die Bedürfnisse dieser Kinder bereitgestellt haben. Das geht aus einem Bericht hervor, der in der Nacht auf Montag bei der UNO veröffentlicht wurde.

Ein Konsortium (International Disability and Development Consortium; IDDC) hat die Studie erstellt. Dieser Zusammenschluss wird von Licht für die Welt, die Open Society-Stiftungen des US-Milliardärs George Soros und anderen Behindertenrechts- und Entwicklungsorganisationen unterstützt. Diese Organisationen richteten einen Appell an Regierungen und internationale Organisationen, dringend Initiativen zur Verbesserung der Situation zu ergreifen.

Einige Daten des Berichts: 59 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter gehen weltweit nicht in Lehranstalten. Bis zu einem Drittel der Kinder dieser Gruppe hat Behinderungen. Und das betrifft dem Bericht zufolge auch Länder, in denen nahezu jedes Kind in die Schule geht. Eine Behinderung verdoppelt demnach die Gefahr für ein Kind, nicht eingeschult zu werden. Dazu kommen geschlechtsspezifische Unterschiede. Mädchen tragen das größte Risiko, von Bildung ausgeschlossen zu sein.

In Ländern mit niedrigem Durchschnittseinkommen haben nur fünf bis 15 Prozent der Kinder mit Behinderungen Zugang zu für sie notwendigen technischen Hilfsmitteln. Das wiederum hemmt ihre Chancen beim Zugang zu Schulen und ihrer Teilnahme am Unterricht, hat Auswirkungen auf ihren Lernerfolg und untergräbt ihre Unabhängigkeit sowie ihre soziale Inklusion.

Dabei sind die wirtschaftlichen Kosten von Exklusion, also Ausgrenzung aus der Gesellschaft, enorm, heißt es in dem Bericht. Kinder, die nicht in die Schule gehen, kosten nach Schätzungen mehr als das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in neun Ländern mit Niedrigeinkommen, wie zum Beispiel Burkina Faso und Jemen. Diese Kosten sind auch höher, als die Einschulung in großen Ländern mit mittleren Einkommen, wie etwa Brasilien ausmachen würde.

In dem Bericht wird zudem deutlich, dass die inklusive Ausbildung von Kindern mit Behinderungen, also in Regelschulen gemeinsam mit Kindern ohne Behinderungen, die sozial beste und auch die kostengünstigste ist. Die realen Konzepte folgen diesen Empfehlungen aber in vielen Fällen überhaupt nicht. Lokale und Spendenfinanzierungsmodelle für die inklusive Bildung seien absolut unzureichend, diese werde als zu teuer angesehen, betonte das IDDC. Nur wenige Länder geben demnach genug für die inklusive Ausbildung aus und bemühen sich beispielsweise um barrierefreie Schulgebäude. Doch auch unter internationalen Geldgebern scheint die Überzeugung für die inklusive Erziehung nicht sehr ausgeprägt.

Von: apa

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