Impfauffrischung mit Tetanus und Pertussis spätestens alle zehn Jahre

Zwei Diphtherie-Fälle in Österreich, Mann in Wien gestorben

Donnerstag, 09. Juni 2022 | 17:55 Uhr

In Österreich ist ein Mann an der durch eine verfügbare Impfung hierzulande sehr selten gewordenen Diphtherie gestorben. In den vergangenen Tagen waren zwei Fälle der meldepflichtigen Krankheit aufgetreten, die von Bakterien ausgelöst wird, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Die Männer wurden in einem Wiener Spital betreut, der zweite ist auf dem Weg der Besserung. Laut Stadt Wien kamen die Patienten aus Niederösterreich zur Behandlung, beide wohl ungeimpft.

Diphtherie wird durch Gifte (Toxine) von Bakterien – Corynebakterium diphtheriae – verursacht. Die Bakterien werden durch Tröpfchen und engen Kontakt übertragen. Die Inkubationszeit der Erkrankung beträgt in der Regel zwei bis fünf Tage. Das Krankheitsbild kann von einer lokalen Infektion in Nase und Rachen bis hin zur Kehlkopfdiphtherie oder einer schweren toxischen Form mit Herzmuskel-, Nieren- oder Leberschäden bis zum Tod reichen. Ausreichend geimpfte Personen können C. diphtheriae im Nase-Rachenraum tragen und dieses übertragen, ohne selbst zu erkranken. Behandelt wird die Erkrankung mittels Antibiotika und einem Gegengift, informierte das Gesundheitsministerium.

Bei den betroffenen Personen, von denen eine gestorben ist, handelt es sich um Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Büro des Wiener Gesundheitsstadtrates Peter Hacker (SPÖ). Die Behandlung erfolgte in der Klinik Favoriten, die für ihre Spezialabteilung für meldepflichtige Infektionskrankheiten bekannt ist. Nähere personenbezogene Daten wurden von Gesundheitsministerium und Stadt Wien aus Datenschutzgründen nicht bekanntgegeben.

Ob die beiden Fälle miteinander Kontakt hatten, sei noch in Abklärung. Die Gesundheitsbehörden der Stadt gingen davon aus, dass beide Personen ungeimpft waren, zumindest war der Impfstatus unbekannt. Der Bevölkerung wurde empfohlen, den eigenen Impfstatus zu überprüfen und fällige Impfungen oder Auffrischungen nachzuholen. Dies sei allerdings “nicht akut” notwendig, beruhigte das Büro von Stadtrat Hacker, sondern etwa beim nächsten geplanten Arztbesuch.

Generell gibt es in Österreich eine hohe Impfquote gegen Diphtherie, da die Immunisierung schon lange im Kinderimpfprogramm verankert ist. “Basierend auf den Durchimpfungsraten, die wir analysieren konnten im Zusammenhang mit Abgabezahlen im kostenfreien Impfprogramm, wissen wir beispielsweise, dass bei den Elf- bis 13-Jährigen Durchimpfungsraten über 85 Prozent erreicht werden”, berichtete die Leiterin der Abteilung Impfwesen im Gesundheitsministerium, Maria Paulke-Korinek, im Ö1-“Mittagsjournal”. Sie betonte aber die Wichtigkeit von regelmäßigen Auffrischungen.

Die Grundimmunisierung erfolgt in der Regel im Rahmen der Sechsfach-Impfung gegen Diphtherie-Tetanus-Polio-Pertussis-Hepatitis B-Haemophilus B im Gratis-Kinderimpfprogramm. Dabei sind drei Impfungen im dritten, fünften sowie elften bis zwölften Lebensmonat empfohlen. Für Personen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr werden Kombinationsimpfstoffe empfohlen, die Komponenten gegen Diphtherie-Tetanus-Pertussis und gegebenenfalls Polio enthalten. Die erste Auffrischungsimpfung ist im siebenten bis neunten Lebensjahr empfohlen, danach alle zehn Jahre, bzw. alle fünf Jahre ab dem vollendeten 60. Lebensjahr.

Nach 20 diphtheriefreien Jahren waren in Österreich seit 2014 einzelne Fälle von Wund- oder Hautdiphtherie gemeldet worden, nun handelt es sich um zwei Fälle von respiratorischer Diphtherie. Weitere labordiagnostische Abklärungen sind im Gang, hieß es aus dem Ressort von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne). Über die zwei Fälle hinausgehende Ansteckungen wurden vorerst nicht befürchtet.

Von: apa

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